Von „Telefonbau & Normalzeit“ zu „Theater & Nedelmann“

Einzigartig in Deutschland

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Friederike und Oliver Nedelmann haben Wohnzimmer vor zehn Jahren zur Bühne gemacht.

Urberach - T & N heißt in Urberach erst seit 2004 Theater & Nedelmann. Doch wo nun schon seit zehn Jahren Theater gespielt wird, produzierte die Firma Telefonbau & Normalzeit Fernsprecher. Friederike und Oliver Nedelmann würdigten sie in ihrem Stück „Kein Schwein ruft mich an“.

Vor zehn Jahren - genau gesagt: am 10.  September 2004 - ging zum ersten Mal bei „Theater & Nedelmann“ jener Vorhang auf, den es in der Realität aber gar nicht gibt. Das Wohnzimmertheater in der Ober-Rodener Straße hat für so etwas wie einen Bühnenvorhang nämlich keinen Platz. Aber es hat als Ausgleich eine Küche, die für die Besucher weit mehr wert ist als ein samtener Vorhang. Denn zwischen Kühlschrank und Esstisch spielt sich das Leben ab, sobald nebenan im Wohnzimmer, das für bis zu 45 Menschen Bühne und Saal zugleich ist, der imaginäre Vorhang gefallen ist. Friederike und Oliver Nedelmann behaupten, Deutschlands einziges echtes Wohnzimmertheater zu betreiben. Widersprochen hat in all den Jahren noch niemand. Nach Urberach gezogen war das Schauspieler-Ehepaar Anfang Juli 2004. Die Nedelmanns waren - nach gut zehn Jahren Theaterpräsenz in Eisenach - im alten T&N-Bürohaus gelandet, da das Rhein-Main-Gebiet und die Nähe zu Frankfurt ihnen als geeignet für ihr mutiges Unterfangen erschien. Zumal Oliver Nedelmanns Wurzeln bis Waldacker reichen: „Wir haben uns mit den Bürgermeistern der in Frage kommenden Orte unterhalten, damals hier noch Alfons Maurer - und dann fiel die Wahl rasch auf Rödermark.“

Die Theaterleute hatten sich damals fest vorgenommen, bis Ende 2005 durchzuhalten, und hatten sogar ein paar Euro zur Seite gelegt, um potenzielle Durststrecken zu überstehen. Diese knapp eineinhalb Jahre gingen ohne Schulden vorüber, dann peilten die Nedelmänner drei Jahre Bühnendasein als Ziel an. Auch das ist Vergangenheit, längst sind sie eine feste Größe im Rödermärker Kulturleben. Zwei-Personen-Ensemble, Aufführungen im privaten Wohnzimmer, keinerlei öffentliche Förderung. Dennoch kommen die Nedelmanns ganz gut über die Runden: „Wir können mal in Urlaub fahren, und wir können unsere Rentenbeiträge einzahlen; das ist gut so“, macht Oliver Nedelmann, der schreibende und technikbewanderte Teil des Duos, klar, dass sie keine Reichtümer sammeln, aber auch keine brotlose Kunst betreiben. Sie wollen so weiter machen, wenn’s ihnen möglich ist und solange sie die Miete zahlen können. Gerne weitere zehn Jahre und mehr - trotz der ständigen Unsicherheit, bei Krankheiten etwa völlig umdenken und vielleicht auch völlig ausfallen zu müssen.

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„Wie im richtigen Leben - nur lustiger“ - so heißt das neue Stück aus der Feder von Oliver Nedelmann, mit dem das Schauspielerehepaar sein Publikum an zehn Jahren Wohnzimmertheater teilhaben lässt. Dabei wollen sie einen Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre gewähren. „Erstmalig auch mit einiger Technik und mit Videorückblicken und mehr“, wie Friederike Nedelmann über diese Neuerungen staunt. „Wie im richtigen Leben“ ist ein Rückblick auf 37 Produktionen, auf die schönsten und lustigsten, auch auf ein paar Klassiker – also von Michel aus Lönneberga bis Faust, neudeutsch also „ein Best of mit Bonus-Tracks“ sozusagen. Die Premiere im Wohnzimmertheater am Samstag und auch die letzte Vorstellung sind seit langem ausverkauft, doch für die sechs Vorstellungen dazwischen gibt’s noch Karten, so etwa am 19., 27. und 27. September, am 4., 10. und 11. Oktober jeweils um 20 Uhr. Kontakt aufnehmen kann man über die Internetseite und unter der Telefonnummer 06074/4827616.

chz

Quelle: op-online.de

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