Traditionsbetrieb der Familie Lang

Metzgerei mit vielen Gesichtern

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Tobias Lang (mit Kappe) und seine Mutter Maria Walter bei der Neueröffnung nach der Modernisierung des Metzgerei- und Feinkostladens in der Darmstädter Straße.

Urberach - Der Name ist Programm. Die Metzgerei Lang ist schon sehr lange am Markt. Ein echtes Traditionshaus also. Das älteste Dokument, das die Metzgerfamilie besitzt, ist ein Auftrag für zu liefernde Ware an einen Urberacher Sportverein aus dem Jahr1901. Von Christine Ziesecke

Damals lebte und arbeitete Tobias Langs Urgroßvater, Nikolaus Lang I., schon auf dem heutigen Grundstück in der Darmstädter Straße 34. Das Grundstück, auf dem vor kurzem die Suppenküche „Gusto“ entstanden ist, gehörte damals schon dazu. Das Gelände wurde jetzt wieder zurückgekauft. „Dann hat die älteste Tochter meines Urgroßvaters geerbt und ein Haus darauf gebaut“, rekonstruiert der sehr traditionsbewusste jetzige Inhaber Tobias Lang die Familienhistorie.

Der Urgroßvater kam schwer verletzt aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und starb kurz danach, Großmutter Anna Lang, geborene Schwarzkopf, hat 1946 hier eingeheiratet „aus Vernunftgründen“. Sie war eine so perfekte Geschäftsfrau mit so viel Einsatz, dass Tobias Lang selbst den Laden heute nicht zuletzt ihr zu Ehren weiterführt.

Anna Lang hatte zwei Kinder, Lothar Lang (Tobias’ Vater) und Margareta Lang, seine Tante, die heute noch gemeinsam mit Tobias’ Mutter Maria Walter im Laden mitarbeitet. Großvater Nikolaus III. (warum der „III.“ nach dem I., weiß niemand mehr) starb 1958, Großmutter Anna stand mit zwei Kindern (zwölf und neun Jahre alt) allein da. Nur dank der großzügigen Unterstützung der Metzgerei Löbig aus Münster bei Dieburg konnte sie die Metzgerei weiter führen.

Geschäft hat Vorrang

Tobias’ Vater Lothar hat schließlich schon 1960 mit 14 Jahren eine Metzgerlehre gemacht, aber nicht nur aus der Pflicht heraus, sondern er war mit ganzen Herzen Metzger. Mit 17 hat er bereits im Geschäft gearbeitet. Er übernahm die Produktion, während Oma Anna von Grund auf die perfekte Geschäftsfrau und Verkäuferin war. 1968 wurde der Laden umgebaut, das Wohnzimmer wieder mal etwas verkleinert und der Laden dafür vergrößert. Das Geschäft hatte Vorrang.

Tobias hatte nach dem Abitur 1992 seine Ausbildung in der heimischen Metzgerei gemacht und stieg in den Laden mit ein; und siehe da: neuer Elan im Haus: 1995 wurde dieses Haus komplett abgerissen und neu aufgebaut. Zu „neuer Blüte und sehr starkem Zulauf und steigendem Umsatz“, wie der Junior es stolz formuliert.

Etwa 1950 entstand diese Aufnahme vor dem Langschen Anwesen: von rechts: Uroma Katharina Lang (geborene Grimm aus Nieder-Roden), Uropa Nikolaus I. und auf dem Pferd Lothar Lang (Tobias Langs Vater), aus dem Fenster (Zweite von links) schaut die Ururoma heraus.

Doch Tobias Lang hält es nicht lange ohne Neuerungen: 2008 kaufte er das spätere Feinkostgeschäft „Die Tomate“ und baute es aus. 2013 wurde die Metzgerei samt Delikatessengeschäft erneut umgebaut und stark modernisiert und damit wieder etwas Platz gewonnen. „Das war schon ein erheblicher Stress, da ausgerechnet auch jetzt das alte Haus wieder zum Verkauf angeboten wurde und rasch gehandelt werden musste.“ So entstand wenige Wochen später Langs Gusto. „Lange leer stehen konnte das Haus nicht und vermieten wollte ich es auch nicht, sondern bewirtschaften. Ich wollte, dass hier wieder Leben reinkommt.“ Und davon hat Lang’s Gusto in den ersten Wochen wahrlich genug.

„Ich arbeite einfach gerne“

War das Metzgerhandwerk das Lebensziel von Tobias Lang? „Ich habe es als im guten Sinne verpflichtend angesehen, die große Mühe meiner Großmutter auch ohne Geld und ohne Unterstützung damals weiterzuführen. Meine Familie hat mir damals sogar geraten, etwas Anderes zu erlernen, aber ich arbeite einfach gerne.“

Das ist auch nötig. Das Lang’sche „Imperium“ beschäftigt derzeit insgesamt 32 Mitarbeiter bei den drei Bereichen Metzgerei/Feinkost, „Tomate“ und „Gusto“, dazu kommt der umfangreiche Partyservice.

Nächster Schritt sind die Events im Gusto, die schrittweise auf- und ausgebaut werden sollen. „Es gibt so viel Spannendes, was wir da anbieten können!“

Die Zukunft des Traditionsunternehmens ist offen: Tobias Lang (41) hat einen Bruder in Köln, aber ob dessen zwei Kinder vielleicht einmal Interesse am Handwerk und am Geschäft haben werden, ist doch eher ungewiss. Oder seine zwei Patenkinder? „Aber noch ist viel Zeit und ich muss mir keine Zukunftssorgen machen.“

Quelle: op-online.de

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