Marco Schwarz wundert sich über „Kernkraft-Laufzeitverlängerung“

Viel Sprachwitz in Kerbspruch gepackt

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Ein Stück gute Tradition ist der Kerbspruch, vom „Kerbvadder“ (in diesem Jahr Marco Schwarz) am Gasthof „Zum Löwen“ gehalten und mit dem Stecken des Kerbstraußes abgerundet.

Ober-Roden - Wer heutzutage noch Vergnügen am fröhlichen Necken zwischen eigentlich sehr vertrauten Nachbarn hat, für den ist der September ein gefundenes Fressen.

Allerdings sind die sprachlichen Höhepunkte, die Kerbsprüche, immer geschliffener und dabei auch immer sanfter geworden. So auch am Sonntag in Ober-Roden, wo „Kerbvadder“ Marco Schwarz die launigen Texte verlas, die Daniel Fenner, Norbert Köhler und Thomas Wolf verfasst hatten. Nix Boshaftes, sondern nur liebevolles Gefrotzel wurde da dem Publikum zu Gehör gebracht, so etwa die fußballerische Begegnung zwischen Ober-Rödern und Urberachern auf Augenhöhe in der angehenden „Verbandsliga Rödermark“ oder die bedauernd angeführte Bücherzelle im Breidert und deren eingefrorenes Schloss, das immerhin als „Eis-Schloss“ zum touristischen Highlight werden könnte.

Um die Straßenbeitragssatzung ging’s in der Rede ebenso wie um die Dieselaffäre oder die Orwischer Baustellen, die einem den dortigen Kerbbesuch verleidet hatten. Immer wieder gern genommener Höhepunkt war das letztes Jahr zur Kerb schon gezapfte Abschiedsbier für Bürgermeister Roland Kern und die wundersame „Kernkraft-Laufzeitverlängerung“. Marco Schwarz blickte indes auch nach vorn: „Doch dafür ist der Jörg (Rotter) jetzt wieder fit, und nun wird doch noch ein Kerbborsch Bürgermeister von Rödermark!“

Mit Schwung gingen die vielen Zuhörer anschließend in den letzten Teil der Owweräirer Kerb, die gestern Abend mit dem traditionellen Kerbverbrennen ausklang. Die Schausteller - allen voran Peter Stein - waren sehr zufrieden. Bei dem Traumwetter vom Wochenende auch kein Wunder. Mögliche Probleme mit Nachbarn etwa beim Mini-Riesenrad waren im Vorfeld geklärt worden. Die Stadt wiederum hatte von sich aus einen Plan für weiträumige Absperrungen rund um Kirche und verschiedene Häuser gemacht, die der Betriebshof ausgeführt hatte. Somit hatte sie einigem Ärger über Wildpinkler vorweg schon den Wind aus den Segeln genommen.

Kerb 2017 in Ober-Roden: Fotos

Auch die kostenlos zu nutzenden Toiletten, die vom Kerbverein vorab pauschal bezahlt wurden, trugen zur Beruhigung des Betriebs bei. Die Polizei freute sich über den gut mit ihr Hand in Hand arbeitenden Sicherheitsdienst, der auch die nächtlichen Schließzeiten kontrollierte. Am Sonntag war gegen 21.30 Uhr ohnehin schon fast Ruhe angesagt; am Samstag half nachts eine einfache Aufforderung. Die Vereine hätten das Kerbvergnügen sicher gern etwas länger genossen, nachdem nachts die meisten der überwiegend jungen Kerbgäste noch aktiv sind, doch sie verstanden auch die Nachbarschaft.

Einzig die Verantwortlichen des FC Germania Ober-Roden waren am gestern Mittag der Meinung, dass längere Öffnungszeiten einmal im Jahr durchaus akzeptabel sein müssten. Um die Sauberkeit rund um die Zelte kümmerten sich die Vereine selbst, doch auch die städtischen Mitarbeiter sorgten morgens bereits für einen ordentlichen Anblick.

Allein von Freitag auf Samstag „gab es sehr viele Scherben“, kritisierten einige Besucher. Doch im Großen und Ganzen war die Straßenkerb einschließlich des etwas abseits gelegenen „Dinjerhofs“, der dem Kerbverein ebenso wie dem etwas älteren Klientel als Anlaufstelle diente, eine rundherum gelungene Sache. Auch die Reduzierung auf den kleinen und recht kuscheligen Marktplatz durch die weiter zur Straße gezogene Bühne erfüllte ihren Zweck und sorgte gestern noch für einen geselligen Kerbausklang. (chz)

Quelle: op-online.de

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