Naturschutz mit Axt und Säge

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Gerne erinnern sich Lieselotte und Heinz Krikser an die Anfänge der NABU-Zeit in Rödermark - viele Dutzend Ordner in ihrem Arbeitszimmer dokumentieren die gesamte Geschichte des hiesigen Landschafts- und Naturschutzes. 

Waldacker - Rustikal geht es zu, sobald der NABU die Heide pflegt. Um artfremde Gehölze zu entfernen, kommen Axt und Säge zum Einsatz. Am Samstag ist es wieder soweit.

„Mit Äxten der Natur geholfen“ betitelte unsere Zeitung am 9. September 1992 einen Beitrag über eine eher ungewöhnliche Aktion: Mitglieder des Naturschutzbundes Rödermark zogen mit Motorsäge und Axt gegen Kiefern und anderes Gewächs in den Kampf „und holzten ab, dass die Fetzen flogen.“ Es ging damals um die Wiederherstellung der Heidefläche auf dem mageren Sandboden östlich von Waldacker. Genau darum geht es auch am kommenden Samstag, 15. November, wieder.

„Wir arbeiten mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises und mit der Stadt zusammen“, erläuterte damals Vorstandsmitglied Heinz Krikser. Und das Gleiche gilt auch heute noch, wenn nun wieder all das aus der Heidelandschaft entfernt werden soll, das da nicht hingehört. Zum „Aktionstag Heidepflege“ lädt der NABU-Vorsitzende Dr. Rüdiger Werner alle Interessierten ein. Die mit Heidekraut bewachsenen Stellen weiten sich aus und lassen das rund drei Hektar große Gebiet im Spätsommer rosa-violett erstrahlen. Auch das seltene Bergsandglöckchen, die Heidenelke und die geschützte Sandstrohblume kommen dort noch vor.

Vor allem Eichen- und Ginsterschösslingen, der Amerikanische Traubenkirsche und den Brombeeren sollen Einhalt geboten werden. Um 10 Uhr geht’s am Parkplatz am Eulerweg beim Club der Hundefeunde los; zum Abschluss lädt der NABU alle Beteiligten dann noch zu einem kleinen Imbiss ein. Mit Spaten und bloßen Händen gilt es, die diversen nicht willkommenen Fremdgewächse mitsamt Wurzeln aus der Fläche zu entfernen. Mit dabei wird dann auch wieder Heinz Krikser (79) sein. Gemeinsam mit seiner Frau Lieselotte (76), die aus Mömlingen stammt und die er über die beiden wander- und naturfreundebegeisterten Väter kennen lernte, ist er längst Naturschutz-Urgestein in Rödermark.

Zum Naturschutz kamen die Kriksers in den 70er Jahren, und auch die drei eigenen Kinder waren rasch angesteckt, leiteten Kinder- und Jugendgruppen beim NABU und manches mehr. Wandern ging bei Lieselotte Krikser schon immer mit Musizieren und vor allem mit Mandolinenspiel einher. Ihr Mann wiederum kam über seinen Schulfreund Werner Weber rasch zum Vogelschutz, wozu später auch die Amphibien kamen, die er jahrelang buchstäblich „über die Straße rettete“. Die Heide in Waldacker war eines seiner Lieblingskinder. Schon früh suchten sie Schafe zum naturnahen Beweiden des Geländes, doch erst jetzt klappt das gut und regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem „Rodgau-Schäfer“. Gemeinsam bauten die Kriksers die Wandergruppe auf. Für das alles wurde das Ehepaar schon 1995 mit einer Urkunde geehrt. 2014 erhielt Heinz Krikser für seine mehr als 40-jährige aktive ehrenamtliche Arbeit, weitgehend im Vorstand, die Ehrenurkunde der Stadt.

„Wir laufen heute noch regelmäßig. Zwei-, dreimal in der Woche sind wir etwa fünf Kilometer unterwegs, dazu kommen Volkswandertage. Früher sind wir da 20 Kilometer gelaufen, heute machen wir nur noch zehn Kilometer“, entschuldigt sich der 79-Jährige fast.

(chz)

Quelle: op-online.de

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