Trotz Überfalls viel Gutes erlebt

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Trotz allem scheint das Zeltlager den beteiligten Jugendlichen Spaß gemacht zu haben.

Urberach (bp / lö) - Nach dem total überzogenen Überfall auf das Zeltlager der Urberacher Pfadfinder mit drei Verletzten in Bad Soden-Salmünster ermittelt die Polizei gegen Pfadfinder und Mitglieder einer katholischen Jugendorganisation jeweils aus Münster.

Das bestätigte Polizeisprecher Henry Faltin auf Anfrage unserer Zeitung. Die Polizei berufe sich dabei auf Angaben aus der Urberacher Pfadfinderschaft und eigene Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs. Die Leitung des Pfadfinderstammes Münster hatte diese Vorwürfe in unserer Zeitung zurückgewiesen.

Die Urberacher Pfadfinder wiederum schildern in einer Presseerklärung sowohl den Verlauf des Zeltlagers Ende Juli als auch den aus dem Ruder gelaufenen Überfall ausführlich. Es seien dabei drei Personen verletzt worden. Ein Kind habe vier Tage im Krankenhaus gelegen, weil neben seinem Ohr ein Böller explodiert war.

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„Wir haben niemanden überfallen“

Und weiter: „Gegen 2 Uhr morgens rannten eine Menge uns unbekannter Leute auf den Zeltplatz. Durch Feuerwerk und Bengalos glich der Zeltplatz einer Fanmeile in einem Fußballstadion.“ Die maskierten Angreifer hätten „Tarnkleidung“ getragen und versucht, die Zelte abzubauen. Urberacher Pfadfinder seien umgerannt, beleidigt und beschimpft worden. Der Diebstahl des Lagerbanners - dabei geht es bei solchen Überfällen normalerweise - sei zur Nebensache geworden. Was anfangs wie ein Spiel aussah, habe sich schnell zu einer nicht mehr kontrollierbaren Situation entwickelt, „die kaputte Zelte und drei Verletzte zur Folge hatte.“ Ein Urberacher Pfadfinder sei „zielgerichtet mit einem Böller getroffen“ worden. Die alkoholisierten Angreifer hätten die Feuerstelle des Zeltlagers geradezu erobert und dort mit 30 bis 35 Personen gefeiert.

Polizei: Situation war relativ undramatisch

Für die alarmierte Polizei sah die Situation hingegen relativ undramatisch aus, berichtet Pressesprecher Faltin. „Die Polizei fand am Einsatzort verantwortliche Ansprechpartner beider Gruppen vor, die den anwesenden Polizisten kooperativ zuarbeiteten, so unter anderem die Zusammenstellung der Personalien ihrer Gruppen für die weiteren Ermittlungen anboten. Bei keinem der vor Ort befindlichen Personen konnte eine Alkoholisierung augenscheinlich festgestellt werden.“

Die Gruppe aus Münster habe sich nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen vom Einsatzort entfernt. Die Beamten vor Ort hätten auf beiden Seiten „Betroffenheit und Bestürzung“ festgestellt, weil ein an und für sich harmloses Spektakel so aus dem Ruder gelaufen war.

Bis auf den Überfall war das Lager wohl so gelungen wie jedes Jahr. Auch das geht aus dem Bericht der Urberacher Pfadfinder hervor. Die Leiterrunde schildert: „Jeden Abend trafen sich Teilnehmer und Gruppenleiter vor dem Abendessen zum Lagerparlament. Dieses bietet Raum und Zeit für Kindermitbestimmung. Die Teilnehmer konnten hier Programmpunkte, Essensvorschläge, Wünsche und Aufstehzeiten entscheiden. Hier war es Ziel, dass Kinder gehört werden und dass das Lager ein Miteinander wird.

Pfarrer Klaus Gaebler besuchte das Sommerlager

Der Regen hielt die Pfadfinder/innen nicht davon ab, im angrenzenden Wald auf Erkundungstour zu gehen, Adventure - Games zu spielen oder in der Stadt ein Tauschspiel zu spielen. Zu besonderen Highlights zählte auch der Besuch des Kletterparkes in Steinau, wo es für alle erstmal Hoch hinaus ging und anschließend die 18 Meter hohe und 800 Meter lange Seilbahn (Europaseilbahn) wieder hinunter.

Eine sonnige Bootstour auf der Kinzig wurde durch Bäume und Äste zur Extrem- Abenteuer-Tour.

Pfarrer Klaus Gaebler besuchte das Sommerlager gemeinsam mit Kaplan Nijoku und hielt einen Lagergottesdienst zum Thema „Das Senfkorn - zurück zu den Wurzeln.“ Christoph Schulmeyer und Jan Piller bedankten sich für den Besuch und überreichten Melanie Zieger vor ihrem Heimatstamm ihr Ausbildungstuch (Woodbadge) der Pfadfinderschaft.“ Das Halstuch erhielten Tino Muth und Carolin Neunherz. „Knapp zwei Wochen gingen viel zu schnell zu Ende.“

Quelle: op-online.de

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