Überfall auf Wettbüro

Sechs Jahre Haft für Doppel-Raub

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Ober-Roden/Darmstadt - Das Landgericht Darmstadt hat einen 24-Jährigen Eppertshäuser zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Zusammen mit drei Komplizen hatte vor gut einem Jahr ein Wettbüro in Ober-Roden überfallen - zweimal innerhalb von zwei Stunden.

Der langwierige Prozess um zwei Überfälle auf ein Ober-Röder Wettbüro ist zu Ende. Richter Jens Aßling verurteilte vier junge Männer wegen schwerer räuberischer Erpressung zu mehrjährigen Haft- beziehungsweise Jugendstrafen. Die härteste Sanktion kassiert derjenige, dem „nur“ Beihilfe zur zweiten Tat, einer schweren räuberischen Erpressung, zur Last gelegt wird: Der 24-Jährige aus Eppertshausen hat elf Jugend-Vorstrafen, stand beim Überfall am 2. Februar 2013 unter laufender Bewährung und bestreitet auch noch die Tat. Bei ihm greift nun - als einzigem der vier Täter - das Erwachsenenstrafrecht, von dem Aßling auch ausgiebig Gebrauch macht: Er schickt den Eppertshäuser für sechs Jahre hinter Gitter.

Seine Komplizen, ein 18-jähriger und ein 20-jähriger Rödermärker sowie ein 19-jähriger Rodgauer kommen mit Jugendstrafen zwischen zweieinhalb und dreieinviertel Jahren davon. Sie geben zumindest die zweite Tat zu, und einzig der Rodgauer hat zwei Vorstrafen im Bundeszentralregister stehen. Was ist an diesem Abend passiert? Um 22.45 Uhr betreten zwei Maskierte - mutmaßlich der ältere Rödermärker und der Rodgauer - besagtes Wettbüro, das bis auf einen Mitarbeiter leer ist. Mit vorgehaltener Pistole erzwingt einer der beiden den Mann hinter dem Tresen, Kasse und Geldtasche zu leeren, rund 800 Euro wechseln den Besitzer, dann fliehen die beiden. Die Video-Aufnahmen zeigen, dass gerade einmal 18 Sekunden vergangen sind. Der 18-jährige Rödermärker soll vor dem Eingang Schmiere gestanden haben.

Lottoschein und 20 Euro als Beute

Enttäuscht über die geringen „Einnahmen“ - der 18-Jährige hatte zuvor angeblich 8000 Euro ausspioniert - versuchen sie zwei Stunden später an gleicher Stelle erneut ihr Glück. Diesmal mit Verstärkung in Form des älteren „erfahrenen“ Eppertshauseners. Alle vier warten in einem geliehenen Pkw vor dem Wettbüro, bis der Kassierer heraus kommt. Als sich dieser dann mit einem Begleiter in sein Auto setzt, soll der maskierte Rodgauer auf dem Rücksitz demonstrativ die Pistole durchgeladen und dem Kassierer an den Hinterkopf gehalten haben. Die Beute diesmal: 20 Euro und ein Lottoschein.

Sowohl Staatsanwalt Andreas Grund als auch der Richter halten es für absolut unwahrscheinlich, dass zwei verschiedene Tätergruppen innerhalb von zwei Stunden das gleiche Wettbüro überfallen, die Gesamtumstände sprächen ohne Zweifel für die Schuld der Angeklagten. Über eine Stunde dauern denn auch die Plädoyers der vier Verteidiger, wobei Kai Guthke für den 18-jährigen Rödermärker die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Der Rechtsanwalt ist überzeugt: „Mein Mandant war beim Verhör bereits 30 Stunden wach, wurde vom Vater und den Beamten bearbeitet. Weil er naiv ist, hat er schließlich gesagt: Ich war‘s!“ Am nächsten Tag habe er dieses Geständnis widerrufen, allerdings nicht bei der Polizei.

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Für alle Beteiligten entlastend erkennen Guthke und seine Kollegen folgende Aspekte: Die Video-Aufnahmen zeigten eindeutig, dass der Wettbüro-Mitarbeiter vor dem Überfall wie in Erwartungshaltung immer wieder Richtung Tür geschaut und während der Tat extrem cool gewesen sei - so, als habe er mit dem Überfall gerechnet. Danach habe er nicht die Polizei gerufen, sondern lediglich die Tür abgeschlossen. Nicht stichhaltig erscheint den Anwälten auch die Rückkehr zum Tatort für die zweite räuberische Erpressung, von dem sie doch annehmen mussten, dass vielleicht noch Polizei vor Ort war. Außerdem kannten die Angeklagten das Ober-Röder Wettbüro gut, wussten über die Gelddepots bestens Bescheid. Warum hätten sie also diesmal noch mehr Beute erwarten sollen?

(gel)

Quelle: op-online.de

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