Komplettumzug Richtung Wald und Breidert?

Turnerschaft will Vereinsleben konzentrieren

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Spielt sich in der Dr. Walter-Kolb-Straße in einigen Jahren das gesamte Vereinsleben der Turnerschaft ab? Dort gibt es bereits einen kleinen und zwei große Fußballplätze, ein Multifunktionsgebäude und - wenn auch beschränkte - Möglichkeiten zur Bewirtung. Was fehlt, ist Hallenfläche. Die könnte jedoch auf dem Soccerfeld entstehen.  

Ober-Roden - Unter dem Stichwort „Fusion der Vereinsanlagen“ hatte der Vorstand der Turnerschaft Anfang April einen Stein ins Rollen gebracht: Ist die Konzentration des Vereinslebens auf dem Sportplatzgelände mach- und bezahlbar? Wie stehen die Mitglieder dazu? Die Stadt hat jetzt sogar eine noch größere Lösung ins Gespräch gebracht.

Die Turnerschaft Ober-Roden teilt das Los vieler Vereine mit einer eigenen Halle. Die ist den Mitgliedern ebenso lieb wie teuer. Die der TS heißt „rod Scheyer“, steht in der Friedrich-Ebert-Straße und ist rund 70 Jahre alt. Genutzt wird sie vom Kinderturnen, Gymnastikgruppen, Tischtennis und den Fastnachtern. 75 Prozent des Vereinslebens spielen sich nach Auskunft von TS-Geschäftsführer Norbert Eyßen jedoch in der Dr. Walter-Kolb-Straße ab. Dort hat die TS zwei Fußballplätze, ein kleines Soccerfeld, ein Multifunktionsgebäude und einen Gastronomiebereich, in dem seit 1995 der Sommergarten stattfindet. „Wir wollen in Erfahrung bringen, wie aus zwei kostenintensiven Eigenheimen eine effektive Einzellösung werden kann“, sagt Vorsitzender Peter Hubert. Warum also keine Fusion der beiden Anlagen?

Halle und Gaststätte in der Friedrich-Ebert-Straße sind seit Jahrzehnten das Herz des Vereinslebens. Aber zwei rund 500 Meter voneinander entfernte Liegenschaften sind auf Dauer eine Belastung für die Kasse.

Die Halle finanziert sich noch selbst und wirft jährlich sogar einen kleinen Gewinn von 10.000 Euro ab. Doch was sind selbst 100.000 Euro auf zehn Jahre, wenn das Dach oder die Fassade erneuert werden müssen, gibt der Vorstand zu bedenken. Zudem stimme in der „rod Scheyer“ das Verhältnis von Aufwand und Instandhaltung auf der einen und Auslastung auf der anderen Seite nicht mehr. Der Verkauf der Halle wäre eine Option.
In der Dr. Walter-Kolb-Straße fehlt dagegen Hallenfläche. Zum Vergleich: Das Stammhaus ist inklusive der Bühne rund 500 Quadratmeter groß. Hubert und Eyßen bringen deshalb eine Überbauung des knapp 380 Quadratmeter großen Soccerfelds und eine Umgestaltung des Funktionsgebäudes ins Gespräch. Das soll den nötigen Platz bringen. Würde die TS den Lärmschutzwall durch eine Wand ersetzen, würde das rund 40 Extra-Parkplätze bringen.

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Das ist alles reine Zukunftsmusik, betonen Hubert und Eyßen. Deshalb hätten sie bisher weder über Summen noch einen Zeitplan nachgedacht, wohl aber ein Sondierungsgespräch mit Bürgermeister Roland Kern, dem Ersten Stadtrat Jörg Rotter und Bauamtsleiter Thomas Kron geführt. Die rieten dem TS-Vorstand, die Sache mit größter Sorgfalt anzugehen. Denn wenn an der Dr. Walter-Kolb-Straße zuviel Neues entsteht, verliert der Verein möglicherweise seinen Bestandsschutz. Die Stadt, so Peter Hubert, habe ein weiteres Denkmodell angeregt: eine Aussiedlung auf die östliche Seite der Seligenstädter Straße Richtung Breidert und Waldrand.

Die Umzugspläne der Turnerschaft werden aufmerksam verfolgt. Schon am Morgen, nachdem unsere Zeitung im April darüber berichtet hatte, rief der erste Bauträger beim Vorstand an und meldete sein Interesse am Turnhallengelände an. „Wir wollen nichts mit Gewalt versilbern“, bleiben Hubert und Eyßen trotz vermutlich lukrativer Angebote für Wohnbaugrundstücke in guter Lage ruhig.

Sie wollen als Nächstes wissen, wie die knapp 1 400 TS-Mitglieder zu einer Konzentration des Vereinslebens stehen. Erste Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen. Einer der Altvorderen habe mit einer Mischung aus Verwunderung, Traditionsbewusstsein und freundlicher Ironie aber gerufen: „Wir haben den Keller der Halle mit der Hand ausgehoben, und ihr wollt sie verkaufen!“ Besser hätte man den Zwiespalt zwischen Analyse und Bauchgefühl nicht ausdrücken können. (lö)

Quelle: op-online.de

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