Vandalen in Kinderspielstadt

Party- und Baulöwen machen Zoff

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Der Wald westlich von Waldacker ist bei Jugendlichen beliebter, als es Sozialdezernent Jörg Rotter und Sozialpädagogin Stephanie Grabs lieb ist. Mit Markus Schröder und Omar el Malki vom Betriebshof räumten sie gestern einen Schwarzbau auf.

Waldacker - Vandalen toben sich in der Kinderwaldstadt aus. Was vor zwei Monaten mit nächtlichen Grillfesten und ihrem Dreck begann, hat sich zu einem handfesten Problem entwickelt. Von Michael Löw 

Vor ein paar Tagen geriet ein Lagerfeuer außer Kontrolle; nur dank eines aufmerksamen Spaziergängers breitete es sich nicht weiter aus. Gestern schlugen Erster Stadtrat Jörg Rotter und Sozialpädagogin Stephanie Grabs Alarm. Sie wollen das Freizeitgelände nicht unerwünschten Besuchern überlassen und bitten Jogger, Radler, Reiter und Spaziergänger ein Auge auf die im Wald gelegene Spielstadt zu werfen. Nur so könne sie für Kindergärten, Schulen und angemeldete Feiern offen bleiben. Seit die Rowdys dort ihr Unwesen treiben, fährt Stephanie Grabs donnerstags und freitags nach ihrer Arbeit im „Schiller-Haus“ im Wald vorbei. Doch selbst die Kontrolle um 22 Uhr blieb bisher ohne Ergebnis - vermutlich kommen die Übeltäter noch später. „Und montags kriegen wir dann die Anrufe“, sagt Grabs frustriert.

Chipstüten und Getränkekartons sind die noch harmlosen Reste beim fälligen Ortstermin. Knochen und halbe Steaks sind montags einfach nur eklig, zerdepperte Flaschen und Einweggrills bergen Gefahrenpotenzial. Grabs und Rotter haben schon Müllabfuhr gespielt: Hätten sie nämlich die Kommunalen Betriebe angefordert, hätten die der Jugendabteilung 300 Euro in Rechnung stellen müssen. An der neuen Grillhütte haben die Partygänger etliche Bretter abgeschraubt und zum Teil verfeuert. Vom Dach der Blockhütte, die dem Gelände den Namen gab, haben sie Ziegel gerissen - offensichtlich, um hineinzugelangen. Doch außer zwei leeren Kühlschränken hätten sie dort keine Beute gemacht.

Am vorigen Wochenende bekam der Vandalismus eine neue Dimension. Unbekannte hebelten die Verkleidung des Stromverteilers aus ihrer Verankerung. Die Kabel, deren Isolierung gottlob unbeschädigt blieb, waren eine Einladung für neugierige Jung-Elektriker. Gestern sicherte die HSE den Verteiler. Trotz der Grillhüttenbretter wird das Brennholz knapp, mittlerweile wurden die ersten Kiefern mit dem Beil attackiert. Noch sind die Kerben klein, noch stehen die Bäume stabil. Aber noch ein paar Axthiebe und dazu ein kräftiger Wind...

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Sozialpädagogin Grabs unterscheidet zwei Sorten von Übeltätern. Die einen - ältere Jugendliche, junge Erwachsene und sogar Familien, wie zurück gelassene Windeln beweisen - machen dort Party, ohne sich um die Folgen zu kümmern. Die anderen verdienen schon fast wieder Respekt: 13- oder 14-Jährige haben die nicht verheizten Grillhüttenbretter mehrere hundert Meter in den Wald geschleppt und eine eigene Hütte gebaut. Säulen von zweifelhafter Stabilität sind meterhohe, abgestorbene Baumstämme, die sie eingebuddelt haben. Schon der Sicherheit der Möchtegern-Architekten wegen rückt das Abrisskommando der Kommunalen Betriebe an.

Stadtrat Rotter will jetzt die Ordnungspolizei auf Streife schicken. Doch die ist unterbesetzt und kann nicht überall sein. Deshalb bitten Stephanie Grabs und er alle aufmerksamen Waldackerer, sich die Nummern parkender Autos zu notieren und der Polizei in Dietzenbach zu melden. Die könne wilden Partys ein Ende bereiten, bevor sie ausarten.

Quelle: op-online.de

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