Hochwertige Musikinstrumente

Bässe aus dem Billardkeller

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Auf dem Billardtisch erledigt Thomas Schmucker das Feintuning.

Ober-Roden - 5 000 Euro aufwärts für einen hochwertigen Bass liegen weit über der finanziellen Schmerzgrenze von Amateurmusikern. Chinesische Billig-Instrumente für 400 Euro sind eine Beleidigung für die Ohren. Von Michael Löw

Thomas Schmucker geht deshalb dem goldenen Mittelweg und baut in Ober-Roden Kontrabässe, die er ab etwa 1 800 Euro an den Kunden bringt.

Schmucker hatte sein Herz 1980 an das mannshohe Streichinstrument verloren. Damals hörte er auf einer Schallplatte, wie Elvis Presley den Kontrabass zupfte, wenig später besaß er seinen eigenen. Der Kontrabass war eigentlich schon in den fünfziger und sechziger Jahren eine aussterbende Gattung. Die Rock’n’Roll-Heroen und Rockabilly-Stars hatten den leichteren und weniger empfindlichen E-Bass für sich entdeckt. Elektrik war trendy, der Kontrabass stand plötzlich für die Musik von gestern.

Dennoch hat das tiefste und größte aller Streichinstrumente bis heute eine treue Fangemeinde. Und die bedient Thomas Schmucker seit 2005 mit Erfolg.

Notgedrungen zum Selfmademan

Hochwertig, aber bezahlbar - das sollte die Verkaufsmaxime sein, blieb aber erstmal graue Theorie. „Ich habe vieles getestet und Hersteller aus aller Welt durchprobiert. Irgendwann musste ich feststellen, dass all diese Bässe meinen Ansprüchen nicht genügen“, erzählt Schmucker, wie er eher notgedrungen zum Selfmademan wurde. „Duke“ heißt so ein Kontrabass aus der Ober-Röder Manufaktur im Billardkeller.

Die Rohlinge mit wuchtigem Körper, geschwungenem Hals und Griffbrett lässt Thomas Schmucker aus hauchdünnen, mehrfach längs und quer verleimten Holzschichten bauen. Ein zweiter Handwerker lackiert sie.

„Ich mache nur das Feintuning“, wiegelt Schmucker die eigene Arbeit ab. Das ist gewaltig untertrieben, denn pro Bass nimmt er sich drei Tage Zeit: „Erst dann gefällt mir der Klang!“ Schmucker passt den Stimmstab, der letztendlich den guten Ton bringt, mit einem Spezialwerkzeug in den Körper ein.

Material ist Glaubensfrage

Dann zieht er die Saiten auf. Naturdarm oder Stahl? Das Material ist für Musiker einer wahre Glaubensfrage. Der Trend geht zurück zur Natur, Metall wiederum liefert einen „durchsetzungsfähigeren Ton“. Auch hier glaubt Thomas Schmucker, den goldenen Mittelweg gefunden zu haben. Er entwickelte Nylonsaiten, die aber nicht ganz einfach zu verarbeiten sind: „Die müssen erst einmal ganz, ganz heiß abgekocht werden, da passieren schon mal Unfälle!“

Ein bisschen Farbe darf sein.

Schmucker hat diese schmerzhafte Erfahrung schon machen müssen, erst Mitte Juni verdammten ihn zwei verbrühte Hände und dicke Verbände zur Untätigkeit. Was die Lieferzeit von normalerweise sechs bis acht Wochen verlängerte.

Die Kunden - Jazzer, Rockabillies, Klassik-Spieler aus Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Norwegen - nahmen"s in Kauf. Denn sie wollen keine Massenware, sondern ein individuell gefertigtes Instrument.

Auf einen Kundenwunsch lässt sich Thomas Schmucker aber auf keinen Fall ein. Pinkfarbene oder schreiend grüne „Dukes“ sind ein absolutes Tabu. Selbst schrille Künstler wie Lady Gaga würden da auf Granit beißen. Stattdessen können die Musiker aus einer Unzahl von Braun-, Beige- und Schwarztönen wählen. Die Beize soll die Holzmaserung betonen und nicht übertünchen.

Abgerundet wird das Sortiment durch selbst entwickeltes Zubehör wie Tonabnehmer, Saitenhalter und Taschen. „Da bin ich weltweit der Einzige“, sagt Schmucker in seiner Kellerwerkstatt ohne falsche Bescheidenheit.

DVD: „How To Learn The Rockabilly Slap Bass“

Ein weiteres Produkt ist die erste deutschsprachige Kontrabass-DVD „How To Learn The Rockabilly Slap Bass“, die Thomas Schmucker und seine Partnerin Simone Weigand 2007 gemeinsam mit Didi Beck von „Boppin’ B“ konzipiert und produziert haben. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit Didi Beck veranstalten sie am 22. Juli einen Kontrabassworkshop, der neben der unvermeidlichen Theorie auch technische Details wie Setup, Saiten, Verstärker oder Tonabnehmer zum Thema hat.

Der Vollblut-Rockabilly hat eigentlich ganz kreuzbrav Einzelhandelskaufmann gelernt. Später zog"s ihn in die Werbung, noch später zu den Computern mit dem Apfel auf dem Gehäuse. „Die Bässe waren eher einer Herzensangelegenheit. Doch dann fing"s an, sich zu rentieren.“ Die Leidenschaft für jedes einzelne Instrument hat sich Thomas Schmucker bei aller Professionalität erhalten.

Thomas Schmucker spielt seine „Duke“-Bässe natürlich auch selbst.

Rockabilly ist für den Vater einer zweijährigen Tochter Musik und Lebensphilosophie. Exakt getrimmte Koteletten passen ebenso ins Bild wie der Plymouth, der vor dem Haus parkt. Das Auto wurde gebaut, als der Kontrabass noch nicht auf der Roten Liste der Instrumente stand - nämlich 1948.

Mit seiner Band „Hank Cash“ geht Schmucker rund 30 mal im Jahr auf Werbetournee für die „Dukes“. Den Bass „slappt“ er selbstverständlich höchstpersönlich.

Quelle: op-online.de

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