Streit soll möglichst nicht öffentlich ausgetragen werden

Die Union sucht einen neuen Anfang

Rödermark - Der Rücktritt der CDU-Vorsitzenden Patricia Lips findet in der Rödermärker Kommunalpolitik ein geteiltes Echo. Das Spektrum reicht von einer ungerührten Zurkenntnisnahme bis hin zu Bedauern. Von Bernhard Pelka 

Es war gestern gar nicht einfach, unter Politikkollegen von Patricia Lips Stimmen zum Rücktritt der CDU-Vorsitzenden zu bekommen. Wie berichtet, hatte das Schwergewicht der örtlichen Union am Wochenende den Rücktritt vom Parteivorsitz zum 20. Mai erklärt. Koalitionspartner der Christdemokraten ist im Stadtparlament derzeit die Andere Liste / Die Grünen. Deren Geschäftsführer Eckhard von der Lühe ist um Stellungnahmen gewöhnlich nicht verlegen. Die brisante Personalie wollte er gestern aber nicht kommentieren. AL / Die Grünen seien sich einig darin, die Lage während ihrer nächsten Hauptversammlung am kommenden Mittwoch zunächst einmal unter sich zu bewerten. Dann werde man weitersehen.

Nicht einmischen in CDU-Interna will sich auch SPD-Vorsitzender Hidir Karademir. „Das muss die CDU unter sich klären“, sagte er lediglich. Er bedauere den Rückzug von Patricia Lips sehr. Sie sei in der Kommunalpolitik „eine echte Größe gewesen“.

FDP-Vorsitzender Tobias Kruger gab sich nicht so zugeknöpft. Im Gegenteil: Er nutzte die Gelegenheit sofort, um das CDU-Lager zu umwerben. „Mit Patricia Lips verliert die CDU den einzig verbliebenen charismatischen bürgerlichen Flügel, sodass die grüne CDU in Rödermark Einzug hält.“ Die FDP sei jetzt die alleine verbliebene bürgerliche Kraft und immer offen für neue Anhänger. Generell bedauert Kruger den Schritt von Patricia Lips. Er könne sie aber sehr gut verstehen. Die eigene Fraktion und Machtkämpfe und Intrigen hätten die Parteivorsitzende „an die Wand gedrückt“.

Den Ersten Vorsitzenden der Freien Wähler, Peter Schröder, überrascht die Entwicklung nicht. „Wir haben schon länger mitbekommen, dass es innerhalb der CDU Lagerkämpfe zwischen Fraktion und Vorstand gibt. Das war schon im Bürgermeisterwahlkampf so.“ Für Schröder ist klar, dass es eine Fortsetzung der Koalition aus CDU und AL / Die Grünen geben wird.

Bilder zur Bürgermeisterwahl in Rödermark

Auch an dieser Frage – und an der Vorgehensweise während der jüngsten Koalitionsgespräche – haben sich die Dissonanzen in der Union entzündet. Der bestehende Koalitionsvertrag zwischen CDU und AL / Die Grünen läuft bis 2021. Seit der im Februar vom CDU-Kandidaten Carsten Helfmann gegen den Amtsinhaber Roland Kern (AL / Die Grünen) knapp verlorenen Bürgermeisterwahl gibt es in der Union aber verschiedene Strömungen. Manche empfinden die bestehende Koalition als Bürde und appellieren, die CDU als immerhin stärkste Fraktion im Parlament dürfe nicht weiter das Anhängsel von AL / Die Grünen sein. Sie plädieren für eine bürgerliche Koalition unter Beteiligung der FDP. Andere wollen den Status quo beibehalten. Natürlich geht es dabei auch um Posten. Wer soll 2019 Bürgermeister werden, sofern Amtsinhaber Kern seiner Ankündigung folgt und dann zurücktritt? Und wer wird Erster Stadtrat? Während die CDU-Fraktion sich zur Koalitionsfrage schon positioniert hatte (ohne gegenüber der Presse Namen zu nennen), war der Vorstand noch nicht entschieden.

Kühl folgt der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert der Bitte um eine Stellungnahme. Die CDU werde jetzt einen neuen Vorsitzenden bestimmen und sich dann um diesen scharen. „Wir danken Frau Lips für ihre verdienstvolle Tätigkeit.“ Zu Angaben darüber, wie die Koalitionsfrage denn nun gelöst werde, ließ sich Gensert nicht hinreißen. Die CDU werde dies „nicht öffentlich austragen“. Termin für die nächste Vorstandssitzung sei der 19. Mai.

Quelle: op-online.de

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