Vier Tage Kerb in Ober-Roden

Im Riesenrad auf Kerbbaum-Höhe

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Spätsommerliches Vergnügen in und um den Dinjerhof: Kerbtheater, Mundartprogramm und das traditionelle Kerbausgraben begeisterte am Freitag Hunderte von Zuschauern.

Ober-Roden - Die Tradition hat Ober-Roden wieder einmal fest im Griff: Kerb wird hier gefeiert wie früher, mit vielen seit Jahren immer wieder ausgegrabenen kleinen Höhepunkten, die liebevoll zelebriert werden. Von Christine Ziesecke

Für die Brauchtumspflege sorgt vor allem der Kerbverein, doch auch die Vereine wie etwa TG und Germania, Musikverein Viktoria 06, die Kolpingsfamilie oder das Après-Ski-Komitee oder auch die Stadt und natürlich die Schausteller, die der Kerbmeile erst das richtige Flair verpassen. Wenn dann noch das Wetter so genial mitspielt, ist in Ober-Roden so einiges los unterm Kerbbaum.

Unermüdlich kreist auch wieder das nachgebaute alte Dampf-Riesenrad am Marktplatz und zieht die Blicke auf sich. Die gemütliche Fahrt ermöglicht aus den recht schaukelnden Gondeln heraus einen vergnüglichen Blick hoch über den Marktplatz hinweg und findet regen Zuspruch, ähnlich wie das Kinderkarussell und allabendlich der Autoscooter. Viel Spaß hatten die Jüngsten mal wieder beim Kaspertheater, das von der Bühne herab den Nachwuchs zum begeisterten Schreien und Klatschen brachte.

Er ist sicher nicht gerade Rödermarks größter Kerbbaum, dafür aber stand er ruckzuck und unter lautem Beifall kerzengerade und sicher an seinem Platz, wo er auch heute noch von der Ober-Röder Kerb kündet.

Auch in den Zelten der Germania und der TG Ober-Roden wird’s erst abends richtig voll, wenn Musik ins Zelt oder vor die kleine Bühne lockt. Am Grill der TG stehen frühere Fastnachtsprinzessinnen zuhauf und sorgen für ihre hungrigen Kunden. Am benachbarten Bauwagen der Après-Ski-Kommission geht’s drinnen und draußen feuchtfröhlich zu. Die Kerbburschen – 14 Stück an der Zahl, in Ober-Roden gibt’s da keine Nachwuchssorgen – haben ihr Domizil im Dinjerhof, wo am Freitag Abend auch buchstäblich nichts mehr ging: Die Kerberöffnung mit dem Heimat- und Geschichtsverein und seinem Dialektprogramm von Reinhard Berker, Wolfgang Christ und Wolfgang Seitz bis zu Norbert Köhler, solo und im Duett mit Peter Knapp trieb mehrere hundert Zuhörer in den Dinjerhof und in die Pfarrgasse. Dort genossen sie teilweise quietschend vor Vergnügen den dritten Akt des wieder aufgelebten Kerbtheaters „Sou nit!“ und anschließend die Ausgrabung der Kerb. Dem Sarg entstieg die nach dem Jubiläumsfest gerade erst zur Ruhe gebettete Kerbpuppe Klausi und lauschte ebenso wie die Zuhörer die selbst getexteten Gelöbnisse der Kerbburschen.

Der Samstag führte die Tradition fort. Ein neuer „Quetschebaam“ vergrößert den Kerbwald hinter der TG: gepflanzt für den jüngsten Nachwuchs im Kerbverein, den gerade mal vier Wochen jungen Bennett, mit dem es sein Vater Markus Wehner wohl in die ewige Bestenliste schaffen wird: Er ist das erste Kerbvereinsmitglied, das hier vier Bäume für seine Kinder Tim, Maja, Linus und Bennett gepflanzt hat oder besser pflanzen ließ. Die Großeltern stifteten dazu eine zweite Bank, damit man nun in geselliger Runde den stetig wachsenden Kerbwald genießen kann.

Mit Schwung und wirklich ruckzuck stand der gut zehn Meter kleine, aber fröhlich bunt über der Marktplatz wehende Kerbbaum bald schon kerzengerade da: „Da wir ihn am Montag schon wieder abbauen müssen: bedient euch!“ forderte Moderator Dominik Raquet die Nachbarn im Westen heraus. Auch der Freibier-Anstich blieb nicht unkommentiert, schließlich wurde bereits im letzten Jahr (damals gegen jegliche politische Vorhersehung) das vermeintlich letzte Kerbfass von Roland Kern als Bürgermeister angestochen. Doch siehe da: In diesem Jahr tat er’s wieder, zügig und mit Erfolg.

Kerb 2017 in Ober-Roden: Fotos

Im traditionellen Kerbgottesdienst bei Pfarrer Elmar Jung in St. Nazarius wurde es noch einmal etwas ruhiger, ehe Kerbburschen und Gemeinde ins Kerbgeschehen abtauchten. Livemusik gab’s auf dem Marktplatz, im Germania-Zelt und überall dazwischen, dazu Biergartenatmosphäre rund um den Dinjerhof. Viele Grundstückseingänge waren mit Gittern abgesperrt, um übermütigen oder flegelhaften Kerbbesuchern Anstand und Abstand zu erleichtern. Die Schichten der Security-Mitarbeiter sind zudem von zwei auf drei erhöht worden; sechs Sicherheitskräfte versuchen ihre wachsamen Augen überall zu haben.

Mit dem Kerbfrühschoppen am späten Vormittag und dem Kerbbeerdigen heute Abend geht die Ober-Röder Kerb schon wieder zu Ende.

Quelle: op-online.de

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