Computerspiel „The Last of Us“

Urberacherin im Endzeit-Chaos

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Annette Potempa - hier bei den „Sprechenden Fischen“ hinter der Trinkbornschule - konnte sich mit der Kunstfigur Ellie schnell identifizieren. Privat hat die frühere Olympiaturnerin mit Computerspielen wenig am Hut. Ein gutes Buch ist ihr lieber.

Urberach - Die Stimme einer Urberacherin schallt durch die Ruinen von New York. Die Wolkenkratzer werden von Büschen überwuchert, im Großstadtdschungel haben brutale Gangs das Sagen. Von Michael Löw

Durch dieses Endzeit-Chaos kämpfen sich Joel und seine Tochter Ellie - die Hauptfiguren im Computerspiel „The Last of Us“.

Annette Potempa leiht Ellie ihre Stimme. Mal klingt sie verängstigt, mal wütend, mal kämpferisch. Vor allem aber klingt die 36-Jährige glaubhaft nach einem 14-jährigen Mädel, das mit seinem Adoptivvater wider Willen durch die verfallenen Staaten von Amerika fährt. „Dank toller Synchronsprecher sind Joel und Ellie die wahren Stars beim Weltuntergang“, loben Computerfreaks, die dem Spiel an sich allenfalls Durchschnittsnoten geben.

Wäre „The Last of Us“ keine Animation, sondern ein richtiger Film, könnte Annette Potempa durchaus die Hauptrolle spielen. Die nötige Fitness jedenfalls hat sie, denn sie hat ein halbes Leben lang geturnt - auf höchstem Niveau. Ihre ersten deutschen Meisterschaften gewann sie 1988 als Schülerin im Achtkampf und auf dem Schwebebalken. 1991 wurde sie in den Olympiastützpunkt nach Frankfurt berufen. Einer der Trainer damals: Wolfgang Dreyer vom MTV Urberach.

Sportlich erfolgreichstes Jahr

Amerika liegt in Trümmern, hinter jeder Ruine lauern tödliche Gegner. Durch dieses Szenario kämpft sich Ellie, deren deutsche Synchronstimme Annette Potempa ist.

Annette Potempas sportlich erfolgreichstes Jahr war 1992. Sie startete bei der Europameisterschaft in Nantes und bei der Weltmeisterschaft in Indianapolis. Platz zehn mit der Mannschaft bedeutete die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Barcelona. Der Karriereknick folgte im Jahr darauf, als sie sich bei der WM-Qualifikation in Cottbus den Arm brach. Sie stieg zwar wieder ins Leistungsturnen ein und gewann noch zwei deutsche Vizemeisterschaften, doch dann hat sie „die Karriere erst einmal stillgelegt“.

Ein bisschen planlos ist sie in den folgenden Wochen und Monaten gewesen, denn ihr Leben war nun mal die Turnerei. Sie begann ein Studium der Physiotherapie in Mainz, brach es nach dem Zwischenexamen aber aus einem ungewöhnlichen Grund ab: „Jedesmal, wenn in der Sporthalle Musik erklang, wurde ich hibbelig!“

Logische Konsequenz: die Ausbildung zur Musicaldarstellerin plus Gesangs- und Schauspielunterricht. Die Zeit danach war ähnlich hart wie die virtuelle Ballerei durch das Endzeit-Amerika. Sie habe nur durchgehalten, weil sie viele Freunde hatte, „die ihr den Mut nicht genommen haben“, erzählt Annette Potempa. 2006 belohnte ein Engagement beim Südostbayerischen Städtetheater ihr Durchhaltevermögen. Weitere folgten.

Sie sang die Maria Magdalena in Jesus Christ Superstar und den Michel aus Lönneberga. Und als ob das nicht genug Beweise ihrer stimmlichen Wandlungsfähigkeit wären, hier noch ein paar Stücke, in denen Annette Potempa sang oder spielte: Aida, Grease, Die kleine Hexe, Das Dschungelbuch...

Die Idee, Sprecherin zu werden, spukte schon lange durch ihren Kopf. Sie besprach Demobänder, klapperte Tonstudios ab und nahm an Castings teil. Am Ende war sie die deutsche Stimme von Ellie. Über die Aufnahmen selbst darf Annette Potempa nicht viel erzählen; das steht so im Vertrag. Das Studio war grau, sie stand vor einem Bildschirm, sah die postapokalyptische Landschaft und musste sich Ellies Stimmung und Stimme in der Phantasie ausmalen. „Die Figur Ellie war mir sofort sympathisch“, schwärmt Annette Potempa. „Sie war so schmerzfrei, wie ich früher in der Turnhalle auch war. Da wurde nicht lange gefackelt!“

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Quelle: op-online.de

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