Försterin Gabriele Rutschmann-Becker erläuterte der Anderen Liste die spannende Arbeit im heimischen Forst

Viel zu wenige Eichen stehen im Wald

Anhand der Forstkarte zeigte Försterin Gabriele Rutschmann-Becker ihr Arbeitsgebiet in seiner Verteilung nach Baumsorten. Foto: Ziesecke

Urberach (chz) - 1071 Hektar städtischen Wald besitzt die Stadt Rödermark, zusammen mit einigen weiteren Parzellen benachbarter Forstgebiete betreut Revierförsterin Gabriele Rutschmann-Becker, „Forstamtfrau“ vom Forstamt Langen und für Rödermark zuständig, rund 1200 Hektar.

Bis zum vergangenen Frühjahr hat sie 20 Jahre im Taunus rund um Selters gelebt und gearbeitet, und Försterin konnte sie erst nach 1982 werden. Damals wurde in Nordrhein-Westfalen das für Frauen zugängliche Ingenieursstudium als Grundlage eingeführt. Davor hatten Frauen keine Möglichkeit diesen Beruf zu ergreifen.

Rund 25 Interessierte jeden Alters folgten der Försterin auf Einladung der Anderen Liste AL mit Kinderwagen und Hunden in den Wald Richtung Messel - hinterm Bienengarten und dem Pfadfindergelände, im Forst entlang der Hügelschneise durch den frühlingshaft hellgrünen Wald.

Es ist ein vergleichsweise kleines Gelände, das sie in Rödermark bewirtschaftet, obwohl es nur noch wenige private Flächen gibt. Meist sind das schmale Streifen, hauptsächlich in Waldacker, die nicht mehr bewirtschaftet werden, weil der Untergrund zu sandig ist. Dort hat sich die Fichte selbst ausgebreitet. Große Privatwald-Besitzer haben meist eigene Förster.

Auf dem Weg durch die sonnenbeschienen Wipfel erläuterte die Försterin ihre Aufgaben. Ein Zehnjahresplan, von einem Forstwissenschaftler erstellt, hat den gesamten Wald samt seinem derzeitigen Zustand und seinem Potential in vielen Einzelblättern erfasst und bescheinigt, wie viel Holz in welchem Zeitraum „gemacht“ werden darf und mehr. „Das ist unser Leitfaden, aber nicht unsere Bibel. Wir sind nur unserem Gewissen verantwortlich - manchmal müssen wir aufgrund von Klimawandel oder andern Rahmenbedingungen etwas verändern.“ Im Rödermärker Forst stehen etwa 40 Prozent Laub- und 60 Prozent Nadelgehölze und da vor allem Kiefer. 30 Prozent hält die Buche, sie übernimmt bei allen besseren Standorten den Bestand, zumal sie Schatten verträgt. Zehn Prozent wertvolle Eiche ist zu wenig – der Anteil sollte erhöht werden. Die Försterin bereitet die Waldstücke für die Bearbeitung mit Maschinen vor. Sie markiert etwa Bäume mit weißen Punkten, die sogenannten „Zukunftsbäume“, die allemal stehen bleiben. „Hier sieht zwar alles aus wie Urwald, ist es aber nicht!“ Das kam auch der Frage einer Rundgang-Teilnehmerin nahe, die sich über den sehr unaufgeräumten Zustand hiesiger Wälder wunderte. „Früher waren die Wälder aufgeräumter, weil die Menschen mit Holz heizten und jedes Stöckchen mit nach Hause nahmen. Für den Wald ist es jedoch gut, wenn nicht aufgeräumt wird, da die Nährstoffe des Restmaterials den Boden bereichern“, erläuterte die Fachfrau.

Einer der Höhepunkte des Rundgangs: eine eigenwillige Fläche im Areal 124, die mehr moderner Kunst als nachhaltiger Forstwirtschaft gleicht. Viele hundert „Tubex“-Kunststoffrohre, alle mit Stangen verstärkt, verändern eine große Fläche auffallend. Es ist ein Anzuchtplatz für die wertvolle Stieleiche, die zunächst in den Röhren wächst und damit vor Wildverbiss geschützt ist und zugleich im unteren Bereich keine Seitenäste entwickelt. Das ermöglicht Hasen und Rehwild den ungehinderten Durchgangs durchs Gelände, besser als bei einem Zaun, der regelmäßig gewartet werden müsste, während sich die Röhren nach drei bis vier Jahren selbst auflösen (sollen).

Immer im Wechsel stehen hier vier etwa zwei Jahre alte Eichensetzlinge in ihrem Einzelschutz, die etwa 20 bis 30 Zentimeter pro Jahr wachsen, und eine junge Hainbuche.

Quelle: op-online.de

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