Regierungspräsidium will Lkw-Verbot aufheben

Verkehrs-Infarkt auf Ortsdurchfahrt

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Rödermark wappnet sich: Sollte das RP das Durchfahrtsverbot für Lkw aufheben, erwägt die Stadt den Gang vor Gericht.

Urberach - Urberach droht der Verkehrs-Infarkt. Das Regierungspräsidium Darmstadt möchte das Durchfahrtverbot für Lkw aufheben. Diese Idee steht offenbar in Zusammenhang mit dem Bau der Offenthaler Ortsumgehung.

Diese Straße wird spätestens ab 2014 ohnehin bis zu 1700 zusätzliche Fahrzeuge täglich durch Urberach schleusen. Und jetzt noch die Lkw. Die Stadt wird sich mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen. Das kündigen Bürgermeister Roland Kern und Erster Stadtrat Jörg Rotter an.

Die Stadt wehrt sich gegen Pläne des Regierungspräsidiums (RP), das Durchfahrtverbot für Lastkraftwagen (Lkw) über vier Tonnen innerhalb der Ortsdurchfahrt Urberach und auf der L 3097 zwischen Urberach und Messel aufzuheben. Das RP nennt für die Maßnahme keinen Zeitpunkt und keine Gründe.

Der Fachdienst Verkehr des Kreises Offenbach hatte die Stadt mit Schreiben vom 8. Oktober darüber informiert, dass das RP dies im Zuge des Neubaus der B 486 im Bereich der Ortsumgehung Offenthal für nötig befunden habe. Der Kreis möge in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit des Lkw-Durchfahrtsverbotes grundsätzlich prüfen.

Unterstützung vom Kreis

Bürgermeister Roland Kern und Erster Stadtrat Jörg Rotter haben die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger gebeten, die Position der Stadt gegenüber dem RP zu unterstützen. „Wir halten dies für notwendig, um die Summe aller im Landkreis Offenbach bestehenden Lkw-Durchfahrtverbote in ihrem Bestand zu sichern“, heißt es in einem Schreiben der Magistratsspitze an Jäger.

Kern wies auf die groteske Situation hin, dass die RP-Pläne alle bisherigen Bemühungen zunichte machen würden, den Autoverkehr auf der Ortsdurchfahrt zu entschärfen. Ad absurdum geführt würden Bürgerideen aus der zurückliegenden Leitbilddebatte: Fahrradspuren in beide Richtungen, Verengung der Straßen, zwei Kreisel, optische Tempobremsen am Dalles, Querungshilfen für Fußgänger. Diese Vorstellungen habe der Magistrat erst kürzlich „Hessen Mobil“ (früheres Amt für Straßen- und Verkehrswesen) vorgestellt.

Dort seien die Ideen begrüßt worden. Das RP hintertreibe dies nun aus unerfindlichen Gründen. Kern und Rotter führen eine Reihe von Gründen für den Fortbestand des Durchfahrtsverbotes an. So sei die Ortsdurchfahrt Urberach an der Grenze ihrer bautechnischen Belastungsfähigkeit angelangt. Spurrillen, Längsrisse, Querrisse, Absackungen rund um Kanalschächte, zerstörte Bordsteinkanten und zerstörte Rinnenplatten zeugten davon.

Verkehrsfluss nicht immer gewährleistet

Auch die Verkehrszählungen der letzten zwei Jahrzehnte deuteten darauf hin, dass zusätzlicher Lkw-Verkehr nicht zugelassen werden könne. In den letzten Jahren habe „Hessen Mobil“ an mehreren Kreuzungspunkten Ampelschaltungen optimieren müssen, um den Verkehrsfluss aufrecht zu erhalten. Trotz aller Bemühungen gebe es aber immer noch Zeiten, in denen der Verkehr in der Ortsdurchfahrt stocke und mehrere Ampelphasen benötigt würden, um eine Kreuzung passieren zu können.

Die Ortsdurchfahrt sei zudem von ihrer Fahrbahnbreite nur bedingt für einen Begegnungsverkehr Lkw-Lkw geeignet. Auf mehreren Abschnitten der Ortsdurchfahrt stocke der Verkehr schon heute sogar dann, wenn sich Lkw oder Linienbusse und Pkw begegneten.

Die Gehwege in längeren Abschnitten der L 3097 seien zwischen 40 und 60 Zentimeter breit. Lkw- und Busverkehr führe dort zu massiven Bedrohungen für Fußgänger. Auch befinden sich im Verlauf der L 3097 mehrere längere Abschnitte, in denen die Abstände zwischen den Fahrbahnen und den angrenzenden Häusern sehr schmal sind. Dies führe zu einer erheblichen Belastung der Anwohner mit Lärm, Abgasen und Erschütterungen.

Weiter geben Kern und Rotter zu bedenken: „Ein Lkw, der die L 3097 komplett durch Urberach durchfahren wollte, müsste dabei unter anderem vier Kurven mit 90-Grad-Winkel überwinden. Bereits der vorhandene Linienbusverkehr hat an diesen Punkten Probleme und verursacht Verkehrsstörungen. Für Lkw mit Anhänger wären diese Strecken besonders problematisch.“ Die Aufhebung des Durchfahrtsverbotes würde zudem viele LKW-Fahrer verleiten, die B 486 zu nutzen, um die mautpflichtigen B 45 und B 26 zu umgehen.

Das Wichtigste zum Thema Stau

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„Alleine dieser Aspekt war in vielen Kommunen in den letzten Jahren Anlass für die Anordnung von Lkw-Durchfahrtsverboten.“ Alles in allem sehen Bürgermeister und Erster Stadtrat „massive Beeinträchtigungen für die Verkehrssicherheit, eine nicht erträgliche Zunahme an Verkehr und damit eine massive Zunahme an Belastungen durch Lärm, Abgase und Erschütterungen. Die Belastungen überschreiten heute schon das Maß des Zumutbaren. Sollte das RP an seiner Haltung festhalten, will die Stadt sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen.

„Zudem würden wir dann einen regionalen Runden Tisch zur Abstimmung aller Lkw-Durchfahrtsverbote in den Bereichen der Landkreise Offenbach, Darmstadt-Dieburg, Odenwald und der Stadt Darmstadt einfordern.“ Abschließend weisen Kern und Rotter darauf hin, dass auch die Polizeistation Dietzenbach gegen die Aufhebung des Durchfahrtsverbots in Urberach Stellung bezogen habe.

(bp)

Quelle: op-online.de

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