Priesterweihe für Urberacher

Den Menschen nahe sein

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Ludwig Michael Siemes

Urberach - Am heutigen Samstag, dem Fest der Apostel Petrus und Paulus, wird nach mehr als 50 Jahren erstmals wieder ein Urberacher im Mainzer Dom zum Priester geweiht: Ludwig Michael Siemes.

Am Sonntag erhält er um 9.30 Uhr beim Ankleiden im Kindergarten St. Gallus das Primizgewand. Nach einer Prozession hält er seine erste heilige Messe als Hauptzelebrant in der Kirche seiner Heimatgemeinde St. Gallus, das Primizhochamt.

Beim anschließenden Empfang in der Kelterscheune haben Gemeindeglieder und Gäste die Möglichkeit, dem Neupriester Glück und Gottes Segen auf seinem mutigen Weg zu wünschen. Um 15 Uhr schließen die Feierlichkeiten mit einem Dankgottesdienst ab, an dessen Ende der Priester jedem einzelnen Gottesdienstbesucher den Primizsegen spendet. Unsere Mitarbeiterin Christine Ziesecke sprach mit Ludwig Michael Siemes.

Mit 39 Jahren haben Sie schon ein gutes Stück Lebensweg hinter sich. Wie gestaltete sich Ihr Leben bislang?

Geboren in Erlangen, kam ich mit zwei Jahren nach Urberach, wo meine Eltern heute noch leben. Ich durchlief hier alle üblichen Stationen wie Pfadfinder oder Messdiener, ohne aber vorne dran zu sein. Nach Schule an den Linden und Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt, das ich nach der 10. Klasse verließ, machte ich eine Ausbildung zum Energie-Elektroniker. Nach meiner Bundeswehrzeit arbeitete ich, zuletzt selbständig, in der Kommunikationsbranche. Vor sieben Jahren begann ich mein Theologiestudium, leistete Gemeindepraktika unter anderem in Hechtsheim und war zuletzt als Diakon in Bretzenheim.

Wie kommt man als selbständiger Unternehmer in der Kommunikationsbranche zur Berufung als Priester?

Das kam nicht mit Feuerszungen vom Himmel oder so – mit Mitte 20 wollte ich unbedingt eine Familie mit Kindern und allem, was dazu gehört. Ich komme ja auch aus einer großen Familie. Doch durch das Arbeiten mit Menschen und die gleichzeitige Auseinandersetzung mit dem Glauben habe ich festgestellt, dass viele Menschen die gleichen Fragen haben. Ich habe mich mit der Schrift auseinandergesetzt und mich mit etwa 27 Jahren wieder in der Kirche engagiert, an den Punkten, die mich interessiert haben: Firm- und Taufkatechese, Gebetskreise und Weltjugendtag. Meine Firma lief gut, aber die Fragen der Sinnhaftigkeit waren mir zunehmend wichtig. Ich habe meinem Leben Sinn und Orientierung damit gegeben, aber ich wusste zunächst auch nicht, ob es nur eine Phase oder ein dauerhaftes Bedürfnis war. Das musste ich einfach wagen.

Wie lief Ihre Ausbildung ab?

Da ich kein Abitur, aber eine Ausbildung hatte, ging ich in die Nähe von Bonn ins Spätberufenenseminar – wo ich nicht zuletzt alte Sprachen büffeln musste. Dort hatte ich Ruhe und Zeit, mich nicht nur mit der Theologie auseinander zu setzen, sondern auch den Weg zu überlegen und mich selber zu prüfen. Im Konvent konnte ich erfahren, ob ich mit der Lebensform des Priesters überhaupt leben kann. Ich wusste: Wenn ich mit meiner Firma aufhöre, bin ich endgültig heraus. Aber es war auch spannend zu erfahren, was Gott noch mit mir vorhat. Und bislang wurde meine Entscheidung stets untermauert. Auch der Abschied von einer eigenen Familie, denn mir ist klar: Ich könnte niemals beidem gerecht werden, einer eigenen Familie und einer erwartungsvollen Gemeinde. Es wäre immer ein Kompromiss, bei dem ich eine Seite enttäusche und mich zerreiße.

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

Sehen Sie Ihre späte Berufung als besondere Chance?

Durchaus, denn ich habe vieles schon selbst erlebt. Ich glaube, die Menschen in den Gemeinden wollen keinen neben oder über ihnen stehenden Pfarrer, sondern einen, der ihnen nahe steht und ihre Sorgen kennt. Wie soll ich sonst praktische Seelsorge betreiben? Das ist auch der große Vorteil des neuen Papstes Franziskus, dass er bei und unter Menschen sein möchte. Deshalb sind ihm die Menschen so nahe.

Wie geht Ihr Leben weiter?

Nach ein paar Urlaubstagen und dem Umzug werde ich Mitte Juli meine Aufgabe als Kaplan in der Gemeinde St. Jakobus in Langen antreten, wo ich zwei Jahre vor allem in der Jugendarbeit und im Schulunterricht tätig sein werde. Ich bin überrascht und dankbar, so nahe an meiner Heimat wirken zu können. Das gibt mir die Möglichkeit, trotz des weitgehend anderen Lebensrhythmus als Seelsorger Freundschaften und Kontakte weiter zu pflegen.

Quelle: op-online.de

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