Übungseinsatz dauerte volle sechs Stunden

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Im Chemieschutzanzug dichtete Feuerwehrmann Niko Spieß mit einem Holzkeil das Loch in einem Säuretank provisorisch ab und fing die Flüssigkeit auf. Den Tank hatte die Berufsfeuerwehr Darmstadt bereit gestellt.

Ober-Roden - (chz) Wohl selten war im Rhein-Main-Gebiet das gleichzeitige Aufkommen an Feuerwehr- und Polizeifahrzeugen auf engem Raum so geballt wie am Samstag zwischen Trinkbornschule, Bücherturm, Kulturhalle und Dieburger Straße.

Zwei Gründe gab‘s dafür: Zum einen feierte die Verbindungsstelle Offenbach der IPA, der International Police Association, in der Kulturhalle ihren 30. Geburtstag. Gleichzeitig fand dort eine ganztägige Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Roden statt. Ein Vater, der seinen Sohn am Jugendzentrum abholen wollte, erschrak nicht schlecht, als er von weitem das qualmende und hektische Szenario sah, doch die Entwarnung kam rasch.

Das ist keine Larifari-Übung, sondern wir hantieren mit offenem Feuer“, mahnte einer der Einsatzleiter zu Beginn die Kameraden, die in drei Gruppen nach einander alle drei Stationen des Einsatzes durchlaufen mussten. Petra Kriegsmann von der Johanniter Unfallhilfe schminkte für eine realistische Unfalldarstellung die „Verletzten“ Daniel (15), Merlin (14), Nick (12) und Joshua (9) von der Jugendfeuerwehr authentisch mit blutenden Wunden, Brüchen und Beulen und instruierte die Jungen über die Symptome ihrer Verletzungen. Eingesetzt wurden sie in einem leer stehenden Haus an der Dieburger Straße, wo ein Zimmerbrand im ersten Stock mit eingeschlossenen Personen im Dachgeschoss sowie ein Kellerbrand - simuliert durch eine Rauchbombe - mit offenem Feuer arrangiert war. Von Wasser und Schaum über Atemschutz bis zur Drehleiter war so einiges in Betrieb; die „geretteten“ Kinder wurden anschließend im Behandlungszelt der JUH betreut.

Gerettet - der „Verletzte“ Nick strahlte schon wieder, als er von seinen Rettern aus dem verqualmten Haus getragen wurde.

Direkt vor der Trinkbornschule lief aus einem Gefahrguttransporter (einem Übungscontainer der Berufsfeuerwehr Darmstadt) unbekannte und voraussichtlich giftige Flüssigkeit aus - eine Leitung war aus einem Tankfahrzeug für Säuretransport herausgerissen worden. Entsprechend vorsichtig näherten sich die Feuerwehrleute der Leckage nur in Chemieschutzanzügen und verschwanden nach ihrem Einsatz in der Dekontaminierungskammer des Spezialfahrzeuges der Wehr.
Dritter „Tatort“ war der Pausenhof der Schule: Hier hatte ein Lastwagen seinen Hänger auf einen gerade einparkenden Pkw abgesetzt und vier Menschen im Auto eingeklemmt. Zwei (Puppen-)Kinder auf dem Rücksitz waren rasch befreit, während zwei Personen im vorderen Teil des Wagens erst nach dem Entfernen des Daches und der Scheiben mit Hydraulikschere und Glasschneider so schonend wie möglich aus ihrer Lage befreit werden konnten.

Eine halbe Stunde etwa, das ist o.k.“, lautete der fachmännische Kommentar im Nachgespräch, „aber wir hatten natürlich auch keine Komplikationen wie etwa Verformungen.“ Nicht nur die notwendigen Handgriffe wurden dabei geübt, sondern auch automatisch überprüft, welche Hilfswerkzeuge in Ordnung sind oder welche ausgetauscht werden sollten.

Insgesamt 45 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr einschließlich der Jugendwehr Ober-Roden sowie zehn Helfer der Johanniter Unfallhilfe waren über sechs Stunden im Einsatz, nur unterbrochen vom mittäglichen Würstchengulasch mit Nudeln aus der Gulaschkanone.

Quelle: op-online.de

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