Trunkenheitsfahrt

Mit Vollgas auf Polizisten zugerast

Rödermark/Darmstadt - Ein 23-Jähriger wurde vom Landgericht hinter Gitter gesteckt. Er raste am 11. März bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle unter Alkoholeinfluss auf den Beamten zu. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Mustafa M. ist 23 Jahre alt, im zweiten Lehrjahr zum Maschinenführer und wohnt als jüngstes Kind von neun Geschwistern noch bei seinen Eltern in Dietzenbach. In seiner Freizeit treibt er Kraftsport, vor einem Jahr hat er die Führerscheinprüfung bestanden. Soweit alles im grünen Bereich, M. ´s Leben könnte so langsam in geregelten Bahnen verlaufen. Die letzte Straftat aus seinen neun Eintragungen ins Bundeszentralregister, die ihm zweieinhalb Jahre Haft einbrockte, hätte er im offenen Vollzug absitzen und dabei seine Berufsausbildung beenden können. Wäre da nicht der 11. März dieses Jahres gewesen. An diesem Sonntag hat er sich in einer nur Sekunden dauernden falschen Entscheidung wieder selbst Steine in den Weg gelegt.

M. saß deshalb erneut auf der Anklagebank, diesmal vorm Landgericht Darmstadt in einem Prozess um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle in Rödermark. Eigentlich wäre diese Geschichte, ein „Nachzügler“ mit zweijährigem Abstand zur letzten Straftat, auch schon erledigt gewesen, wenn die Staatsanwaltschaft nicht nach dem Urteil in erster Instanz Berufung eingelegt hätte. Das Amtsgericht Langen hatte M. im August zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. An der Höhe der Strafe wurde nicht gerüttelt, aber Richter Martin Rößler widerrief die Bewährung und gab damit dem Antrag von Staatsanwalt Klaus Reinhardt statt.

Ausbildung hinter Gittern

Für M. ist dies deshalb dramatisch, weil er so keine Chance mehr auf offenen Vollzug und die Fortführung der Lehre hat. Seine letzte Möglichkeit ist nun eine Ausbildung hinter Gittern, die sich wegen der verlängerten Arrestdauer lohnen könnte. Der Richter sagte in seiner Urteilsbegründung: „Wir können nicht sagen, wir sind uns sicher, dass M. keine weiteren Straftaten begeht. Das ist aber die wichtigste Bedingung für eine Aussetzung zur Bewährung.“

„Irgendwann machen wir uns alle lächerlich“, so Staatsanwalt Reinhardt, „M. ist mit Mitteln des Jugendstrafvollzugs nicht mehr zu erreichen. Seine letzte Tat ist weder jugendtypisch noch Kavaliersdelikt.“ Nach einem Barbesuch mit Freunden und mit 1,1 Promille beschließt M. gegen drei Uhr morgens, mit dem Auto nach Hause zu fahren. In Waldacker fährt er auf eine Verkehrskontrolle zu, die ihm ein klares Signal zum Anhalten gibt. Vorstrafen im Nacken und Alkohol im Blut wecken seinen unmittelbaren Fluchtinstinkt. Er bremst zwar 50 Meter vorher ab, gibt dann aber richtig Gas, so dass sich Polizeikommissar S. nur noch mit einem Sprung auf den Gehweg retten kann.

Abneigung gegen Uniformierte

Kollege H. nimmt sofort die Verfolgung auf. Auf der wilden Jagd schaltet M. in der Wingertstraße die Beleuchtung seines Fahrzeugs aus, streift ein fremdes Auto und rast mit Tempo 120 durch Waldacker. Schließlich lässt er das Auto stehen und flüchtet zu Fuß weiter. Dabei wird er von den Beamten gestellt.

„Drei bis vier Mal habe ich gezweifelt, ob ich fahren soll“, ist das wenige, was M. vor Gericht verlauten lässt. Seine Abneigung gegen Uniformierte hat er schon früher unter Beweis gestellt: 2008 lockte er in Begleitung seiner Kumpel die Polizei herbei, um sie anschließend mit Steinen zu bewerfen. Mit 15 Jahren begann der Dietzenbacher seine kriminelle Karriere. Die Liste seiner Straftaten ist lang: Fahren ohne Führerschein, Hehlerei, Diebstahl, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Leistungserschleichung, Körperverletzung und 2010 schwerer Raub in einem Getränkemarkt in Ober-Roden.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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