Trost ist oft wichtiger als Pflaster

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Sven Szamatulski (links) und Maximilian Bayerlein bewiesen an Sylvia Howe, was sie gelernt haben und legten der Rot-Kreuz-Frau probehalber einen Druckverband an. Beim Sanitätsdienst an der NBS machen zwölf Jugendliche mit.

Ober-Roden - Im Sportunterricht einen Fußball an den Kopf gekriegt? Nur noch schwarz gesehen nach der schweren Mathearbeit? Der Schulalltag birgt so manche (Verletzungs)-Gefahren. An der Nell-Breuning-Schule gibt es seit kurzem einen freiwilligen Sanitätsdienst, der schnell und versiert Erste Hilfe leistet. Von Michael Löw

Gestern stellten Sylvia Howe vom Roten Kreuz sowie die Lehrer Andreas Kunkel, Robert Kirchner und Can Onuk die Truppe aus Siebt-, Acht- und Neuntklässlern vor.

Maximilian Bayerlein, Pierre Beckmann, Aylin Celik, Marco Gotta, Kadir Kocakoyun, Markus Koltermann, Kevin Kowalzik, Daniel Müller, Sebastian Murmann, René und Sven Szamatulski sowie Ronja Wätzold sind zur Stelle, wenn sich einer der mehr als 1 500 Schüler weh getan hat. Sie dürfen Schürf- und Platzwunden verbinden, Verletzte in eine stabile Lage bringen und im schlimmsten Fall sogar mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen - eben alles, was jeder Passant tun darf, wenn er Zeuge eines Unfalls wird. Bei schweren Verletzungen müssen sie den Rettungsdienst rufen. Spritzen, Salben und Medikamente sind den Schulsanitätern verboten.

Das Trostpflaster ist oft wichtiger als anderes Pflaster, weiß Robert Kirchner aus Erfahrung. Bevor er Lehrer wurde, war er Krankenpfleger. Ein paar beruhigende Worte bewirken oft mehr als hektisches Pulsmessen.

Erste Hilfe hat aber auch ihre Tücken. Kirchner erinnert seine Leute immer wieder daran, „die richtigen Fragen zu stellen“. Im Frühjahr beispielsweise wussten weder die jungen Sanitäter noch er, was sie mit einem Mädchen anfangen sollten, das plötzlich nur noch verschwommen sah. Die Frage, ob sie hingefallen sei, beantwortete die Schülerin mit Nein, also schied eine Gehirnerschütterung trotz einigen typischen Symptomen scheinbar aus. Erst als die Helfer hartnäckig nachhakten, stellte sich heraus, dass ihr ein Ball an den Kopf geflogen war, und sie doch eine Gehirnerschütterung davon getragen hatte.

Sylvia Howe und die Lehrer sind begeistert, dass die Initiative zum Sanitätsdienst von den Jugendlichen ausging. Kevin, Max, René und Sven gaben den Anstoß. Sie sind Mitglieder der Jugendfeuerwehr, und deshalb ohnehin im Helfen geübt. „Und Spaß macht‘s auch“, freut sich René Szamatulski.

Es habe schon Zeiten gegeben, in denen der Rettungswagen zweimal die Woche an die NBS kam, erinnert sich der Achtklässler. Die seien Dank des Sanitätsdienstes jetzt passé.

Im Verwaltungstrakt hat die Schulleitung einen Erste-Hilfe-Raum eingerichtet, in dem die Sanitäter während der Pausen abwechselnd Dienst schieben. Zur Ausstattung gehören eine Liege, Verbandsmaterial, ein Notfall-Set für kaputte Zähne und Umhängetaschen voller Erste-Hilfe-Materialien. Zwei neue hatte Sylvia Howe gestern im Namen des DRK-Kreisverbandes überreicht. Auf der Wunschliste der Schüler steht jetzt noch ein Piepser oder ein Bereitschaftshandy, damit sie auch im Unterricht schnell erreichbar sind.

Sylvia Howe betonte, dass auch die Sanitätshelfer von ihrem Engagement profitieren. Sie würden schnell zum Vorbild für ihre Mitschüler - eine prima Sache fürs Ego.

Quelle: op-online.de

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