Vernarrt in die Marke NSU

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ünf Quickly-Mopeds hat Klaus Schaaf in den vergangenen Jahren wieder aufgemöbelt und hat alten Motorgehäusen oder Klingeldeckeln zu neuem Glanz verholfen. All seine Mopeds sind fahrbereit und haben eine TÜV-Plakette, bei Ausflügen sind die Oldtimer stets ein Hingucker. Teuer sind solche Touren übrigens nicht: eine Quickly begnügt sich mit ganzen eineinhalb Litern Zweitakt-Gemisch auf 100 Kilometer.

Ober-Roden - Die Pleite eines Autohauses war schuld. 1986 begleitete Klaus Schaaf einen Mieter, der sich auf dem Hof des Händlers nach Schnäppchen umsah, und deckte prompt eine alte Leidenschaft neu: 300 Mark blätterte er für eine NSU-Quickly hin - jenen Moped-Typ, mit dem er schon als junger Mann durch die Landschaft geknattert war. Von Michael Löw

Bist Du verrückt, für diesen Schrott soviel Geld auszugeben?“ watschte seine Frau Rita ihn daheim verbal ab.

Klaus Schaaf bat um Geduld - „Warte doch erst mal, bis ich sie renoviert habe!“ - und wurde von seiner Rita belohnt: Fünf Quicklys und eine Quick stehen heute in einer Scheune in der Trinkbrunnenstraße. Und jede sieht noch exakt so aus, als wäre sie in Neckarsulm vom Band gehoben worden.

Die Neckarsulmer Näh- und Strickmaschinen-Union - so lautet der wenig geläufige Name des Kürzels NSU - baute die Quicklys von ab Mitte der fünfziger Jahre. Klingel, Pedale, Gepäckträger und eine Luftpumpe erinnern eher an ein Fahrrad, doch ein 49-Kubikzentimeter-Motor erspart dem Besitzer das Treten. 40 Stundenkilometer Spitze waren das höchste der (Tempo-)Gefühle.

Immerhin 60 Sachen schafft Schaafs 1953 gebaute Quick, die ihre Kraft aus 98 Kubikzentimetern Hubraum holt. Auf ihr umrundete der 62-Jährige vor ein paar Wochen die Nordschleife des Nürburgrings.

Etliche Pokale hat der 62-jährige Ober-Röder schon bei Oldtimer-Treffen gewonnen.

Ein halbes Jahr braucht der gelernte Bauschlosser, bis er aus dem zitierten Haufen Schrott ein Moped gemacht hat, das technisch und optisch tiptop ist. Er beginnt praktisch bei Null und entfernt mit einem Sandstrahlgebläse auch den letzten Krümel Rost am Rahmen. Ehrensache unter Oldtimer-Fans: Klaus Schaaf verwendet nur Originalersatzteile, wie sie schon vor einem halben Jahrhundert im Handel waren.

Da, sehen Sie mal. Das kann heute keiner mehr so detailgenau“, sagt er und deutet auf den Tank seiner Quick. Der ist schwarz, grau und gold lackiert und offenbart bei genauem Hinsehen tatsächlich einen kleinen Schönheitsfehler. Die goldene Linie hat ein paar Macken. Doch bevor er das kleine Kunstwerk mit moderner Technik malträtiert, kümmern ihn die Gebrauchsspuren kein bisschen.

Mitte der Fünfziger sagte der Mann noch, wo‘s lang geht. Frauen waren allenfalls schmückendes Beiwerk. Klaus Schaaf hat auch etliche nostalgische Reklameschilder gesammelt, die ein Stück Zeitgeist dokumentieren.

In der Schaaf‘schen Scheune lagern etliche Rahmen, Tanks, Spiegel, Sättel und Federbeine. Ersatzteilbeschaffung ist der schwierigste Teil seines Hobbys: „Sie kriegen nur noch was, wenn der Besitzer stirbt und die Erben kein Interesse mehr an den Quicklys haben“ So kam er auch zu zwei NSU-Fahrrädern des Baujahrs 1953, die einem Ober-Röder Ehepaar gehört hatte. Die Kinder hatten die traurigen Reste zum Bauhof gebracht, Schaaf verhalf ihnen zu neuem Glanz.
Die Quickly-Begeisterung steckt an, Klaus Schaaf schildert gleich drei Beispiele. Beim internationalen NSU-Treffen in Hamburg fragte der Mann von Schlagersängerin Vicky Leandros, viel beschäftigter Manager eines Nobellokals, ob er mal eine Runde drehen dürfe. Und wenn er beim TÜV vorfährt, „lassen die alles andere stehen und liegen“.

Am meisten freut ihn aber, dass auch Ehefrau Rita seine Quickly-Begeisterung teilt. 20 Jahre, nachdem sie den Geisteszustand ihres Mannes angezweifelt hatte, hat sie ihr Herz für die liebenswerten Knatterbüchsen entdeckt.

Quelle: op-online.de

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