Ernstfall am Altenheim trainiert

Übung der Feuerwehr zeigt kritische Stellen

Urberach - Feuerwehreinsätze in Häusern mit vielen Bewohnern sind eine große Herausforderung - besonders, wenn diese Menschen alt oder krank sind. Notfälle kann man nicht planen.

Der Teleskopwagen aus Ober-Roden war an der Großübung beteiligt. Die Feuerwehr „rettete“ damit Altenheimbewohner aus dem dritten Stock.  

Aber man kann sich im Vorfeld so weit wie möglich mit den Gegebenheiten vertraut machen, um im Ernstfall keine Zeit zu verlieren. Eine lange geplante Feuerwehrübung im Artemed-Pflegestift hat im dritten Anlauf endlich geklappt. Ein Wechsel in der Heimleitung und eine plötzliche Erkrankungswelle hatten die ersten Übungen verhindert. Am Donnerstagabend rückten die Urberacher Wehr mit vier Fahrzeugen und die Ober-Röder Kollegen am Altenheim an. Solche Gebäude haben eine Kennziffer, die auf einen komplizierten Einsatz hinweist und bei der Alarmierung durchgegeben wird. Dann rücken beide Stadtteilfeuerwehren an.

Rund 40 freiwillige Helfer standen vor dem von Daniel Mikic und Jenny Ahnert geplanten Szenario eines Brandes in einem Bewohnerzimmer im dritten Stock. Schlauchleitungen wurden bis hin zum Unglücksort gelegt. Aber Wasser floss keines, und auch der Kunstnebel war mit Rücksicht auf Bewohner und Haus zurückhaltend eingesetzt worden. Der normale Rettungsweg über eine breite Metalltreppe außen war schließlich der rechte Weg, einen Verletzten – in diesem Fall eine Puppe – mit einer Trage ins Freie zu bringen; der Einsatz des Teleskopmastes erwies sich als schwierig, weil die Wege hin zum Fenster, an dem der Korb wartete, innen zu eng waren.

„Unser Ziel war es, hier keine Schauübung zu veranstalten. Sondern es ist mehr ein Herantasten, um in der Praxis genau jene Schwierigkeiten und kritische Stellen zu erkennen, die im Ernstfall zu viel Zeit verbrauchen und damit Leben gefährden können“, erläuterte Urberachs Wehrführer Dieter Rumpf. So wurde der Wagen mit dem Teleskopmast noch einmal umgeparkt, um einen günstigeren Winkel zu erreichen. Die Übung machte auch die Tücken der von außen schlecht zu öffnenden Fensters deutlich. Dieses Problem wäre im Ernstfall allerdings mit der Axt gelöst worden.

Einen unverzichtbaren Nutzen einer solchen Übung haben die Mitarbeiter des Seniorenstiftes. Sie müssen vorab Pläne erarbeiten, wann und wie sie die Bewohner informieren, wie sie ihnen die Angst nehmen, wie sie zur Evakuierung beitragen können und vieles mehr. So hatte etwa Pflegerin Erma Talic gleich zu Beginn der Übung die Nachbarin des vermeintlichen Brandherdes bereits ins Freie gebracht.

„Das ist keineswegs selbstverständlich, dass sich die örtlichen Feuerwehren auf solche Übungen einlassen“, lobte Nele Wohlfeil von der Artemed-Geschäftsleitung und dankte den Rödermärker Wehren für diese Chance. Sie war extra aus Peine nach Urberach gekommen, um die Übung zu beobachten - vor allem auch die Vorbereitungen im Hause selbst. Auch wenn die am Flur wartenden Pflegerinnen schon etwas zusammenzuckten, als Schläuche durch den adretten Aufenthaltsraum und die engen Flure gezogen wurden oder Dutzende von Stiefelpaaren über die gepflegten Böden polterten.

Die sehr intensiv vorbereitete Übung gibt viele Aufschlüsse für einen hoffentlich nie eintretenden Ernstfall, und Dieter Rumpf ist sich sicher: „Lieber einmal mehr getestet als im Notfall kostbare Zeit verloren.“ (chz)

Quelle: op-online.de

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