Urberach

Vor der verschlossenen Tür gestanden

Der Kreis hat ein Nutzungverbot für das Gemeindezentrum verhängt.

Urberach - (lö) Gestern Morgen, kurz nach neun: Werner Viering, der Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung(KAB), stand vor der Tür des Gallusheims und kam nicht rein.

In unserer Zeitung hatte er gelesen, dass der Kreis ein Nutzungsverbot für das Gemeindezentrum verhängt hat. Daher wollte er Unterlagen für eine KAB-Sitzung abholen, aber sein Schlüssel passte nicht mehr. Pfarrer Klaus Gaebler hatte das Schloss austauschen lassen.

Werner Viering war nicht der einzige, der vergeblich zum Gallusheim gekommen war. Seine Frau Gabriele wollte die „Strickparty“ für ältere Damen vorbereiten, Heike Semdner von den Krabbelkreisen der Kirchengemeinde hätte eigentlich gestern Morgen eine Kindergruppe betreuen sollen. „Außer durch die Zeitung und Mundpropaganda wissen wir nichts“, klagte Heike Semdner über die Informationspolitik des Pfarramts.

Gerüchte über eine drohende Schließung kursierten in Urberach seit vorigen Mittwoch. Viering hatte davon gehört und den Pfarrer am Sonntag gefragt, ob die KAB ihre für gestern geplante Bezirkssitzung im Gallusheim abhalten könne. „Es wäre besser, wenn Sie die Sitzung verlegen könnten, bekam ich zur Antwort“, sagte er. Detaillierte Auskünfte vermisst er nach wie vor.

„Die Schließung wurde bewusst vorangetrieben“, warfen Oskar Rembow, von 1972 bis 1980 Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, und Werner Spamer, seit über 40 Jahren Sänger im Kirchenchor, Pfarrer Gaebler vor. Er wolle das „Identitäts-Merkmal der katholischen Urberacher“ zu Gunsten eines kleineren Gemeindezentrums auf dem Bäckerei-Gelände neben der Kirche aufgeben. Spamer befürchtet, dass der Kirchenchor zerfällt: „Wir wurden einfach vor die Tür gesetzt.“

Die „Cäcilia“-Sänger überlegen nun, ins evangelische Gemeindehaus auszuweichen. Die fünf Krabbelkreise mit insgesamt 50 Kindern treffen sich vorläufig privat. Andere Gruppen wissen nicht, wie‘s mit ihnen weitergeht.

Pfarrer Gaebler will einen Koordinierungs-Ausschuss einsetzen, um diese Frage zu klären. Den Austausch der Schlüssel rechtfertigte er gegenüber unserer Zeitung mit Gründen der Sicherheit und Haftungsfragen: Die Gemeinde müsse dem Kreis garantieren, dass wirklich niemand das Haus betritt. Bei Zuwiderhandlungen drohten „Strafen von mehreren tausend Euro“. Und als Verantwortliche für die Schließung machte er jene Urberacher Katholiken aus, die ihre Bedenken gegen die Aufgabe des Gallusheims öffentlich geäußert hatten: „Dass sich der Kreis eingeschaltet hat, liegt an den Leserbrief-Schreibern!“

Quelle: op-online.de

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