„Neue Dimension des Tanzens“

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Aurelia und Heinz-Josef Bickers, die dreifachen Weltmeister, vertraten den Tanzsportclub Rödermark als eines von vier Paaren bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren II S-Standard in der Kulturhalle. Sie belegten den zweiten Platz und mussten erneut Michael und Beate Lindner von Blau-Gold Casino Darmstadt den Vortritt überlassen.

Ober-Roden - Der Tanzsportclub Rödermark (TSC) will seine Halle in ein internationales Leistungszentrum verwandeln. In einem Anbau will der Vorstand zwei Trainingssäle, Umkleiden, Seminarräume und Platz für einen Physiotherapeuten unterbringen.

870.000 Euro soll das Ganze kosten. Die TSC-Vorsitzende Cornelia Straub erläuterte die Erweiterungs- und Finanzierungspläne gestern Mittag unter anderem Landrat Oliver Quilling und dem Ersten Stadtrat Jörg Rotter. Die Halle soll nach Süden wachsen. Dort besitzt der Kreis ein Grundstück, das bislang für eine Vergrößerung der Breidert-Grundschule reserviert war, dafür aber nicht mehr benötigt wird. Quilling möchte es am liebsten der Stadt zurückgeben - der hatte es gehört, bevor der Kreis Schulträger wurde. Denn dann hätte der TSC in Sachen Gelände nur einen Ansprechpartner. Die bestehende Halle steht ebenfalls auf einem städtischen Grundstück.

Deren 240 und 110 Quadratmeter große Trainingssäle platzen aus allen Nähten, begründete Cornelia Straub die Erweiterung. Egal, ob Turniertanz, Ballett, Seniorentanz oder Breitensport: Die Halle ist an ihren Grenzen angelangt und hat sie zum Teil schon überschritten. Bei gut besuchten Zumbakursen werde buchstäblich die Luft zum Atmen knapp. Der Anbau, der fast ein Neubau ist, würde den Platz mehr als verdoppeln. Die Gespräche mit dem Architekten laufen seit über einem Jahr, 2014 könnte mit den Arbeiten begonnen werden. Geplant sind zwei Säle von jeweils 300 Quadratmetern.

Mit der Erweiterung will der TSC auch seine gut 20 Jahre alte Halle sanieren. Solarzellen zur Stromerzeugung, wärmegedämmte Wände und eine moderne Deckenstrahlerheizung sollen die Energiekosten von derzeit 700 Euro im Monat auf maximal 200 Euro drücken. Cornelia Straub sprach gestern von einer „neuen Dimension des Tanzsports“. Dem TSC-Vorstand schwebt ein sieben Tage pro Woche 24 Stunden geöffnetes Leistungszentrum fürs freie Training von Turnierpaaren vor. Sechs Mal im Jahr könnten dort internationale Tanz-Workshops mit Toptrainern stattfinden. In dieses Zentrum will der TSC auch seine Dreifach-Weltmeister Heinz-Josef und Aurelia Bickers einbinden. Die hatten gestern ihr Trainingslager in Italien unterbrochen, um für den Neubau zu werben.

„Mehrtägige Trainingslager mit 40 oder 50 Paaren bringen auch der lokalen Wirtschaft Geld“, sagte Heinz-Josef Bickers. Hotels, Gastronomie und Handel würden davon profitieren. Die Euro, die seine Frau und er für ihren Sport ins Ausland tragen, würde er lieber in Ober-Roden ausgeben. Eine rund um die Uhr geöffnete Halle ist nach Aussage von Cornelia Straub ein „absolutes Alleinstellungsmerkmal im Rhein-Main-Gebiet“. Hier gebe es zwar 117 Tanzsportvereine mit knapp 18 000 Mitgliedern. Doch nur fünf besitzen eine eigene Halle. „Wir wären dann der größte Verein mit eigener Halle. Und dann noch ein Weltmeisterpaar als Trainer...“, geriet die Vorsitzende geradezu ins Schwärmen.

Ganz bodenständig ist in ihren Augen die Finanzierung, die Vorstand und Architekten mit der Sparkasse Dieburg ausgehandelt haben. Abzüglich aller öffentlicher Zuschüsse und 21.000 Euro Eigenleistungen blieben von den 870.000 Euro Gesamtkosten 520.000 bis 550.000 Euro am Verein hängen. Die bekäme er derzeit so günstig finanziert, dass er monatlich nur 2100 Euro fürs Darlehen aufbringen müsste. Diese Summe sei, so Cornelia Straub, schon jetzt durch die Mitgliedsbeiträge sowie die Einnahmen aus Vermietung und Veranstaltungen gedeckt. Besagte Trainingscamps und Turniere, die nur dank der größeren Halle möglich wären, bringen zusätzlich Geld in die Kasse, mit dem der TSC die Tilgung beschleunigen würde.

Auf der alten Halle lasteten Ende Juni noch 12.500 Euro Schulden. Die will der TSC bis Ende 2014 getilgt haben. Auch Erster Stadtrat Jörg Rotter begrüßte die Pläne. Er lobte den TSC, weil er beim Ausbau nicht nur die eigenen Bedürfnisse berücksichtige, sondern auch die der benachbarten Grundschule. Außerdem habe der Vorstand die Quartiersarbeit der Breidert-Initiative „geschickt eingearbeitet.“

Quelle: op-online.de

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