Tolles Erlebnis besonders bei Stromausfall

+
Auch ohne Strom keineswegs hilflos: Die Barden von Celtic Chacra suchten die Nähe zu ihrem Publikum und musizierten unermüdlich bei Kerzenschein im Halbdunkel weiter.

Urberach ‐ „Wir lassen uns von ein paar Stromkabeln nicht die Laune verderben“, beschloss nicht nur die Folkband „Celtic Chacra“ am Samstag Abend gegen 22.30 Uhr in der zur Keltenscheune mutierten Urberacher Kelterscheune. Von Christine Ziesecke

Denn das berüchtigte Geräuschpegel-Ohr an der Wand leuchtete auf und drehte binnen Sekunden der gesamten Halle den Strom ab. Ebenso dachte natürlich auch das dicht gedrängte Publikum, schleppte Kerzen an den Bühnenrand, feierte die Musiker frenetisch und senkte die bis dahin sehr hohe Gesprächslautstärke auf ein Minimum, so dass die vier Musiker auch ohne Mikrophone und Verstärkerkabel gut zu hören waren.

Am Bühnenrand und teilweise mitten zwischen den Gästen zauberten sie mit Fiddle, Banjo, Gitarre, Klarinette und Bodhran (einer Art Tambourin) keltische Atmosphäre in den romantisch dunklen Raum und vermittelten ihre Mischung aus tiefer Melancholie und überschäumender Lebensfreude mit überlieferten Melodien und wunderschönen Balladen ebenso wie mit eigenen Kompositionen.

Erfreuter, aber vielfach auch enttäuschter Beifall

Zur akustischen Verstärkung riefen sie auch noch die Gruppe Saytensprung aus Eppertshausen, die den ersten Teil des Abends auf der Bühne musiziert hatte, zu sich, was die Menschentraube vor der Bühne erst recht begeisterte. Gemeinsam mit musikalischer Untermalung als Windgeheul und Meeresrauschen durch die Gäste trotzten die Musiker fröhlich und schwungvoll den Tücken der Technik.

Fast war‘s schade, als der eilends herbeigerufene, aber eigentlich dienstfreie Haustechniker Erwin Kuhrau mit wenigen Handgriffen hinter der Bühne wieder für Licht und Klang im Raum sorgte. Die singenden Menschen dankten ihm mit erfreutem, vielfach aber auch enttäuschtem Beifall.

Die Zuhörer hatten ihren Spaß und waren rasch selber im Rhythmus der zumeist schottischen und irischen Klänge.

Zum fünften Mal brachte der BSC Urberach mit der „Irish Folk Night“ irisches Flair und vor allem irische Musik in der Kelterscheune. Die Formation „Saytensprung“ aus Eppertshausen und Umgebung, deren sechs Musiker alle ihre Wurzeln im Mandolinenorchester des Odenwaldklubs haben, spielt seit über 25 Jahren zusammen und bilden sich jedes Jahr in Irland oder Schottland weiter, von wo sie stets mit frisch ausgegrabenen alten Handwerks- und Bauernliedern zurückkehren.

„Guinness-Topf“ mit acht Flaschen des Kultbieres

Eine musikalische Reise durch die keltischen Länder Irland, Schottland und Neuschottland und diesmal auch durch jene Länder wie etwa Frankreich und Deutschland, welche von den Kelten durchstreift wurden, unternahm auch die Gruppe Celtic Chacra. Sie überzeugten mit dem unverwechselbaren Rhythmus keltischer Musik ebenso wie mit den typischen Instrumenten. In der Pause präsentierte die Clogging-Gruppe „No Limits“ aus Groß-Gerau ein paar Beispiele für diesen nordamerikanischen Stepptanz und wirbelte zu den Klängen von „Lord of the Dance“ in einem schweißtreibenden Tanzrhythmus über die Bühne.

Echt irisch - obwohl von einer Holländerin gekocht - war schließlich die Bewirtung in der Irish Folk Night, denn das legendäre dunkle Kultbier Guinness floss nicht nur vielfach in die Gläser, sondern auch der schmackhafte „Guinness-Topf“ war mit acht Flaschen des Gebräus kraftvoll aufgewertet. Er mundete so gut, dass die Gruppe „Celtic Chacra“ ihren ersten Bühnensong den Köchinnen Geertje Elger und Anette Hofmann widmete.

Gut entspannen konnte sich am Ende des Abends auch der durch eine Skiverletzung leicht gehandicapte Organisator Alfons Weckesser, der für den erkrankten Martin Hofmann eingesprungen war: „Wir sind sehr zufrieden, das Guinness ist gut gelaufen und der Reinerlös kommt der Jugendabteilung des BSC zugute.“ Spätestens der von ihm schon anfangs befürchtete Ausnahmezustand Stromausfall hatte dem reizvollen Abend viel zusätzlichen Charme verliehen.

Quelle: op-online.de

Kommentare