Urberacher bläst das Alphorn

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Ein Alphorn lässt sich durchaus kompakt aufbewahren. Erst zusammengebaut offenbart es seine Größe - auch klanglich. Die Nachbarn von Reinhard Stahn in der Görlitzer Straße wissen um sein Hobby. „Und sie wissen es auch immer, wenn ich übe!“

Urberach ‐ Der Urberacher Reinhard Stahn spielt seit sechs Jahren das wahrscheinlich größte Musikinstrument in ganz Rödermark: das Alphorn. Wo rührt diese ungewöhnliche Leidenschaft her? Von Christine Ziesecke

Alphörner sind inzwischen handliche Instrumente, die geradezu eine Hochphase erleben. Beheimatet im ländlichen Bereich des allemannischen Kulturraums, sind sie derzeit bis hin zu Rockbands und Jazzformationen angesagtes optisches Highlight.

In Urberach sind sie hauptsächlich durch Reinhard Stahn und seine Musikerkollegen vom evangelischen Posaunenchor bekannt, wo der heute 70-Jährige seit rund 20 Jahren Bassposaune spielt. Zum Alphorn kam er aber erst vor sechs Jahren. „Wir haben ein Wochenendhaus in Soultzeren im Elsass, einem Ort, der das Alphorn in seinem Wappen hat.

2004 wurde Reinhard Stahn von einer Musikfreundin seiner Frau Ulrike gefragt, ob er sich trauen würde, bei einem Schweizer Nachmittag für Senioren ein Alphorn zu blasen. Er nahm den damaligen Posaunenchorleiter Heinz Held mit, der es ausprobierte – ohne großen Erfolg. Wie sich herausstellte, war das gut dreieinhalb Meter lange ungeteilte Stück mehr Dekoration als Instrument, noch dazu hatte es einen Sprung.

Übers Internet stießen Held und Stahn auf einen zweitägigen Kurs eines Alphornbauers aus dem Spessart. Hinterher gönnte sich schließlich auch Reinhard Stahn ein neues Alphorn, ein original Schweizer Instrument aus Fichte, rund 2000 Euro teuer.

Zuhause gewannen Reinhard Stahn und Horst Held über den Petrus-Posaunenchor nun auch noch Burkhard Kremser; zu dritt sind die Musiker von den Hirtenweihnachten auf der Bulau oder aus der „Stillen Zeit“ in St. Gallus bekannt. Dass „stille“ Zeit und Alphorn durchaus kein Widerspruch sind, kann jeder erleben, der den andächtig stimmenden und alpenländisch klingenden Tönen lauscht, die auf die Naturtonreihe beschränkt sind – für heutige Ohren eher ungewöhnlich und bewegend.

Sehr viel leiser, aber ebenso beliebt ist ein weiteres Hobby von Reinhard Stahn, durch das er eher bei den jüngsten Rödermärkern bekannt ist: Im Winterhalbjahr liest er im Wechsel mit Monika Pettirsch-Huder immer montags den Kindern im Töpfermuseum klassische alte Märchen vor. Seit über 20 Jahren wird hier von Oktober bis Ende Februar gelesen, erzählt und danach mit den Kindern gemalt. Der Mann mit dem Alphorn wurde über die Märchentante zum Märchenonkel – sie ist eine seiner Nachbarinnen.

Puste braucht Reinhard Stahn auch bei diesem Hobby. Nur eben auf eine ganz andere Art. Aber vielleicht bringt er sein Alphorn ja mal mit zur Märchenstunde.

Quelle: op-online.de

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