Seetüchtige „Generation X“ im Rotahasaal

Theater geht auf Tauchstation

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Ober-Roden - Zum vierten Mal lud Theaterpädagogin Birte Itta im Rahmen der städtischen Ferienspiele zu Theater der „Generation X“ ein. Das „X“ steht dabei für jedes denkbare Alter von zehn bis 100.

Das Angebot zählt zum Rödermärker Generationensommer und möchte Jung und Alt zusammenbringen und von den jeweiligen Erfahrungen profitieren lassen. Birte Itta und ihre „Regieassistentin“ Christa Wolf reizt dabei vor allem die Lust am Darstellen und Improvisieren, das Entstehen einer Geschichte, zu der es anfangs nicht mehr als eine Idee gibt. Waren anfänglich die Seniorinnen in diesem Ferienprojekt in der Überzahl, staunten die Theaterfrauen nicht schlecht, als jetzt völlig unerwartet sechs Jungen, eine Abiturientin Jana Schulz (18) und mit Hannelore Schreier ein „Special Guest“ gestandeneren Alters am ersten Morgen im Rotahasaal standen. Benny, Felix, Manuel, Nils, Julian und Jonas, alle zwischen neun und zwölf Jahren, kommen aus der Trinkborn- und der Nell-Breuning-Schule. Vier von ihnen sind eine eingespielte Truppe. Sie waren davor schon zusammen in Urlaub und wollten auch weiterhin etwas zusammen machen. Da hatte eine der Mütter den Theaterworkshop eingeworfen. „Das fanden wir alle gut, denn wir machen alle gerne so etwas.“

Birte Itta hatte von dieser Konstellation erst sehr spät erfahren und musste noch spontaner sein als sonst: „Ein paar zartere Szenen und Assoziationen mussten wir weglassen. Dafür haben wir gemeinsam Szenen entwickelt rund um Mord und Totschlag“, sagt sie schmunzelnd. „Auf Tauchstation“ war ihre Leitidee gewesen – schlichtweg alles an Assoziationen wurde gesammelt und verarbeitet, was den Teilnehmern zum Thema Wasser vorder- wie auch hintergründig einfiel. Das reichte in der Vorstellung letztlich von der Strandsuche mit Handtuch und Taucherflossen bis zum verwobenen Textgeflecht aus Friedrich Schillers „Der Taucher“ und Heinz Erhards Persiflage „Der Tauchenichts“.

Mit ganzem Körper im Einsatz

Ob aus Plastikschüsseln ebensolche Plastikfische geangelt wurden, mit Wasser mehrstimmige Melodien gegurgelt oder Schätze an Bord einer „Alten Fregatte“ gefunden wurden: Die Teilnehmer waren – zumeist wortlos – voll Ernst und mit ihrem ganzen Körper im Einsatz. Und die Seenotrettungszeichen wurden auch gleich mitgelernt. Bei den Jungen heißgeliebt: Die große Meeresschlacht um zwei Prinzessinnen, aber auch ein „Knallrotes Gummiboot“ mit Chorgesang und Ballettschritten. Die Zuschauer kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus, während die Mimen mit todernsten Gesichtern die Bühne rockten. Birte Itta (30) ist mittlerweile freiberufliche Theaterpädagogin mit Wohnsitz in Erlangen. Zum Broterwerb hat sie eine Anstellung an einer Schule, darüber hinaus gestaltet und begleitet sie Projekte – mal eine Woche, mal einen Monat.

Christa Wolf (65), vielen Theaterfreunden aus Rodgaus Großem Welttheater bekannt, ist seit dem Anfang dabei: die ersten beiden Jahre als Teilnehmerin, danach ist sie zur Mitverantwortlichen „aufgestiegen“. Früher als Programmiererin brauchte sie den Ausgleich. Jetzt ist sie in Rente, betont aber in klassischer Rentnermanier sofort, dass sie keine Zeit für zusätzliche Engagements hat. „Das Schöne ist: Wir bringen hier etwas zusammen, nicht nur Generationen, sondern auch Ideen.“ Das fasziniert sie. Der Hintergrund für beide Frauen: etwas lebendig werden zu lassen, einem Thema Leben einzuhauchen. Gemeinsames Brainstorming machte es möglich. Christa Wolf staunt: „Birte hat das Thema vorgeschlagen, mir ist zunächst nichts dazu eingefallen. Aber dann haben wir so viel zusammengetragen, dass wir uns jetzt den Luxus erlauben können, auszuwählen.“ Die Überraschung der vielen jungen Teilnehmer war jedenfalls gelungen. 2014 dürfen sich aber auch ruhig wieder Ältere zum Generationentheater dazu trauen.

chz

Quelle: op-online.de

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