Morgen letztes Schülerkonzert

Musiklehrerin Sigrid Margraf geht in Pension

Sigrid Margraf Taktgeberin

Hätte die Halle Urberach einen Vorhang, würde er morgen für Sigrid Margraf fallen. Die Musiklehrerin der Schule an den Linden geht Ende des Monats in Ruhestand und steht zum letzten Mal mit dem Chor der Grundschule auf der Bühne. Das Sommerkonzert beginnt um 18 Uhr.

Urberach – Der Eintritt ist frei, die jungen Sängerinnen und Sänger und ihre instrumentalen Begleiter bitten jedoch um eine Spende für ihre musikalische Arbeit.

Sigrid Margraf hat gefühlt Generationen kleiner Urberacher an den Chorgesang geführt. Wir baten sie um eine Bilanz der Zahlen und Emotionen.

Wie viele Jahre haben Sie eigentlich Urberacher Kindern den Takt vorgegeben?

Seit ich 1996, vor 23 Jahren, nach langer Elternzeit an die Urberacher Grundschule für den ausscheidenden Musiklehrer Herrn Sterkel kam.

Haben Sie mal nachgerechnet, wie viele Kinder in dieser Zeit mit Ihnen gesungen haben?

Puh! Das ist schwierig. Angefangen habe ich mit 40 Chorkindern, und in den letzten Jahren hat sich die Zahl jährlich zwischen 60 und 70 Kindern eingependelt. Grob überschlagen würde ich sagen - vielleicht 2 000?!

Und jetzt stehen Sie am 6. Juni zum letzten Mal mit dem Chor der Schule an den Linden auf der Bühne. Werden Sie in paar Extra-Taschentücher einstecken?

Auf jeden Fall. Und nicht nur für mich, sondern auch für die Chorkinder. Ich hoffe, deren Tränen kommen erst am Konzert-Ende.

Dirigentin aus Leidenschaft und mit Herzblut trifft’s also...

Ich würde lieber sagen: „Chorleiterin aus Leidenschaft“. Dieser Begriff umfasst eher meinen gesamten Arbeitsbereich, der nicht nur aus dem Dirigieren besteht. Es gehört dazu die Auswahl der interessierten Kinder, die Programmgestaltung, die Organisation einer solchen Gruppe inclusive vieler, vieler Elternbriefe und noch vieles mehr.

Welche Erlebnisse mit Ihren Chorkindern haben die stärksten Eindrücke hinterlassen?

Die Einstudierungen und Aufführungen der Musicals „Hexe Backa Racka“ (1997) im Gallusheim und „Tuishi Pamoja“ (2011) in der Kulturhalle Ober-Roden, zusammen mit dem Musikverein 06 Urberach. Das war eine sehr anstrengende Zeit. Aber: Der Erfolg war bei beiden überwältigend!

Blicken Sie doch bitte mal auf ihre frühen Jahre an der Urberacher Schule zurück: Waren Kinder damals genau so musikalisch wie heute? Oder täusche ich mich, und es ist genau umgekehrt?

„Musikalisch sein“ ist ein großer und allgemein umfassender Begriff. Was die Gesellschaft als „gute“ Musik ansieht, ist sehr individuell zu betrachten. Tatsache ist aber – was das Singen anbelangt – dass in kaum einem Elternhaus gesungen wird. Leider! Das war auch schon vor 20 oder 30 Jahren so.

Und was ist der Grund für diese fehlende Wertschätzung?

Die Ursachen sind vielfältig: Gesellschaftlicher Wandel, die vernachlässigte Darstellung beziehungsweise das Aufzeigen von Musik in den rechtlich-öffentlichen Medien. Was hören wir denn, wenn das Radio eingeschaltet wird? Klassische Musik?? Kindgerechten Gesang? Was bietet das Fernsehen an (guter) Musik? Was lieben und hören die jungen Eltern? Welche Erfahrungen mit guter Musik bringen diese mit?

Genießt der Musikunterricht an unseren Schulen den Stellenwert, den er Ihrer Meinung nach verdient?

Nein! Aber er würde es, wenn es genügend gute Fachlehrer an den (Grund-)schulen gäbe, die Kindern, Eltern und der Gesellschaft zeigen könnten, was Musik(machen) bewirken kann.

Bekommt man die Künstlerin Sigrid Margraf nach ihrem letzten Schulkonzert trotzdem noch ab und zu auf der Bühne zu sehen?

Wie heißt das geflügelte Wort? „Schau mer mal“. Ich freue mich jedenfalls darauf, meine Stimme wieder mehr trainieren zu können. Dann vielleicht: bei der „Stillen Zeit“, bei einem Benefiz-Konzert oder anderen Veranstaltungen…

Das Gespräch führte Michael Löw

Quelle: op-online.de

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