Uwe Lauer muss manchen Irrglauben aus dem Weg räumen

Oscar-Mitgewinner aus Urberach ist kein Millionär

Rödermark - Den Oscar hat Uwe Lauer mit Leonardo DiCaprio gemein. Doch das war’s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten zwischen dem Schauspieler und Regisseur aus Urberach und dem Megastar aus Hollywood. Dessen Filme füllen die Kinos in aller Welt. Von Michael Löw 

Uwe Lauer aus Urberach ist Schauspieler, Regisseur und Oscar-Mitgewinner. Das Drama „Son of Saul“, das Ende 1944 im Konzentrationslager Auschwitz spielt, wird am Sonntag erstmals in seiner Heimatstadt aufgeführt: um 17 Uhr in der Kulturhalle.

Uwe Lauers Drama „Son auf Saul“ läuft elf Monate nach der Oscar-Verleihung erstmals in seiner Heimatstadt. Uwe Lauer ist als Schauspieler und Regisseur fast nur Cineasten, also echten Kinofans, bekannt. Rödermärker Jugendliche kennen den 55-Jährigen aus seinem anderen Beruf, denn er gibt an der Nell-Breuning-Schule (NBS) Medienkurse. Die Schüler hatten aber nicht mitgekriegt, dass Lauer im Frühjahr 2015 bei den Festspielen von Cannes über den roten Teppich spazierte. Damals hatte das ungarische KZ-Drama „Son auf Saul“ den Großen Preis der Jury gewonnen. In der Nacht zum 29. Februar 2016 erhielt „Son of Saul“ in Los Angeles sogar den Oscar für den besten ausländischen Film. Resonanz an der NBS: Null - und zwar sieben Wochen lang. Dann hat Michi Reisert Uwe Lauers Erfolg gepostet: „Auf einmal wollten alle Autogramme haben. Da ist ein richtiger Sturm losgebrochen!“ Denn welche Schule hat schon einen Oscar-Mitgewinner in ihrem Kollegium?

Uwe Lauer trifft seither auf viel Halb-, Falsch- und Nichtwissen. „Die Jugendlichen glauben, dass man mindestens Millionär ist, wenn man in einem Oscar-Film mitspielt“, erzählt er. Seine Gage bei „Son of Saul“ bleibt geheim, Lauer lässt nur durchblicken, dass ein Facharbeiter im Schichtbetrieb besser bezahlt wird als ein Schauspieler und Texter in einem osteuropäischen Film, dessen Budget bei ganzen 1,4 Millionen Euro lag. Jede „Tatort“-Folge kostet mehr.

Und wie kommt ein Rödermärker Schauspieler und Regisseur überhaupt zum ungarischen Film? Uwe Lauer, gebürtiger Frankfurter, ist mit einer ungarischen Malerin verheiratet und lebte zehn Jahre in Budapest. Erst seit 2008 wohnen die Lauers in Urberach. Regisseur László Nemes suchte Darsteller für „Son of Saul“ - unter anderem musste die Rolle eines SS-Oberscharführers im KZ Auschwitz besetzt werden. Nemes castete 70 Bewerber, dann rief er Uwe Lauer an und engagierte ihn. Doch es blieb nicht bei der Schauspielerei: Der Urberacher arbeitete an der deutschen Übersetzung mit und schrieb auch Dialoge.

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Grund ist ein Befehl aus drei Worten: „Leg es dahin!“, sagt ein Wachmann zu einem jüdischen Häftling. Was so harmlos klingt, beschreibt die grausame Arbeit der Sonderkommandos, die die Neuankömmlinge in die Gaskammern trieben und dann die Ermordeten ins Krematorium schleppen mussten. Die SS-Männer bezeichneten die Toten als „Stücke“; mit „es“ war ein Kind gemeint. Lauer schätzt, dass rund 60 Prozent aller Dialoge in „Son of Saul“ seine Handschrift tragen. Dabei kam ihm seine Erfahrung als Schauspieler und Regisseur im Theater zugute.

„Son of Saul“ könnte Lauers Einstieg ins internationale Filmgeschäft bedeuten. Der Oscar machte László Nemes weit über sein Heimatland Ungarn hinaus bekannt. Sein neuer Film spielt wenige Jahre vorm Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Budapest, gedreht wird vermutlich zwischen Mai und August 2017. „Dann werden wir die Hauptstadt zehn Wochen ins Chaos stürzen“, prophezeit Uwe Lauer und meint"s als Kompliment an die ungarischen Behörden: Seit Regisseur Nemes eine nationale Berühmtheit ist, reicht ein Anruf seines Stabs, und schon werden Hauptstraßen oder berühmte Gebäude für die Dreharbeiten gesperrt.

Quelle: op-online.de

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