Aktion in Urberach

Mahnwache: 100 Menschen gedenken Opfern der Novemberpogrome

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Kerzen in der Form des Davidsterns erinnern an die ehemaligen jüdischen Mitbürger Urberachs. Am Mahnmal für verlas der frühere Bürgermeister Roland Kern ihre Namen, ehe die Bürger ihre Kerzen abstellten. 

Rund 100 Bürger trafen sich am 9. November, jenes Tages, der dem Erinnern an die sogenannte Reichskristallnacht gewidmet ist, in der Bahnhofstraße 18 in Urberach.

Urberach – An dieser Gedenkstätte für ehemalige jüdische Mitbürger, die ganz in der Nähe lebten, las der ehemalige Bürgermeister Roland Kern die Namen jener 17 Urberacher und vier Ober-Röder vor, die Opfer der Gewaltherrschaft wurden. Bewegende Momente, die seit Jahren die Teilnehmer tief berühren, wenn sie anschließend ihre Kerzen – gespendet von den Rödermärker Kirchen – entlang des im Pflaster eingelegten Davidsterns niederstellen.

Die Gedenkfeier begann wenige Schritte entfernt am Haus der früheren Synagoge. Eine Arbeitsgruppe aus Schülern hatte gemeinsam mit dem Schauspieler und Regisseur Oliver Nedelmann ein Theaterstück vorbereitet. Szenen daraus rührten und bewegten die Zuschauer am Straßenrand zutiefst, so etwa Auszüge aus Briefen zwischen den damals in Ober-Roden lebenden jüdischen Geschwistern Jaky Hecht, der flüchten konnte, sowie Rosel Hecht und ihrer Großmutter während der Zeit der Deportation nach Osteuropa. Mehrfach stand darin ein Satz, der sinngemäß noch heute die Menschen in Unverständnis zurücklässt: „Woher kam der Hass auf uns?“

Die jungen Leute brachten mit ihren eigenen Namen und ihrem Alter immer wieder ihre eigene Verbundenheit ein, auch wenn sie erst Jahrzehnte nach den Ereignissen zur Welt kamen. Mit kleinen szenischen Darstellungen und Gesang am Rand der Straße begleiteten sie auch die Menschen weiter die wenigen Schritte hin zur jüdischen Gedenkstätte.

„Lassen Sie uns alle an jedem Tag mit dem Verständnis von heute daran arbeiten, dass so etwas wie vor 81 Jahren nie wieder passiert.“ Dies war die eindringliche Bitte, die Bürgermeister Jörg Rotter vor der einstigen Synagoge vermittelte. Schließlich sei es nicht damit getan, die Erinnerung auf Gedenktage zu reduzieren. „Wir alle wissen, was danach geschah: der Zivilisationsbruch der Shoah.“

Gedenktage sind Teile von Prozessen. Der heutige rasante Umbruch etwa macht vielen Menschen Angst und treibt sie in die Arme jener, die vermeintlich einfache Antworten darauf haben. Der Schluss aus solchen Gedenktagen aber müsse sein, so Rotter, dass der Rechtsstaat „keine Toleranz zeigen darf, wenn Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe angegriffen werden“. 

  chz

Quelle: op-online.de

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