Berufswunsch jetzt als Hobby

Er hat den Dreh heraus

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Eine seiner zahllosen Erinnerungen an das von ihm regelmäßig besuchte und gern gefilmte Land Türkei ist dieser Esel, von dem Peter Odermann einmal heruntergefallen war: „Die Gurte waren nicht richtig festgezogen gewesen.“

Urberach - Feuerwehrmann Peter Odermann verwirklicht seinen Berufswunsch jetzt als Hobby: Kameramann.

Als im Foyer der Kulturhalle 20 Rödermärker für ihren ehrenamtlichen Einsatz geehrt wurden, stellte sie ein kurzer Filmvorspann in ihrem jeweiligen Wirkungsbereich vor. Eine Kamera fing auch das aktuelle Geschehen auf der Bühne ein. Hinter dieser Kamera stand ein Mann, der das ebenfalls ehrenamtlich macht und damit der langen Ehrungsveranstaltung etwas Würze gibt: Peter Odermann.

Hinter dem waschechten Frankfurter, der seit 1959 in Urberach lebt, liegt ein abwechslungsreiches Leben. Viel Abwechslung liegt auch weiter vor ihm: gelernter Schreiner, dann Zeitsoldat, 38 Jahre lang Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr Frankfurt, inzwischen im Ruhestand. Doch einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann. Weshalb er auch immer mit Notfallkoffer im Auto unterwegs ist.

Seine Film- und Fotokarriere begann bei einem Tatort, bei dem die Frankfurter Feuerwehr Fahrzeuge und Material in der Großmarkthalle gestellt hatte. „Da hab ich mir das alles so angeschaut. Das war auch mein ursprünglicher Berufswunsch, Kameramann, um die Szenerie so darzustellen wie ich sie sehe. Aber damals gab’s wenige Möglichkeiten.“

Erste brauchbare Videokamera 1993

Seine erste Kamera wurde eine Agfa. Dann kaufte er sich eine Kodak-Schmalfilmkamera mit Zubehör, das er teilweise heute noch für altes Material verwendet. Die ersten Filme wurden im Urlaub mit den Kindern gemacht, danach wurde stundenlang zuhause geschnippelt und geklebt.

1993 erschien die erste brauchbare Videokamera auf dem Markt. Dann kam die erste Anfrage: „Ich heirate, kannst du vielleicht…?“ Er konnte, und so wurde es immer mehr. Dabei war das noch kompliziert. Es gab noch keine Steuergeräte; es musste aufwändig nachvertont werden.

1997 erschien die erste DV-Kamera: „Damals habe ich mir für 50 Mark jeden Monat eine Kassette gekauft, noch ohne eine Kamera zu haben, was meine Freunde ziemlich verrückt fanden.“ Erst dann kaufte er die erste Videokamera, dann die zweite, drehte mit zwei Kameras und erstand bald ein Steuergerät dazu, „das für meine Begriffe optimale ‚MacroSystem’ – einfach zu handhaben.“

Viel auf der Welt unterwegs

Er begann Reisegruppen zu begleiten, mehrfach etwa in die Türkei, aber auch in die Karibik, nach Ägypten oder Fernost. Vor drei Wochen noch in China, fliegt er nächste Woche wieder für zehn Tage nach Ägypten, dreht Informationsfilme für Hotels und vieles mehr. „Eine Reisebegleitung nach Norwegen hab ich abgelehnt – da gefällt es mir nicht und da sehen die Bäume ja genauso aus wie hier. Wenn Sie einmal auf Aruba gesessen haben, wollen Sie vom Kalten nichts mehr wissen.“

Deshalb – auch über seine Vorstandsarbeit im Deutsch-türkischen Freundschaftsverein – wurden die Fahrten in die Türkei immer häufiger, wo er als ausgebildeter Feuerwehrmann unter anderem auch immer wieder einmal erste Hilfe leisten musste und in dem Ort Ugurlu in der Nähe von Hekimhan sogar Ehrenbürger wurde, als er dort beim Verlegen von Wasserleitungen half.

Auf einer dieser Reisen im Rahmen eines Schüleraustauschs der Nell-Breuning-Schule lernte er 2008 auch Bürgermeister Roland Kern näher kennen. Später kam man ins Gespräch über die Gestaltung der Ehrenamtsmatinée und die Sache kam ins Rollen.

Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten

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Die Filme über die Geehrten kosten ihn dabei nicht nur mehr als 30 Stunden Zeit, sondern auch so manchen Nerv: „Ich habe 40 Sekunden angesetzt pro Person, aber die vorbereiteten Texte sind oft seitenlang und ich muss den Menschen klarmachen, dass ich doch nicht Ben Hur drehe.“ Das braucht viel Geduld bei 20 Geehrten. Dazu laufen rund um die Veranstaltung auch noch Fotos aus der letztjährigen Veranstaltung über die Leinwand.

In diesem Jahr hatte er sich im Vorfeld aufs Fahrrad gesetzt und alle Ortsteil-Schilder gefilmt. „Mein Traum für nächstes Jahr ist es, einen Sponsor für einen Rundflug zu finden, um alle Ortsteile aus der Luft aufnehmen zu können!“ Sein Lohn für die Foto- und Filmbeiträge: zwei Flaschen besten Raki.

chz

Quelle: op-online.de

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