Theresia Valta züchtet Griechische Landschildkröten

Gepanzerte Gemütlichkeit täuscht

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In den Gehegen von Theresia Valta tummeln sich 14 junge Griechische Landschildkröten. Das Regierungspräsidium verlangt auch von erfahrenen Züchtern eine exakte Dokumentation. Die weißen Zahlen auf dem Panzer zeigen, dass dieses Trio insgesamt 37 weitere Geschwister hat. Leuchtend violette Hibiskusblüten gehören zu den Leibgerichten von Schildkröten.  

Urberach - Theresia Valta hat eine Leidenschaft für urzeitliche Tiere. Sie züchtet Griechische Landschildkröten. Und weil die dem Artenschutzgesetz unterliegen, nimmt Theresia Valta für ihre gepanzerten Lieblinge einen Haufen Bürokratie auf sich. Von Michael Löw 

Urberacher jenseits der 50 kennen den Sensen-Zoo, der eigentlich eine Tierhandlung war, noch aus eigener Erfahrung. Aus den Käfigen am Waldrand brachen in den Siebzigerjahren immer wieder wilde Tiere aus. Polizei und Jäger gingen im Ort schon mal auf die Hatz nach einem Panther. Der sechsjährigen Theresia Valta fielen weit weniger gefährliche Tiere auf: „Damals sind im Ort unheimlich viele Schildkröten rumgelaufen.“ 1970 nahm sie sich eines ausgebüchsten Männchens an und taufte es „Mirandolin“.
Mehrere Schildkröten zu haben - das war der Wunsch eines kleinen Mädchens. Wahr wurde er erst im Erwachsenenalter. 2007 bekam Theresia Valta zwei Weibchen, 2008 gesellten sich drei weitere dazu. Damals wurde eine Zucht aufgelöst. Und die Urberacherin begann mit der Zucht, nachdem sie sich erfolgreich durch die Naturschutz-Bürokratie gekämpft hatte.

Denn Griechische Landschildkröten sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt und dürfen nicht mehr wie zu Sensen-Zeiten einfach durch deutsche Gärten spazieren. Kauf, Verkauf, Schenkung Tausch und Tod müssen dem Regierungspräsidium Darmstadt gemeldet werden. Die Tiere dürfen nur mit diversen EU-Bescheinigungen abgegeben werden.

Theresia Valta baute 2008 einen Inkubator, in den sie Schildkröteneier legte. Aus ihnen schlüpften die ersten acht Jungtiere. Sie züchtet in unregelmäßigen Abständen, denn die gepanzerten Griechen sind zum Glück kein Allerwelts-Haustier mehr. Im Gegenteil: „Das sind wertvolle Tiere, die 70 bis 80 Jahre alt werden“, macht Theresia Valta deutlich, dass eine Schildkröte Partner für zwei Generationen ist.
„Mirandolin“ und seine Sippe haben im Valta’schen Garten viel Auslauf. Die Züchterin hat im Lauf der Jahre rund ein halbes Dutzend unterschiedlich großer Gehege gebaut. Neben einem hat sie eine Sitzecke zum Beobachten der Tiere angelegt. „Das ist total entspannend. Schildkröten strahlen Gemütlichkeit aus“, schwärmt sie.

Aber der behäbige Eindruck täuscht. Männchen entwickeln ein Mordstempo, wenn sie hinter den Weibchen her sind. Und bei der Paarung geht’s mitunter ruppig zu. „Mirandolin“ und seine dann gar nicht mehr gemütlichen Geschlechtsgenossen rammen und beißen die Damen ihrer Wahl. Dieses rüpelhafte Benehmen lohnt sich sogar. Ein Männchen hat das Vergnügen mit zwei oder drei Weibchen. „Sonst gibt’s zuviel Stress für die Damen“, erläutert Theresia Valta. Treiben’s die Herren gar so toll, setzt die Züchterin sie in ein Extra-Gehege.

Haltung und Pflege der Griechischen Landschildkröte

Nur dort dürfen sie gehalten werden. Wer eine von Theresia Valtas Schildkröten kauft, muss nachweisen, dass er einen Garten hat. Schildkröten sind wechselwarme Tiere, die Platz und Sonne brauchen. Auch Jungtiere und die Schlüpflinge mit ihren weichen Panzern sollten überwiegend im Freien gehalten werden. Nur dort haben sie tagsüber Licht und können nachts ihren Stoffwechsel runterfahren.

Im Terrarium haben Schildkröten nichts zu suchen. Zu viele Proteine im Futter, mangelnde Bewegung und ständige Wärme lassen die Tiere zu schnell wachsen. Poröse oder weiche Panzer und Knochen sind die Folge.

„Mirandolin“ soll ein harter Kerl bleiben - und seine Nachfahren natürlich auch. Deshalb packt Theresia Valta ihre Schildkröten demnächst in Frühbeete, wo sie überwintern.

Quelle: op-online.de

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