Landesehrenbrief würdigt das Wirken von Peter Müller

Rödermark: Vielfältig engagierter Macher

Corona hat sogar das öffentliche Lob verdienter Bürger gestoppt. Für Landrat Oliver Quilling war die Ehrenbriefverleihung an Peter Müller die erste seit März.
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Rödermark: Corona hat sogar das öffentliche Lob verdienter Bürger gestoppt. Für Landrat Oliver Quilling war die Ehrenbriefverleihung an Peter Müller die erste seit März.

Er ist ein Mann der wenigen, dann aber klaren Worte. Und einer, der um sein vielfältiges Engagement jahrzehntelang kein Aufhebens machte. Doch als eine schwere Krankheit 2018 seine Lebensplanung aus dem Tritt brachte, setzte ein Sinneswandel ein. Am Montagabend freute sich Peter Müller aus ganzem Herzen über den Landesehrenbrief.

Rödermark - Wo fängt man bei einem Tausendsassa wie Peter Müller mit der Laudatio an? Bürgermeister Jörg Rotter begann überraschend mit der Politik: Ohne je ein politisches Amt innegehabt zu haben, habe Müller indirekt immer Einfluss ausgeübt. Der Hinweis auf seinen Patenonkel, Ehrenbürgermeister Alfons Maurer, war noch mit einem Schmunzeln versehen. Gewicht bekamen die Worte des in Ober-Roden geborenen Urberachers durch seine Tätigkeit im Gewerbeverein Rödermark. 15 Jahre lang, von 1993 bis 2008, führte er dessen Geschäfte.

Peter Müller war einer der treibenden Kräfte der Urberacher Handels-, Industrie- und Gewerbeausstellung (Uhiga), die bis 2009 ein Schaufenster der lokalen Wirtschaft war. Dass die Uhiga-Tradition mit seinem Ausscheiden als Gewerbevereinsgeschäftsführer endete, war kein Zufall. Ein neuer Vorstand hatte andere Pläne.

Ein zweites Beispiel Müller"scher Öffentlichkeitsarbeit für die Rödermärker Wirtschaft waren die Neujahrsempfänge in der Kulturhalle, die zuerst vom Gewerbeverein allein und dann mit der Stadt organisiert wurden. Nach einem Vortrag namhafter Referenten kamen Unternehmer, Handwerker und Einzelhändler mit Politik, Vereinen, Kirchen und Bürgern ins Gespräch. Diese zwanglose Möglichkeit, hochkarätige Kontakte zu knüpfen, vermisse er schmerzlich, bedauerte Rotter.

An Landrat Oliver Quilling war"s dann, den Sportler und Karnevalisten Peter Müller zu würdigen. Seine Handballkarriere begann 1965 als Spieler der Turngemeinde Ober-Roden. Danach trainierte er rund 20 Jahre die erste Herrenmannschaft des BSC Urberach.

Von 1986 bis 2018 tanzte Peter Müller 33 Fastnachtskampagnen in der Prinzlichen Hofgarde der TGO, 1998 stieg er zum Major auf. Die tanzenden Ex-Prinzen waren nie eine tapsige Männertruppe. Müller legte stets Wert auf eine akkurate Choreografie und auf detailgetreue Uniformen. Die ließen sich die Hofgardisten weit über 1 000 Euro kosten - pro Nase.

Zehn Jahre Vorsteher des Urberacher Ortsgerichts und 20 Jahre Macher der „Orwischer Woigass“ vervollständigten die Laudatio des Landrates: „Ohne dieses Engagement wäre gesellschaftliches Leben nicht möglich.“ Quilling war stolz, dass es im Kreis viele Menschen wie Peter Müller gibt. Rund ein Drittel der 350 000 Einwohner sind in Sport- und Kulturvereinen, in Feuerwehr und Rettungsdienst, im Naturschutz oder sozialen Bereich aktiv.

„Ehrungen brauche ich nicht!“ So lautete Peter Müllers scheinbar unumstößliche Maxime. Dann aber kam das Jahr 2018, in dem er wegen einer schweren Krankheit „alles aufgeben musste“, wie er in seiner kurzen Dankesrede sagte.

Der Arzt hatte zunächst Hautkrebs diagnostiziert. Doch trotz einer Chemotherapie wurde die Krankheit nie vollständig auskuriert. Zwischenzeitlich konnte der heute 73-Jährige vor lauter Metastasen kaum noch laufen. Diese Phase hat Peter Müller überwunden, doch den Krebs sieht man ihm an.

Deshalb war es für Bürgermeister Rotter ein Herzensanliegen, Peter Müllers Freundschaft mit dem bekannten Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte und den „festen Glauben, der ihn durch die Krankheit trägt“ zu betonen. (Michael Löw)

Rödermark: Nach der Verleihung des Landesehrenbriefs stieß Peter Müller in der Kelterscheune mit seinen Gästen – Stadtverordnetenvorsteher Sven Sulzmann, seiner Frau Brigitte, Landrat Oliver Quilling und Bürgermeister Jörg Rotter (von rechts) – an. Es war der einzige Moment der Feierstunde, in der die Masken unten bleiben durften.

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