Vom Urknall und Bauplan der Welt

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Natürlich, sympathisch und - soweit bei der schwierigen Materie möglich - ohne mathematischen Ballast, erläuterte der Astrophysiker Prof. Dr. Wolfram Winnenburg komplexe Physik.

Ober-Roden (chz) - Nichts Geringeres als der Bauplan der Welt war das Thema des 14. Rödermärker Hochschultags, den die Stadt und die Oswald von Nell-Breuning-Schule ausgerichtet haben. Diesmal war die Veranstaltung besonders aktuell. 

Am 4. Oktober erst hatte das Nobelpreiskomitee die amerikanischen Physiker und Astronomen Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam G. Riess ausgezeichnet, die mit Daten von von Sternexplosionen den Kosmos vermessen haben. Diese komplexen Zusammenhänge erläuterte der Referent des Hochschultages Dr. Wolfram Winnenburg, Professor an der Universität Siegen und Leiter der Sternwarte Siegen, in seinem Vortrag „Heißer Urknall und kalte Hintergrundstrahlung - Astronomen entschlüsseln den Bauplan der Welt“. Mit den Daten von Sternexplosionen haben die Wissenschaftler nachgewiesen, dass das Weltall nicht nur expandiert, sondern sogar beschleunigt wächst. Schon Albert Einstein hatte dazu 1917 die „Kosmologische Konstante Lambda“ eingeführt. Mittlerweile spricht man von der „dunklen Energie“. Diese Entdeckung gehört zu den größten Durchbrüchen der Astronomie.

Das Weltall wird weiter expandieren

Hochinteressant und fast ohne Formeln vermittelte der sympathische Wissenschaftler die Entstehungsthesen des Weltalls und begründete sie in den einzelnen Forschungsschritten - zurück bis zum Urknall. Heute wissen wir - vor allem dank der Entdeckung der Hintergrundstrahlung: Das Weltall wird weiter expandieren. Und dies mit immer größerer Geschwindigkeit. Das belegen unter anderem auch die Hubble-Expansion und Messungen der Supernovae Ia.

Nach gut einer Stunde waren manche Schüler und andere Zuhörer an der Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit angekommen. Trotzdem gab’s rege Fragen, die sich aber stets um das Unbeantwortbare drehten. „Was war denn zuerst da? Was passiert, wenn sich der Ausdehnungsprozess des Universums irgendwann umdrehen wird? Was geschieht, wenn dieser Prozess an Grenzen stößt? Kann es überhaupt Grenzen geben?“ Der Wissenschaftler erinnerte daran, dass Physiker, Astro-Physiker und Kosmologen zumeist nur jene Fragen zu klären trachten, die sie mathematisch oder mit physikalischen Mitteln hinterfragen und nachweisen können.

„Stellen Sie sich das Weltall als Christbaum vor"

 Verblüffend offen meinte ein Zuhörer: „Das entzieht sich meiner Vorstellungskraft!“ Einleuchtend war jedoch ein ganz einfacher Vergleich des Physikers: „Stellen Sie sich das Weltall als Christbaum vor. Was Sie sehen, die Sterne, sind die leuchtenden Kerzen. Alles andere, die Materie dazwischen, sehen Sie nicht. So ist’s auch im Weltall.“ Freuen können sich die Zuhörer schon auf nächstes Jahr, wenn Astrophysiker Wolfram Winnenburg im Dezember wieder in Rödermark sein wird. Dann kommt er mit seinem Vortrag „Der Stern von Bethlehem“. Die Rödermärker Hochschultage von Nell-Breuning-Schule (NBS) und Stadt wollen Brücken bauen zwischen der eher wissenschaftspropädeutischen Wissensvermittlung an den Schulen, die in die Wissenschaft einführt, und der wissenschaftlich fundierten Forschung und Lehre an Universitäten. Dieser Prozess soll Schüler, deren Eltern und eine breitere Öffentlichkeit erreichen. An der NBS bereiten Dr. Dietmar Herdt für den naturwissenschaftlichen Bereich sowie Prof. Philipp Wolf für den geisteswissenschaftlichen Bereich die Hochschultage vor. Der Vortrag von Astrophysiker Wolfram Winnenburg zog bisher die meisten Zuhörer in die Kulturhalle.

‹ www.nellbreuningsymposium.de

Quelle: op-online.de

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