Keine Angst vor Kannibalen

Urberacher Traditionshotel „Odenwaldblick“ plant Neubau

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Auf dem bisherigen Parkplatz des „Odenwaldblick“ will Hans Gensert (hier mit Sohn Steven) bauen. Die neue Hoteltrakt hat auf einer Fläche von 2 400 Quadratmetern 49 Zimmer. Zwar rücken die Bagger erst in einem Jahr an, doch schon jetzt steckt der Hotelier in der Planung der Inneneinrichtung.

Urberach - Mit einer Millioneninvestition will Hotelier Hans Gensert den „Odenwaldblick“ fit für die Zukunft machen. Geplant ist ein Neubau mit 49 Zimmern direkt gegenüber des Stammhauses. Der Bauausschuss berät am Mittwoch über einen sogenannten „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“. Von Michael Löw

Der Entwurf des Urberacher Architekten Holger Dense sieht drei Vollgeschosse und ein zurückgesetztes Staffelgeschoss vor.

70 Zimmer sind die Mindestgröße, mit der sich ein Hotel im Frankfurter Umland behaupten kann. Sonst besteht die „Gefahr der Kannibalisierung“ durch neue Konkurrenten - sprich: Ketten. Zu diesem Ergebnis kommt Werner Gärtner von der Unternehmermanufaktur für Hoteliers und Gastronomen im bayrischen Burghausen. Hans Gensert hat Konsequenzen aus der Studie gezogen und erweitert sein Hotel „Odenwaldblick“, das sich seit mehr als 60 Jahren in Familienbesitz befindet. Es hat bisher 25 Zimmer. Hinter dem Arbeitstitel Erweiterung steckt indes ein millionenteurer Neubau, der nach Genserts Ansicht den gesamten Hotelstandort Rödermark sichern hilft. Sein Architekt Holger Dense plant auf dem Parkplatz des „Odenwaldblick“ einen Flachbau mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss. Auf rund 2 400 Quadratmetern entstehen 49 Zimmer, Lobby und Frühstücksraum. Eine 290 Quadratmeter große Terrasse rundet das Gebäude nach Süden ab. Nördlich davon sind 2 020 Quadratmeter Parkplatz mit wasserdurchlässigem Pflaster geplant.

„Vor zweieinhalb Jahren habe ich mir die ersten Gedanken um eine Erweiterung gemacht - auch mit Blick auf meine Kinder“, erläutert Gensert (53) die Hintergründe. Er führte viele Gespräche, wo die Hotellerie in zehn Jahren stehen könnte. Und da kommt die Studie aus Bayern ins Spiel. Mit mindestens 70 Zimmern kann ein Familienbetrieb im Verdrängungswettbewerb sein Überleben sichern: Groß genug, um sich zu rechnen; klein genug, um persönlich gemanagt zu werden.

Die Studie fordert aber auch mehr Qualität und mehr Profil beziehungsweise eine Spezialisierung. Gensert will dem in Form eines „Business Natur Hotels“ Rechnung tragen. Seine Kunden sind schon jetzt überwiegend Geschäftsleute und Messebesucher, Kurzurlauber sind eine Minderheit. Dieses Klientel müssen laut der Studie auch Rödermärker Hoteliers im Auge behalten. Denn das Rhein-Main-Gebiet sei mit seiner Kombination aus der Großstadt Frankfurt, mehreren Mittelgebirgen und Naturdenkmälern wie der Grube Messel durchaus für Touristen attraktiv.

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Natur ist für Hans Gensert mehr als die Waldrandlage des „Odenwaldblick“. Das Dach des Neubaus wird begrünt. In den Zimmern dominiert das warme Holz eines renommierten Einrichters aus Österreich - weit entfernt vom Almhütten-Klischee. Unter anderem mit Kaffeevollautomaten in allen und Heutapeten in einigen Zimmern will sich Gensert von der Konkurrenz abheben. Derzeit beschäftigt der „Odenwaldblick“ 15 Mitarbeiter: zehn in Voll- und fünf in Teilzeit. Mit dem Neubau kommen etwa zehn Jobs dazu. „Wir planen keine Verpachtung, sondern eine Zukunft in Familienhand“, stellt Hans Gensert klar. Das gilt auch für die bestehende Gastronomie. Denn im Ort machen Gerüchte die Runde, Gensert habe das Restaurant verpachtet: „Alles Unsinn, alles bleibt in Eigenregie!“

Zunächst beschäftigt die Hotelerweiterung die Politik. Am Mittwoch ist sie Thema im Bauausschuss, am 5. Dezember in der Stadtverordnetenversammlung. Ein sogenannter „Vorhabenbezogener Bebauungsplan“ ist die Grundlage.

Quelle: op-online.de

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