Urberacher Apotheker

„Ein sehr erfüllender Beruf“

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Jochen Esser und seine Schwester Evelyn Rehn mischen in der Rezeptur der Apotheke Salben und Tinkturen.

Urberach - Auf der Suche nach Handwerk und Handel in Rödermark mit langer Familientradition fällt stets zuerst der Name Esser. Kein Wunder, denn die Apotheke in der Traminer Straße wird in fünfter Generation von Jochen Esser (50) und seiner Schwester Evelyn Rehn (45) geführt. Von Christine Ziesecke 

Beide leben mit ihren Familien hier, beide haben haben auch Kinder. „Aber sie sind noch zu jung - man wird sehen, ob die Tradition erhalten bleibt“, schmunzelt die Apothekerin.

Haben die Geschwister den traditionellen Familienbetrieb als Belastung empfunden oder als Selbstverständlichkeit? „Das war keine Belastung, das war auch mein Wunsch“, kommt Jochen Essers Antwort spontan. Sein Werdegang lief immer darauf zu: ein Semester Chemie in Marburg, danach sieben Semester Pharmazie in Berlin, zweites Examen und praktisches Jahr. Evelyn Rehn hat in Mainz studiert, vorher aber mit einer Ausbildung zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin ausprobiert, ob es ihr auch gefällt.

Betrieb von ihrem Vater übernommen

Die Apotheke Esser war ursprünglich in der Traminer Straße 13 daheim. Inzwischen betreiben dort Valentino und Jenny Piazza das Eiscafé Venezia - nach 26 Jahren ist das auch schon fast ein Urberacher Traditionsbetrieb.

1999 haben die beiden den Betrieb von ihrem Vater Hans Esser (heute 78) übernommen. Damals waren noch Parfümerie und Reformabteilung dabei, die jetzt wegfallen. Doch da den Apothekern die Haut wichtig erscheint, wollen sie Kosmetikbehandlungen beibehalten. „Das Abspecken ist uns schon schwer gefallen, aber wir mussten den Fokus auf die Apotheke setzen“, erläutert Jochen Esser. Der florierende Online-Handel mit Tabletten und Salben macht das klassische Apothekerleben schon schwerer, aber gerade die Kunden des Versandhandels kommen oft nach einiger Zeit zurück: „Beim Online-Handel da geht alles über den Preis – aber wir haben reagiert und haben auch unsere attraktiven Sonderangebote und Kooperation mit anderen Apotheken. Wir haben einfach den Standortvorteil und vor allem die Beratung. Wir haben keine Versandkosten, freie Parkplätze und vor allem immer ein persönliches Gespräch. Das ist in diesem sensiblen Arzneimittelbereich besonders wertvoll“, zählen Evelyn Rehn und Jochen Esser ihre Stärken auf, zu denen selbstverständlich auch ein Lieferservice, der Bestellungen nach Hause bringt, gehört.

Mehr als nur lästig für die Apotheker sind heutzutage die Verträge zwischen den Krankenkassen und den Arzneimittelherstellern. „Die Bürokratisierung betrifft den gesamten medizinischen Bereich, auch die Ärzte beklagen, dass der Mensch oft auf der Strecke bleibt.“ Evelyn Rehn liebt ihre Arbeit trotzdem: „Ein sehr schöner Beruf, weit weg vom Studium, sehr erfüllend, leider bleibt das Zwischenmenschliche zusehends auf der Strecke, da müssen wir schauen, dass ein wenig erhalten bleibt.“

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Fünf Generationen kümmern sich seit dem Kauf, mit dem Johann Georg Conradi die erste Apotheke im Ort erwarb, um die Gesundheit der Urberacher. Dahinter stehen fünf Lebensgeschichten, die sich von Jean Conradi über Carlo Conradi, dessen Tochter Edda und ihren Mann, den Tierarzt Dr. Paul Esser, und schließlich Hans Esser, der heute noch maßgeblich im Geschäft dabei ist, bis zu dessen Kindern Jochen und Evelyn erstrecken. Ein ganz besonderer Schatz ist in der traditionsbewussten Familie daher auch ein spezielles Fundstück: ein kleines Buch mit alten Rezepturen, nach denen oft heute noch Salben und Tinkturen gemischt werden. Seit geschieht das 1968 im jetzigen Haus; zuvor in der heutigen Eisdiele, die 19535 dafür erweitert worden war.

Früher gab’s sehr wenige Apotheken - eine der nächsten war in Reinheim. Geregelte Nacht- und Wochenenddienste waren ein Fremdwort, da hatte jeder Apotheker praktisch immer Nachtdienst. „Schlimm muss es für unsere Großmutter gewesen sein: der Großvater - Tierarzt und Apotheker - war ab 1939 im Krieg, und sie versorgte während all der Kriegsjahre die ganze Umgegend alleine mit zwei kleinen Kindern“, leidet Evelyn Rehn auch nach Jahrzehnten noch mit.

Quelle: op-online.de

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