Unterwegs mit der Kehrmaschine

Größter Besen der Stadt

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Autofahrer - vor allem Raucher, Fast Food-Esser und Coffee-to-go-Trinker - halten eine rote Ampel offenbar für die Einladung zur Müllentsorgung durchs Seitenfenster. Die Kipferl-Kreuzung ist an diesem Morgen die erste Station von Reiner Reuling und seiner Kehrmaschine.  

Rödermark - Reiner Reuling ist der Herr über den schnellsten, größten und wahrscheinlich gründlichsten Besen der Stadt. Von Michael Löw 

Mit der linken Hand steuert Reuling das Fahrzeug, mit der rechten bringt er die beiden Besen ins Rotieren.

Seit 13 Jahren dirigiert er die Kehrmaschine der Kommunalen Betriebe zu dem Dreck, der eben mal schnell aus dem Autofenster fliegt und Verkehrsinseln zur Müllkippe macht. Wir haben Reiner Reuling auf seiner Runde über enge Bürgersteige und großzügige Kreisel begleitet.
Reiner Reuling ist der wohl bekannteste Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe (KBR). Die „Mini-Kids“ aus der Kita Carl-Zeiss-Straße drücken sich die Nase an den Scheiben platt, wenn er die knapp metergroßen Besen seiner Kehrmaschine auf dem Bürgersteig rotieren lässt. „Die Müllmänner kommen“, jubeln sie. Das hört Reuling natürlich nur im Frühjahr oder Sommer, wenn er seinen Dienst mit offenem Fenster tut. An diesem Wintermorgen ist die Fahrerkabine dicht und mollig warm.

Reulings Tour beginnt in der Garage des städtischen Betriebshofs. Dort checkt er seinen Reinigungsplan für die nächsten eineinhalb Stunden. Mit bis zu 50 Stundenkilometern steuert er die Einsatzorte an. „Ich bin kein rollendes Verkehrshindernis“, widerlegt er ein offenbar unsterbliches Vorurteil.

Dass rote Ampeln für rauchende, essende und Kaffee trinkende Autofahrer eine Einladung zur Entsorgung sind, ist kein Vorurteil, sondern schmutzige Realität - die Kipferl-Kreuzung in Ober-Roden zeigt"s. Zwei kleine Joysticks setzen Besen und Sauger in Schwung. Kippen, Plastikbecher und Papierverpackungen verschwinden Nullkommanichts im zwei Kubikmeter großen Müllbehälter seines Fahrzeugs.

„Eigentlich funktioniert die Maschine wie der Staubsauger daheim bei Mutti“, bringt Reuling die Technik auf den Punkt und warnt vor deren Kraft: „Sie reicht für einen kleinen Hund!“ Mehr als Sekt- und andere Flaschen haben zum Glück weder er noch sein Kollege Juan Ramirez, mit er sich den Job auf der Maschine teilt, bisher nicht angesaugt.

Millimeterarbeit verrichtet Reuling ein paar Minuten später in der Dr. Walter-Kolb-Straße. Zwischen der Böschung des TS-Sportplatzes und einem geparkten Mercedes ist der Bürgersteig gerade breit genug für die Kehrmaschine. Reiner Reuling hat dermaßen viel Routine, dass er den Engpass ohne zu fluchen noch ein zweites Mal fährt: Ein gefrorener Pizzakarton hat sich im Besen verklemmt und muss rausgepfriemelt werden. 100 Meter Arbeit waren umsonst.

Großzügig umkurvt die Maschine eine silberne Folie. Reuling hat sie als „Frostschutz“ einer Autoscheibe identifiziert und lässt sie an diesem kalten Morgen liegen: „Die wird sicher noch gebraucht.“

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Große Dreckecken sind zum Leidwesen der städtischen Saubermänner die Standorte der Glas- und Kleidercontainer. Am Motzenbruch sammelt Reuling zum Beispiel Pfannen ein, bei denen nicht einmal der Deckel aus Glas ist.

Für die Kehrmaschine brauchen Ramirez und er keinen speziellen Führerschein. Bei normaler Fahrt unterscheidet sie sich kaum von einem Pkw, und beim Kehren mit maximal Tempo zehn ist sie unheimlich wendig. Reuling umrundet einen Kanaldeckel quasi auf der Stelle.

Wer 13 Jahre Rödermarks größten Besen fährt, hat schon einiges an Dreck aufgesammelt. Manchmal ekelt"s Reiner Reuling immer noch. Nämlich im Sommer, wenn ihm aus Grillresten dicke Maden entgegenkrabbeln. Einmal fuhr ihm aber auch der Schreck ganz gewaltig in die Glieder. „Ich habe eine Kiste hochgenommen, und da rollte plötzlich eine Handgranate raus!“, erzählt er. Selbst wenn sich der explosive Fund durch seine blaue Farbe schnell als Übungsgranate entpuppte, war die Angst groß.

Quelle: op-online.de

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