Urberach auf einen Blick

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Zusätzlich zur Präsentation der historischen Karten hat Historiker Norbert Cobabus (Bildmitte, mit Doris Lips und Karl Sturm) eine Vitrine mit einem kurzen Abriss der Geschichte der Kartographie vorbereitet.

Urberach - (chz) Wie sah Urberach um 1640 aus? Antworten auf diese Fragen gibt eine Ausstellung im Töpfermuseum. Es zeigt am kommenden Sonntag historische Landkarten.

Den Grundstock zur Präsentation der Regionalkarten aus Südhessen von Frankfurt bis in den nördlichen Odenwald legte Karl Sturm. Er hatte sich für seine intensive Beschäftigung mit der Urberacher Geschichte historische Landkarten, auf denen der Ort erwähnt ist, vom Landesarchiv aus Wiesbaden schicken lassen und sie nun dem Heimat- und Geschichtsverein HGV Rödermark überlassen. Das wiederum ermunterte den Lokalhistoriker Norbert Cobabus zu ergänzenden Arbeiten. Nun sind die rund 15 Prachtstücke am Sonntag im Töpfermuseum zu bewundern: teils schwarz-weiß, teils prächtig bunt, manche noch als einfache Zeichnung, die neueren bereits in wissenschaftlicher Kartographie erstellt. Manche sind mit einer schattenhaften Plastizität (ab 1800) versehen, manche mit der so genannten „Schummerung“, einer Schattierung für erhabene Teile (etwa ab 1840), andere wieder kunstvoll verziert mit Wappen oder Symbolen.

Die Röder Mark auf einer Karte von 1790, „die eigentlich überhaupt nicht gelungen ist“, wie sich Norbert Cobabus und Karl Sturm einig sind.

Die früheste Karte, auf der „Urbrich“ und „Ober Oden“ wie auch „Nieder Oden“ verzeichnet sind, stammt aus dem Jahr 1640 und galt eigentlich der Darstellung Frankfurts.
Die meisten Karten waren damals noch „gewestet“ - im Gegensatz zur heutigen Nordung. Zeitlich schließt sich eine fürs Auge wunderschöne Karte an, welche die Röder Mark zeigt, aber „sie ist eigentlich überhaupt nicht gelungen“, wie sich die fachsimpelnden Organisatoren der Ausstellung - Norbert Cobabus und Karl Sturm - einig sind. Historisch nachvollziehbar sind viel zu viele Häuser in Urberach eingezeichnet, der eingetragene Bachlauf ist eine Mischung aus Rodau und Bieberbach, und auch die Gassen verlaufen anders, als die Historiker es recherchiert haben - jeder Besucher kann das selbst nachvollziehen.

Daten und Fakten:

Die Ausstellung im Töpfermuseum ist am Sonntag, 5. Juli, von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Selbstverständlich kann das Museum nach Voranmeldung für Gruppen auch zu anderen Zeiten besucht werden.

Kontakt: Familie Lips, Tel. 06074 5920, Familie Dutiné, Tel. 06074 847259).

Im August bleibt das Töpfermuseum während der Sommerferien geschlossen.

Die ausgestellten Karten, alle zwischen 1640 und 1889 gefertigt, wurden zunächst von Einzelnen oder Fürstentümern aufgezeichnet, die späteren im Auftrag der Großherzogtums Hessen. Fast immer dienten sie militärischen Zwecken. Wer hier lebte, brauchte keine Karte, doch wer weiter weg wohnte und oft nur nach dem Hören-Sagen arbeitete, machte eben auch Fehler, zumal die Namen „wie verstanden“ eingetragen wurden.
Wechselnd waren auch die Skalenbezeichnungen: der „Scala von 2 Stund“ als Maßstab auf der Karte von 1742 etwa folgten die Angaben „Ruthen“ - eine Ruthe entsprach in der offiziellen Längenverordnung damals genau 5,023 Meter. Genormte Richtlinien für die Kartographie setzten sich erst später durch.

Heute löst die Vermessung durch Satelliten zunehmend auch diese althergebrachte Kartenerstellung ab. Begleitend zu den in der Ausstellung gezeigten Regionalkarten wird anhand mehrerer Beispiele außerdem ein kleiner Überblick über die Geschichte der Kartographie gegeben, wie sie sich von der Antike bis in die Moderne entwickelte.

Quelle: op-online.de

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