TN-Werk: Riesenbohrer holt Gift aus Erde

Grundwasser bald frei von Schadstoffen

Urberach - Die Sanierung des Telenorma-Geländes geht in die Schlussphase. Seit Mitte der Woche bohrt ein riesiger Bagger den Boden zwischen Intersport und Pflegeheim auf und holt die letzten Schadstoffnester aus dem Boden. In einer Woche sollen die Arbeiten erledigt sein.

Der Bohrer, der die wahrscheinlich letzten Schadstoffnester aus dem Boden holt, überragt alle Nachbargebäude des einstigen Telenorma-Werks. Im Lauf der nächsten Woche befördert er rund 750 Tonnen Erdreich, das mit Chlorierten Kohlenwasserstoffen belastet ist, nach oben.  

Mit schwerem Gerät holt Bosch zwei mit Chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) belastete Stellen aus dem Boden des vor gut 20 Jahren aufgegebenen Telenorma-Werks. Drei Tieflader, einer davon mit Überbreite, brachten den 30-Tonnen-Bagger und das haushohe, sieben Tonnen schwere Bohrgestänge nach Urberach. Weil der Schwertransport nur nachts fahren durfte, verzögerten sich die Arbeiten um gut eine Woche.

„Wir haben am und unterm Sportgeschäft noch zwei Schadstoffquellen entdeckt, die mit bis zum 650 Milligramm CKW pro Kilogramm belastet sind“, erläutert der Geologe Dr. Roger Schmidt von der Firma Arcadis, der die Sanierung leitet. Die Reste aus der Metallverarbeitung liegen in bis zu fünf Metern Tiefe und werden herausgebohrt. Der Bohrkopf hat einen Durchmesser von 120 Zentimetern. Er befördert jedes Mal tonnenweise verdreckten Boden nach oben. Schmidt geht von insgesamt 750 Tonnen Material aus: Zwei Drittel davon kommen auf eine Sondermülldeponie, der Rest kann weiterverwendet werden. Die Arbeiter prüfen ständig die Luftqualität am Bohrloch; austretende Gase könnten umgehend neutralisiert werden.

Die Chlorierten Kohlenwasserstoffe müssen beseitigt werden, weil sie eine Gefahr fürs Grundwasser sind. Dazu hat sich der Bosch-Konzern als Rechtsnachfolger der Telenorma verpflichtet und mit dem Regierungspräsidium (RP) Darmstadt einen aufwändigen Sanierungsplan vereinbart. Die Bodenreinigung begann 2002.

Damals, so Schmidt, enthielt jeder Liter Grundwasser, der in die Reinigungsanlage im Nordosten des ehemaligen Werksgeländes lief, 8 000 Mikrogramm CKW. 1 000 Mikrogramm ergeben ein Milligramm. Bei den aktuellen Messungen war die Belastung auf 350 Mikrogramm, also auf weniger als ein Zwanzigstel, gesunken. Wenn das Wasser aus der Reinigungsanlage fließt, enthält es nur noch 20 Mikrogramm - deutlich weniger als der vom RP festgelegte Grenzwert von 50 Mikrogramm. Bosch hat seit 2002 138 Kilo CKW aus 14 Millionen Kubikmetern Wasser gefiltert. Soviel Wasser verbrauchen die knapp 29.000 Rödermärker in zehn Jahren. (lö)

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Quelle: op-online.de

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