Zufrieden und zum Verzicht bereit

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Schlange stehen fürs Bürger-Engagement: Die 130 Teilnehmer der Auftaktveranstaltung trugen sich fast komplett in eine der vier Arbeitsgruppen zu den Themen Soziales/Familie/Kinder, Wohnen und Stadtentwicklung, Kultur/Bildung/Freizeit/Sport sowie Wirtschaft und Standortmarketing ein. In zweiter Runde treffen sich die Arbeitskreise direkt nach den Sommerferien, um möglichst bis zur Novembersitzung der Stadtverordneten einen entscheidungsfähigen Ansatz zu haben. Ab dem kommenden Jahr ist dann eine Umsetzung vorstellbar, die in zwei bis drei Jahren überprüft werden sollte.

Ober-Roden (chz) - 92 Prozent der Rödermärker leben gerne hier, vermissen jedoch Arbeits- und Parkplätze. 54 Prozent würden sogar Einschnitte bei den städtischen Leistungen hinnehmen, damit die Kasse wieder halbwegs ins Lot kommt.

Das ist die Quintessenz einer Umfrage zum Rödermark-Leitbild, die Bürgermeister Roland Kern und Professor Dr. Ursula Funke (Fachhochschule Frankfurt) vorstellten. 666 Bürger über 15 Jahren hatten sich daran beteiligt.

Vor allem die nachbarschaftlichen Kontakte sind es, die das Leben in Rödermark lebenswert machen und zur Traumquote von über 90 Prozent führten. Nur acht Prozent aller Befragten würden einen anderen Stadtteil bevorzugen, sogar nur sieben Prozent würden sich nicht wieder für Rödermark entscheiden. Positiv- und Negativlisten fallen je nach Stadtteil unterschiedlich aus, am zufriedensten sind derzeit die Urberacher.

Hintergrund des Leitbildprozesses

Diese Werte aufzubessern, vor allem aber in Einklang zu bringen mit den derzeitigen finanziellen Engpässen: Dies ist der eigentliche Hintergrund des Leitbildprozesses. Politik und Verwaltung möchten ihr Handeln möglichst weitgehend mit den Vorstellungen ihrer Bürger abgleichen.

Viele Befragungsergebnisse liegen im Schnitt anderer Studien von Professor Funke, über manche wunderte sich die erfahrene Soziologin aber doch. So etwa über das „auffallend ruhige Verhältnis zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen“. Denn nur 9 bis 19 Prozent halten das für schlecht. Jugendliche sehen die Situation allerdings weniger positiv. Miserabel schneiden die Jugendtreffpunkte ab, ähnlich schlecht kommen Stadtgestaltung und da speziell innerstädtische Grünanlagen weg.

Image der Weihnachtsmärkte

Verblüfft reagierte die Soziologin auch über das Image der Weihnachtsmärkte. Ein Viertel aller Befragten hielten sie für „schlecht“, fast die Hälfte für „mittelmäßig“: „Dieser Prozentsatz macht mich nachdenklich, das ist ja nachgerade in die Pfanne gehauen!“ Nachbesserungsbedarf sehen viele Rödermärker auch bei den Einkaufsmöglichkeiten.

„Wenn ich Bürgermeister wäre, dann....“ – Diese Rubrik dürfte dem Rathauschef die meisten Anstöße geben, was sich seine Bürger wünschen. Allem voran stehen hier Verbesserungen im Verkehr – so etwa eine Lösung des Schrankenproblems in Ober-Rodens Mitte. Zusätzliche Parkplätze standen ebenfalls weit oben auf der Liste.

Antworten zum städtischen Haushalt

Regelrecht verblüfft waren Funke und ihr Team jedoch über Antworten zum städtischen Haushalt: Nicht so sehr die Feststellung, dass 54 Prozent der Bürger eine Kürzung des Leistungsangebots hinnehmen würden, verwunderte sie, sondern die Zustimmung von 38 Prozent zur Erhöhung städtischer Steuern und von 31 Prozent zu höheren Gebühren und Beiträgen. „Zwei Drittel sagen nicht Nein – das ist für mich ein ganz erstaunliches Ergebnis, zumal so etwas in anderen Städten noch nie in dieser Weise abgefragt wurde“, sagte Professor Funke

Zahlreiche Fragen aus dem Publikum am Ende der Präsentation lassen auf ein ernsthaftes und reges Interesse am Leitbildprozess schließen. Voraussetzung zum Gelingen sind nach Meinung der Fachfrau und des Bürgermeisters langfristiges Denken, Offenheit und vor allem Bürgerorientierung – nur dann könnten Änderungen gelingen und könne die Stadtkasse sich schrittweise erholen.

Die gedruckte Auswertung

Die gedruckte Auswertung liegt in den Rathäusern aus und kann in Kürze auf der Homepage der Stadt www.roedermark.de eingesehen werden. Wer nicht so lange warten will, kann dies auch schon in einer Kurzfassung unter www.heinzweber.eu/Leitbild/Auftakt_Roedermark_7.pdf tun.

Die Freien Wähler haben unmittelbar nach der Auftaktveranstaltung mit einer Pressemitteilung reagiert. Sie sehen sich durch die Umfrage in ihrem harten Sparkurs bestätigt. Verringerung von Qualität und Service in den Rathäusern, höhere Steuern und Gebühren, Ausbau des Wirtschaftsstandortes - all das hätten die Freien Wähler schon zur Beratung des Haushalts 2012 gefordert, erklärte ihr Sprecher Siegfried Kupczok. Doch alle Vorstöße, das Defizit von letztlich 8,6 Millionen Euro zu senken, seien an der Koalition aus CDU und AL gescheitert.

Quelle: op-online.de

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