Sicherheit durch Videokameras

Den Bahnhof voll im Blick

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Egal, ob S-Bahnzüge oder den Fotografen: Drei schwenkbare Kameras auf dem Bahnsteig und sechs Fixkameras in der Unterführung haben das Gelände im Blick und sollen zwielichtige Gestalten abschrecken.

Ober-Roden - Seit knapp vier Wochen hängen Überwachungskameras am Bahnhof. Sechs Mal schon dokumentierten sie Verbrechen vom Fahrraddiebstahl bis zur Körperverletzung, einen Täter haben die elektronischen Augen zweifelsfrei identifiziert. Von Michael Löw 

Gestern wurde die Anlage, für die der Verein „Bürger für Sicherheit“ seit 2007 kämpft, freigeschaltet. Neun Kameras haben Bahnsteige, Unterführung, Parkplätze und Fahrradboxen am Endpunkt der S 1 im Blick. Schilder weisen schon seit Wochen darauf hin. Der Datenschutz sei in der Tat das größte Problem gewesen, sagten Erster Stadtrat Jörg Rotter und Rainer Willbrand, bei der Bundespolizei für 300 Bahnhöfe verantwortlich unisono. Der Hessische Datenschutzbeauftragte hatte bei der Entscheidung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Den technischen Aspekt hatte die Firma Bosch-Sicherheitssysteme, die übrigens in Jügesheim sitzt, schnell im Griff: Schwenkt eine der drei Kameras auf dem Bahnsteig in Richtung Nachbarhäuser oder private Grundstücke, wird dieser Teil des Bildes grau verpixelt. Man sieht auf dem Computer also nur einen Balken. Weit komplizierter ist das Zuständigkeitsgeflecht, das die beteiligten Behörden vorm Start entwirren mussten: Die Stadt ist für die Sicherheit des Bahnhofsumfeldes und die auch von Nicht-Bahnkunden genutzten Wege verantwortlich. Die Bundespolizei ist für den Schutz der Reisenden auf den eigentlichen Bahnanlage zuständig. Doch alle Bilder werden 72 Stunden lang auf einem städtischen Rechner gespeichert.

Mehrheit der Rödermärker für Überwachung

Ein juristischer Kunstkniff hat geholfen: Stephan Brockmann, Chef der Rödermärker Ordnungspolizei, und fünf seiner Kollegen wurden zu Hilfspolizeibeamten der Bundespolizei bestellt. Über diesen Umweg hat die Bundespolizei sofort Zugriff auf die Daten, wenn eine Straftat begangen wurde oder der Verdacht besteht. Mit dem Start der rund 39.000 Euro teuren Überwachung arbeiten die Sicherheitspartner in Rödermark also noch enger zusammen.

„Mit der Inbetriebnahme der Videoüberwachung zeigt der Magistrat, dass er der Sicherheit eine hohe Priorität beimisst und die Anliegen der Bevölkerung ernst nimmt“, betonte Bürgermeister Roland Kern. Der Magistrat sei überzeugt, dass verschiedene Maßnahmen für mehr Sicherheit am Bahnhof sorgten. Eine hundertprozentige Sicherheit werde es indes aber nie geben. Kern lobte Wolfgang Schaefer und Horst Hyland vom Verein „Bürger für Sicherheit in Rödermark“ für ihre Beharrlichkeit. Sie hatten im Jahr 2007 in einer Umfrage das Sicherheitsempfinden der Rödermärker untersucht. Ein Ergebnis der Umfrage: 84 Prozent der fast 3000 Teilnehmer befürworteten die Videoüberwachung gefährlicher Ecken; der Bahnhof Ober-Roden wurde an erster Stelle genannt. Der Start- und Endpunkt der S-Bahnlinie 1 sei nicht der schwierigste in seinem Zuständigkeitsbereich, sagte Bundespolizist Willbrand. Trotzdem sei er immer wieder Tatort von Vandalismus, Fahrraddiebstählen und anderen kleineren Straftaten. Körperverletzung und andere so genannte Rohheitsdelikte, wie sie jüngst von den Kameras beobachten wurden, sind die Ausnahme. Seine Funktion als nächtlicher Parkplatz der Züge macht ihn aber immer wieder zum Ziel von Graffiti-Attacken.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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Die neun Kameras erachtet der Magistrat als „verhältnis- und zweckmäßig“. Erster Stadtrat Rotter weist aber gleichzeitig darauf hin, dass damit nicht alle Straftaten verhindert werden könnten. Die Überwachung per Videokamera helfe bei der Aufklärung von Delikten. Mindestens ebenso wichtig ist für die Stadt die präventive Wirkung und das verbesserte Sicherheitsgefühl der Bürger.

Vertreter von Stadt, Bahn und Sicherheitsverein nehmen auch nach dem Start der Videoüberwachung sowohl Bundes- als auch Landespolizei in die Pflicht: Die Kameras dürften kein Ersatz für Kontrolle durch Polizeistreifen sein. Auch am Urberacher Bahnhof sollen Kameras für mehr Sicherheit sorgen. Bundes-, Landes- und Ordnungspolizei besichtigten noch gestern das Gelände. Bürgermeister Kern ist optimistisch, dass dieses Verfahren dann keine sieben Jahre mehr dauert: Die Bedenken des Datenschutzes seien ausgeräumt. Und weil die lange Wartezeit der Stadt rund 20.000 Euro erspart hat, ist sogar noch Geld da.

Quelle: op-online.de

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