Hessen-Forst schlägt 1000 Festmeter

Kraftvoller Helfer auf acht Reifen

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Kiefern gepflanzt, die Hessen-Forst derzeit im Rödermärker Stadtwald fällen lässt.

Urberach - 1000 Festmeter Holz - überwiegend Kiefer und Buche - erntet Hessen-Forst im Stadtwald. Die Arbeiten konzentrieren sich auf eine etwa 30 Hektar große Fläche an Sailerwiesen- und Hügelschneise. Von Michael Löw 

Das soll Streitereien mit Spaziergängern, Joggern, Radfahrern und Reitern vermeiden. Aber manche Waldnutzer ärgern sich trotzdem. „Wir holen nur soviel heraus, wie nachwächst“, erläutert Forstamtsleiter Christian Münch und vergleicht den Rödermärker Wald mit einem Sparbuch: Sein Wert wächst ganz langsam, aber stetig. Förster wirtschafteten schon vor Jahrhunderten nachhaltig, da kannte die Politik dieses Wort noch nicht.

140 bis 150 Jahre alt sind die Kiefern, die Revierförsterin Gabriele Rutschmann-Becker im Herbst markiert hat. Jetzt kommen die Männer mit der Motorsäge. Ließe Hessen-Forst die Bäume länger stehen, würden sie „bienenrößig“. Will heißen: Die Stämme werden von innen brüchig, das Holz verliert an Wert. Die Stadt Rödermark, in deren Auftrag Hessen-Forst, die Bäume fällt, kalkuliert dieses Jahr mit 181.000 Euro aus dem Holzverkauf. Der lange Zeit defizitäre Waldwirtschaftsplan sieht einen Gewinn von knapp 23.000 Euro vor.

Die Waldarbeiter greifen dem „TÜV Natur“ vor. Bienenrößige Kiefern verlieren ihre Stabilität und werden Opfer der nächsten Stürme. Die Natur will Hessen-Forst bei der Holzernte weitestgehend schonen. Dabei hilft - so paradox es klingt - möglichst großes Gerät. An der Hügelschneise holt Forstunternehmer Karl-Heinz Lauer die Stämme mit einer achträdrigen Rückemaschine heraus. 70 Zentimeter ist jeder Reifen breit. Das reduziert die Belastung für den empfindlichen Waldboden auf weniger als eine Tonne pro Quadratmeter. Zugmaschinen mit vier Rädern drücken mit dem doppelten Gewicht auf den Boden.

Herbstmarkt in Ober-Roden und Urberach

Herbstmarkt in Ober-Roden und Urberach

Alle fünf bis sieben Jahre wird in einer Abteilung des Waldes Holz geschlagen. Das soll die Beeinträchtigungen für alle, die dort ihre Freizeit verbringen, gering halten. Vermeiden lässt sich Ärger aber nicht immer. Gabriele Rutschmann-Becker wurde am Donnerstag von einem Jogger beiseite geschubst, der partout auf seiner Strecke bleiben wollte. Dass direkt neben dem abgesperrten Weg zehn Tonnen schwere Buchen zu Boden krachten, interessierte den Mann herzlich wenig.

Quelle: op-online.de

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