Verein „Kinder Zukunft fördern“ möchte Aktivitäten in der Region ausweiten

Neue Helfer sind jederzeit willkommen

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Projektentwickler Peter Matteo steuert in seiner knappen Freizeit die segensreichen Hilfsprojekte des Vereins „Kinder Zukunft fördern.“

Rödermark - Der Rödermärker Ortsteil Waldacker ist im weitverzweigten Hilfs-Netz der Bethanien Kinder- und Jugenddörfer ein wichtiger Knoten. Am Lindenweg 30 hat der Verein „Kinder Zukunft fördern“ für diese segensreichen Einrichtungen seinen Sitz.

Dort steuert der Frankfurter Projektentwickler und Bauingenieur Peter Matteo (56) als Erster Vorsitzender die ehrgeizigen Hilfsprojekte für benachteiligte Kinder und junge Erwachsene. Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach mit ihm über die aktuelle Neuausrichtung des Vereins.

Verraten Sie uns doch Ihr persönliches Schlüsselerlebnis, das Sie veranlasste, gemeinnützig tätig zu werden.

2001 hatte ich zu meinem 40. Geburtstag die ersten Berührungspunkte mit dem Kinderdorf in Eltville-Erbach, das zum Dominikanerorden von Bethanien gehört. Ich wollte zu meinem Geburtstag etwas spenden und etwas zurückgeben von dem, was mir das Leben bisher Gutes beschert hatte. Mir war es dabei sehr wichtig, dass von der Spende so wenig Verwaltungskosten abgehen wie möglich. Deshalb habe ich die Spendenquittung persönlich abgeholt, um zu sehen, was mit dem Geld geschieht. Bei einem Nachmittagskaffee in dem Kinder- und Jugenddorf hat mich sehr berührt, wie die Betreuerinnen und Betreuer mit den Kindern aus sehr schwierigen Familienverhältnissen umgehen. Das war die Initialzündung dazu, einen Teil meiner Zeit künftig anders zu nutzen als bisher – und das lässt mich bis heute nicht los. Ich habe dann die Patenschaft für ein Kind übernommen, das mehrfach sexuell missbraucht und fast zu Tode gewürgt worden war. 

Was hat Sie in dem Kinderdorf noch überzeugt?

Dass die Kinder dort nicht wie in einem herkömmlichen Heim groß werden, sondern wie in einer Großfamilie aufwachsen, die die problematischen Verhältnisse, aus denen sie kommen, niemals aus dem Blick verliert.

Was war denn in etwa das Erste, das Sie damals bei Ihrem neuen Engagement gelernt haben?

Dass es zwar einigermaßen leicht ist, Geld für soziale Zwecke zu akquirieren, aber dass die Leute kaum bereit sind, ihre private Zeit für die gute Sache zur Verfügung zu stellen. Wir sammeln mittlerweile etwa eine halbe Million Euro pro Jahr an Spenden ein und haben die größte private Schulförderung in Hessen und Nordrhein-Westfalen aufgebaut, aber für die ehrenamtliche Arbeit erhoffen wir uns noch mehr Helfer.

Auch der Staat und karitative Verbände unterstützen benachteiligte Kinder und Jugendliche in hohem Maß. Warum brauchen wir trotzdem das Engagement Ihres Vereins?

Weil wir genau dort ansetzen mit unserer Förderung, wo etwa Jugendämter und andere öffentliche Stellen nicht mehr einspringen können. Zum Beispiel brauchen die traumatisierten Kinder Bewegungstherapien, Musiktherapien, Reittherapien, Schulförderunterricht, Sportprojekte und viele unterschiedliche Einzelprojekte, den öffentliche Stellen nicht bezahlen. Den Nachmittagsunterricht der Schulförderung können Sie nur mit privatem Geld finanzieren. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel ausgezeichnete Ergebnisse sie gerade mit dem Musikunterricht erreichen können. Er steigert ja nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern hat auch andere therapeutische Auswirkungen.

Welche Erfolge hat der Verein damit?

Wir investieren in Förderunterricht und die Bezahlung von Nachmittagslehrern im Jahr so rund 300 000 Euro. Zu Beginn unserer Tätigkeit waren im Kinderdorf in Eltville 38 Prozent der Kinder an Lernbehindertenschulen. Nach sechs Jahren waren es noch 12 bis 14 Prozent. Das heißt, die Kinder konnten trotz traumatischer Erlebnisse ihre massiven Defizite durch die spezielle Förderung relativ schnell aufholen und in Regelschulen gehen. Das wiederum bedeutete, dass sie qualifizierte Schulabschlüsse machen konnten. Wir haben Kinder, die haben die Hauptschule geschafft, wir haben welche mit Abitur, die studieren. Und wir haben Kinder, die nach der Meisterprüfung im Handwerk zum Kleinunternehmer geworden sind. Da sind wir schon sehr stolz darauf!

Jetzt wollen Sie das Engagement des Vereins neu ausrichten. Wohin geht die Reise?

Wir haben bisher ausschließlich die Bethanien Kinder- und Jugenddörfer unterstützt, die nach den SOS-Kinderdörfern in Deutschland übrigens der zweitgrößte Träger solcher Einrichtungen sind. Jetzt aber wollen wir uns öffnen. Mit unseren Konzepten können wir überall Kindern und Jugendlichen helfen. Mit der Jugendhilfe Marienhausen, einem Jugendhilfeverbund in Rüdesheim-Aulhausen, unterstützen wir schon jetzt ein weiteres Haus. Das möchten wir auf andere Häuser ausweiten. Dafür brauchen wir noch mehr ehrenamtliche Unterstützung.

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Gibt es für Stadt und Kreis Offenbach schon konkrete Vorstellungen?

Nein. Wir sind gerade erst dabei, Kontakte zu knüpfen, streben aber grundsätzlich eine Partnerschaft mit einer Einrichtung im Landkreis an. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir von privater Seite und auch aus der kommunalen Politik Zuspruch erfahren würden, um gemeinsam helfen zu können. 

Wie schätzen Sie die Situation von Kindern und Jugendlichen in Rödermark und unserer Region ein?

Die Städte in unserer Region sind da sehr gut aufgestellt. Wir leben in einer der prosperierendsten Regionen von Deutschland. Insofern muss einem nicht bange sein um die Zukunft der Kinder und Jugendlichen. Aber gemäß einer erst vor acht Wochen veröffentlichen Studie zur Gewalt gegen Kinder gibt es einen Anteil von weit über zehn Prozent aller Schutzbefohlenen, die dem ausgesetzt sind. Daher kann man davon ausgehen, dass auch wir hier eine nicht unerhebliche Anzahl von alarmierenden Fällen haben. Aus diesem Grund muss man etwa in Schulen ganz genau hinsehen.

Quelle: op-online.de

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