Streit ums Trainingszentrum

Viele Stolpersteine für die Tänzer

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Ober-Roden - Ohne einen geänderten Bebauungsplan und das Einverständnis der Nachbarn gibt es kein Tanzsportzentrum mit internationaler Bedeutung. Das stellten Politiker gegenüber unserer Zeitung klar. Von Michael Löw

Kann der Tanzsportclub seine Halle ausbauen? Welche Bedingungen muss er dafür erfüllen? Kaum ein Bauvorhaben wird derzeit so hitzig diskutiert wie das 870 000-Euro-Projekt des TSC Rödermark in der Plattenhecke. Eine Protestversammlung, an der am Montagabend 35 Nachbarn teilnahmen, hat nun auch die Politik auf den Plan gerufen. Erster Stadtrat Jörg Rotter war gestern der Erste, der der Presse gegenüber Bedenken äußerte.

Er will der Stadt in diesem Teil von Ober-Roden alle Entwicklungsmöglichkeiten offen halten, sagte er. Das Grundstück, das noch dem Kreis gehört, ist seiner Ansicht nach ein idealer Standort für einen weiteren Minikindergarten: „Die Kitas im Breidert platzen aus allen Nähten.“ Die wohnortnahe Betreuung von Kindern unter drei Jahren genießt für den Ersten Stadtrat Vorrang vor den Interessen des 300 Mitglieder großen Tanzsportvereins.

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Die Pläne des TSC - Erweiterung der Hallenfläche von 350 auf 950 Quadratmeter, Ausdehnung des sportlichen und kulturellen Angebots weit über Rödermark hinaus, nahezu professionelle Trainingsbedingungen - sind nach Ansicht Rotters „insgesamt löblich, aber nicht mehr verträglich für einen Standort im Wohngebiet“.

Das hatten auch die Anwohner (überwiegend aus Lilien- und Geranienstraße, aus dem Veilchenweg und der Straße An der Plattenhecke) kritisiert; rund 70 Menschen unterschrieben einen Brief gegen das ihrer Ansicht nach überdimensionierte Projekt. Ihre Befürchtung: Eine größere Halle vergrößert die ohnehin bestehenden Probleme. Günther Bügler und Johann Feith, die Initiatoren des Protestes, sowie andere Nachbarn beklagen schon seit Jahren Lärm und Falschparker. Immer wieder hatten sie Polizei oder Ordnungsamt eingeschaltet.

Landrat Oliver Quilling, der seit einigen Wochen auch Kreisbaudezernent ist, nahm gegenüber unserer Zeitung zu den Plänen des TSC und den Einwänden der Nachbarn Stellung. Die Konflikte, von denen bei der Projektpräsentation am 25. Juli keine Rede waren, seien ihm erst jetzt bewusst geworden. Ein Bauantrag des Tanzsportclubs könne aber nur genehmigt worden, wenn die Parksituation und der Schallschutz zweifelsfrei geklärt werden.

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Landrat Quilling will den Kreisgremien vorschlagen, das für den Ausbau vorgesehene Grundstück zwischen alter TSC-Halle und Breidert-Grundschule an die Stadt zurück zu geben. Der Kreis sieht keinen Bedarf mehr für die einst notwendige Schulerweiterung im Breidert. Was die Stadt dann mit dem Gelände macht, ist Sache des Magistrats. Quilling: „Wenn wir es zurück übertragen, steht es der Stadt zur freien Verfügung!“

Gestern Nachmittag schaltete sich auch Bürgermeister Roland Kern in die Diskussion ein. „Es bleibt dabei, dass die Stadt den TSC unterstützen will. Mögliche eigene Nutzungsabsichten, für die es bislang noch keine konkreten Planungen gibt, schließen eine Nutzung durch den TSC nicht grundsätzlich aus“, schrieb er in einer E-Mail an die TSC-Vorsitzende Cornelia Straub. Kern stellte aber auch klar, dass für die Hallenvergrößerung der Bebauungsplan geändert werden muss. Das ist Sache des Stadtparlaments. Ein einfacher Bauantrag beim Kreis reicht nicht aus.

Grundsätzlich, so Kern, ist in einem allgemeinen Wohngebiet wie dem Breidert Sportbetrieb zulässig. Der Paragraf 15 der Baunutzungsverordnung („Allgemeines Gebot der Rücksichtnahme“) verlange aber, dass der Bauherr Einvernehmen mit den Nachbarn herstelle. Doch das ist noch lange nicht in Sicht. TSC-Chefin Straub sieht die ehrgeizigen Baupläne durch die Mail des Bürgermeisters gesichert. Näher wollte sie die aktuelle Diskussion aber nicht kommentieren, der Vorstand habe kein Alternativkonzept in der Schublade: „Wir sind in der Plattenhecke seit vielen, vielen Jahren zu Hause!“

Quelle: op-online.de

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