Internationale Reifeprüfung

Urberacher Pfadfinder schaffen 72 Stunden für ungarischen Kindergarten

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Hilfseinsatz in Urberach Bunte Verkehrs-Warnfiguren für alle Rödermärker Kitas gestalteten die jüngeren Pfadfinder unter Mithilfe von Eltern und älteren DPSG-Mitgliedern.

Ganz im Zeichen der Freundschaft und Zusammengehörigkeit in Europa stand die 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen katholischen Jugend (BdKJ), deren Rödermärker Teil gestern Nachmittag in der Kita Lessingstraße zu Ende ging.

Urberach – Volle drei Tage, aber keinen Moment länger, wurden in ganz Deutschland Projekte umgesetzt, die die „Welt ein Stückchen besser machen“, wie das Motto in diesem Jahr lautete.

Mit großer Spannung hatten am Donnerstagnachmittag auch die Urberacher DPSG-Pfadfinder mit weiteren zwölf Gruppen des katholischen Dekanates, hinter denen rund 400 bis 500 Teilnehmer stehen, in Dietzenbach auf „ihre“ Aufgabe gewartet. Außer der Projektleiterin Rebecca König war bis zur Verkündung wie immer niemand eingeweiht. Das ungarische Wort „Óvoda“ (Kindergarten) war die Losung, und damit war klar, wohin die Reise ging.

Die rund 60 Pfadfinder mussten in diesen 72 Stunden im ehemaligen Kindergarten Lessingstraße in Urberach die hölzernen Spiel-Hochebenen abbauen und transportfertig machen, um sie am Freitagabend in rund zehn Stunden in Rödermarks Partnerstadt Bodajk zu fahren. Im dortigen Kindergarten Törpe-Ovi Alapítvàny wurde die Konstruktion wieder aufgebaut.

Die Zeit war knapp bemessen, bis am Samstagabend in Ungarn ein kleines Dankeschönfest gefeiert wurde. Noch nachts fuhren die Pfadfinder wieder zurück. An den Benzinkosten beteiligte sich die Stadt Rödermark, die in drei Wochen zum Kultur-Festival am Entenweiher bereits wieder Besuch aus Bodajk bekommt. Dann sehen sich sicher so manche Teilnehmer dieses spannenden Wochenendes wieder.

„Wir bringen ein Stück Demokratie nach Ungarn“, fasste Dekanatsjugendreferent Roland Franz diese Aktion zusammen, für die sehr viel Vorarbeit an Koordinierung bis hin zu Schulbefreiungen hinter ihm und seinem Team lag. Die Urberacher Pfadfinder waren in diesem Jahr die einzigen im Dekanat, die ein Auslandsprojekt verwirklichten.

In ihren hellgrünen T-Shirts mit dem Aufdruck „Uns schickt der Himmel – 72 Stunden Sozialaktion BdKJ“ waren auch die Jüngsten ganz stolz. Auf sie wartete statt der weiten Fahrt in Urberach ein eigenes Projekt: Sie gestalteten in der Kita, die auf den Abrissbagger wartet, 24 Verkehrs-Warnschilder, die sie gestern den Rödermärker Kitas übergaben. Eltern und Freunde halfen eifrig mit; vor allem da, wo die Kinder noch Unterstützung brauchten: etwa beim Zusägen der fast lebensgroßen Figuren.

Arbeitskapazität hatten sie jede Menge. Daher entstanden auch noch 13 Insektenhotels – je eines für die zwölf Rödermärker Kindergärten und der Prototyp, der gleich mit nach Ungarn reiste. Und zudem war"s ein gutes Beispiel fürs „Upcyceln“, die Wiederverwertung von Materialien: Alles außer Lehm und Stroh konnte direkt vom Kitagelände genutzt und neu verarbeitet werden.

Die Aufgabe der Großen war ebenso klar wie arbeitsintensiv. Die zwei Spiel-Emporen der früheren Kita wurden abmontiert, auf die über Ersten Stadtrat Jörg Rotter aus Ungarn übermittelten Maße zurecht gearbeitet und anschließend probehalber noch einmal zusammengebaut und geprüft. Danach folgte das Verladen in mehrere Transporter, von denen der letzte die größten Sorgen bereitete. Noch am Freitagmittag suchte der Radiosender hr3, der die Aktion wieder mit Live-Interviews unterstützte, hessenweit ein Auto. Einer der Urberacher Pfadfinderväter hörte von den Sorgen, warf seine Wochenendplanung spontan über den Haufen und bot sich samt seinem Transporter als Helfer an – wie übrigens auch schon bei allen drei bisherigen 72-Stunden-Aktionen. Gegen 22 Uhr am Freitag ging die Reise los. Bis dahin wurden die Pfadfinder von Rödermärker Bäckern, Metzgern und vor allem von vielen Eltern und Freunden mit Speis und Trank unterstützt.

Immer dabei, und wenn"s nur zum Schraubensortieren war: Erster Stadtrat Jörg Rotter. Er hatte die Spielebenen-Spende vor gut einem Jahr mit der ungarischen Kita abgesprochen. „Wir haben es geschafft“, verkündete er schließlich am Samstagabend online nach Hause. „Wir sind hier 15 Rödermärker und haben zwei Spielebenen sowie ein Gartenhaus aufgebaut. Heute Abend geht’s zurück, am Sonntagnachmittag wird der Abschluss im Kindergarten in der Lessingstraße stattfinden.“ Ermöglicht haben die Aktion auch zahlreiche Sponsoren wie Premium Wash, Schenck Process, die Gothaer Versicherung, das Autohaus Mieth, das Lokal „Ebbelsche“ oder Stadtverordnetenvorsteher Sven Sulzmann.

2004 hatten die Urberacher St. Georgs--Pfadfinder bei dieser Aktion die Kinderwaldstadt in Waldacker gebaut, 2009 das Gelände der Kinder- und Jugendfarm strukturiert und 2014 schließlich das Freizeitgelände hinterm Badehaus „aufgehübscht“. Nun haben sie in der für Europa so wichtigen Woche den Freunden in der ungarischen Partnerstadt Bodajk geholfen. Man darf gespannt sein, wie es 2024 weiter geht. Dass die Pfadfinder dabei sind, ist Ehrensache.

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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