72-Stunden-Aktion

Gute Taten am Badehaus

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Ein Bagger erleichtert die schwere Handarbeit, die Grasnabe samt Erde für den Volleyballplatz genau 45 Zentimeter tief abzutragen – was nachts Stunden harter Arbeit bedeutet hatte, geht nun in Minuten einschließlich Sonarmessung. -

Urberach - Jetzt ist das Geheimnis gelüftet: Der Platz hinterm Badehaus ist Schauplatz der großen 72-Stunden-Aktion der Urberacher Pfadfinder und ihrer Helfer.

Die Arbeitsanweisung – geteilt in „muss“ und „kann“ – umfasst der eine Neugestaltung in Sachen Grillplatz, einen neuen Volleyballplatz, kreative Müllentsorgung, eine Frischzellenkur für den Bolzplatz, eine Litfasssäule und eventuell einen Basketballplatz.

Im Bistum Mainz beteiligen sich 165 Gruppen mit rund 3600 Teilnehmern, bundesweit haben sich 4 000 Gruppen für die Jugend-Sozialaktion angemeldet. Die Aktion steht unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“.

Optimistisch wie die Pfadfinder nun mal sind, bearbeiten sie auch schon das erwünschte Basketballfeld vor, während der Bagger sich am Volleyballfeld abarbeitet. Sie haben bei jeder 72-Stunden-Aktion mehr geleistet als eigentlich gefordert war.

In 72 Stunden sollen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine gemeinnützige soziale, ökologische, interkulturelle oder politische Aufgabe erfüllen. Erstmals findet die 72-Stunden-Aktion, die bis Sonntag dauert, bundesweit statt. In allen 16 Bundesländern und 27 Bistümern und in 272 regionalen Koordinationskreisen haben sich Aktionsgruppen angemeldet. Mit mehr als 170 000 Aktiven ist die 72-Stunden-Aktion schon jetzt die bislang größte Jugend-Sozialaktion Deutschlands. Die letzten 72-Stunden-Aktionen fanden in den Jahren 2009 und 2004 statt. In Urberach gilt alle Aufmerksamkeit diesmal also dem Platz hinterm Badehaus. Dessen Zustand gab zuletzt immer wieder Anlass zu Beschwerden. Er soll nun mit einem neuen Gesicht auch sinnvoller genutzt werden, vor allem von der Jugend. Zu Beginn der 72-Stunden-Aktion herrschte heftiges Leben in der Schaltzentrale, dem Bauwagen des Pfadfinder-Teams. Dort werden T-Shirts nach Größen verteilt. Vier Laptops – vom Generator nebenan gespeist – speichern Arbeitspläne, senden Fotos und Pläne an die „Außenstelle“ in Mannheim, wo Jan Maiwald ständig die Homepage aktualisiert. Die Projektteile wurden in ihrer Machbarkeit skizziert, Projektleiter wurden eingeteilt.

Pfadfinder-Chef Christoph Schulmeyer verteilt am Bauwagen kurz nach dem Start der 72-Stundenaktion die Aktions-T-Shirts.

Sozialpädagogin Stephie Grabs und Sozialarbeiter Kurt Vollmer bilden die Schnittstellen zur Stadt, von der schon Vorarbeiten wie Mähen geleistet wurden, ohne dass das Geheimnis verraten wurde. Am Freitag Abend der erste Regen mit Gewitter. Wie gut, dass den beiden schwarzen, normalerweise oben offenen Zelten im frühen Abend schon mal prophylaktisch ihr „Dach“ aufgesetzt wurde. Dort schlafen die, die nicht mehr durchhalten, wenigstens ein paar Stunden. Über den Hessischen Rundfunk sucht das Team besondere Spenden wie etwa eine solarbeleuchtete Straßenlaterne (für die dunklen Ecken des bisherigen Grillplatzes) oder eine alte Bushaltestelle – und freut sich, wenn die Durchsagen auf Sender sind.

Zu spät kamen die Pfadfinder diesmal für die großen Leuchtballons der Feuerwehr – sie waren schon vergeben. In der ersten Nacht hat nun die Urberacher Feuerwehr für Arbeitslicht gesorgt. Für die nächsten Nächte werden sich auch Lösungen finden.

Die Versorgung der gut 60 aktiven Helfer zwischen acht und 65 Jahren wird ebenso spontan geregelt wie Materialbeschaffung und Spendeneingang. Am ersten Abend hat eine Pfadfinder-Mutter einen großen Topf Chili gekocht; der Imbiss-Besitzer vor dem Märktezentrum hat Pommes für alle versprochen, und jede weitere Spende wird herzlich gerne entgegengenommen – egal ob Suppe, Hotdogs, Sandwichs, Kuchen, Gummibärchen oder Eis: „Hier wird nichts schlecht“, ist sich Jan Piller sicher.

Zusätzliche Helfer - und sei es nur für wenige Stunden - sind jederzeit hochwillkommen, aber auch Besucher – spätestens am Sonntag Nachmittag um 17.07 Uhr, genau 72 Stunden nach dem Startschuss, wird das neugestaltete Gelände auf alle Fälle feierlich an die Stadt übergeben. Dann ist die Hardcore-Aktion geschafft, egal, wie weit das Projekt erfüllt wurde.

Bislang war’s jedoch stets so, dass die Pfadfinder mehr geleistet haben als sie gefordert wurden. Sie sind nun mal sehr ehrgeizig und haben Spaß an der guten Sache. Ganz gemäß dem Motto der 72-Stunden-Aktion: „Uns schickt der Himmel“.

chz

Quelle: op-online.de

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