Wandel im Ober-Röder Handel nimmt Fahrt auf

Aufbruch- und Ausverkaufsstimmung

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Adi Akinwale und Julia Rink sowie Hausherr Norbert Rink haben große Pläne für die einstigen Weber Wohnideen. Auf drei Etagen und 1 000 Quadratmetern Fläche entsteht am Bahnübergang ein Gesundheits- und Sportzentrum.

Ober-Roden - Im Ortskern tut sich was - sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht. Im früheren Einrichtungshaus Weber herrscht Aufbruch-, anderswo Ausverkaufsstimmung. Und auch die Stadt vergrößert ihre „Geschäftsräume“. Von Michael Löw 

Kaum ein Spruch ist so abgedroschen, aber auch so zutreffend wie der vom Handel, der sich im ständigen Wandel befindet. Im Alt-Ort von Ober-Roden trifft das Ladensterben nicht nur Geschäfte, in denen der Inhaber an der Kasse steht, sondern auch Filialisten. Der Textildiscounter NKD am Marktplatz macht dicht, rote Schilder im Schaufenster künden vom Ausverkauf.

Der italienische Supermarkt ein paar Meter weiter Richtung Kirche ist schon lange verwaist. Hausbesitzer Karl-Heinz Schrod hat dem Leerstand wenigstens eine gute Seite abgewonnen und stellt im Laden seine Mercedes-Oldtimer aus. Immer noch besser als Bilder oder Skulpturen, die anderswo Leben in toten Geschäften vorgaukeln. Die Liste der Leerstände ließe sich ebenso fortsetzen wie die der Billigläden.

Traditionsbäcker Köhler findet Nachfolger

Diesem Trend hat Bäckermeister Heinz Köhler widerstanden. Er hat sein Geschäft am Marktplatz nicht an den gefühlt siebten Backshop vermietet, sondern im Handwerk einen Nachfolger gesucht. Und mit dem Bäcker- und Konditormeister Heinz Lautenschläger aus Babenhausen einen Wunschkandidaten gefunden. „Da hat sich jemand Sorgen um seinen Ortskern gemacht“, lobt Erster Stadtrat Jörg Rotter den Wechsel. Der neue Inhaber habe das Selbstvertrauen, sich an der Ober-Röder Ortsdurchfahrt zu behaupten. Die wird im Volksmund nämlich schon eine Weile als „Bakerstreet“ belächelt.

Auch die Stadt hat einen leeren Laden zu vermieten: die frühere Drogerie im Rathaus. Er habe Anfragen für eine Tapas-Bar und andere Lokale bekommen, berichtete der für die kommunale Gebäudewirtschaft verantwortliche Erste Stadtrat. Doch Gastronomie hätte einen aufwendigen und Umbau des Erdgeschosses erforderlich gemacht.

Rotter wollte dieses Risiko nicht eingehen und setzt auf eine hausinterne Lösung. Das Café „Süße Ecke“ bekommt ein paar Quadratmeter der Ex-Parfümerie, um seine Küche zu vergrößern. Den Rest will Rotter nutzen, damit das Ober-Röder Rathaus einen Empfang bekommt, der seinen Namen verdient. „Wir haben jetzt eine Chance, das Gewurschtel zu beenden“, umschreibt er freundlich die weder Mitarbeiterinnen noch Besuchern zumutbaren Bedingungen im derzeitigen Foyer. Dort ist nicht mal Platz, um einen Antrag auszufüllen. Von den Möglichkeiten einer digitalisierten Verwaltung ganz zu schweigen.

Die größte Veränderung geschieht an der Bahnschranke. Julia Rink und ihr Lebensgefährte Adi Akinwale bauen das 2016 geschlossene Einrichtungshaus Weber zum „GuFiE“ um. In diesem Buchstabenmix stecken die Worte Gesundheit, Fitness und Erlebnis, mit denen Julia Rink und Adi Akinwale das Konzept eines „Sportstudios ohne typischen Maschinenpark“ erklären.

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Auf drei Etagen und 1000 Quadratmeter wollen sie funktionales Training für alle Altersgruppen anbieten. Das beginnt nicht erst beim Kleinkindersport. Rink und Akinwale planen auch Schwangerengymnastik zusammen mit einer Hebamme. Seniorensport im Sitzen ist das andere Ende des Leistungsspektrums. Die Philosophie dahinter: Die Leute können ein ganzes Leben lang bei „GuFiE“ trainieren.

Hausherr Norbert Rink investiert rund eine halbe Million Euro in den Umbau. Für ihn ist das Projekt auch ein Stück lokale Wirtschaftsförderung: „Wir vergeben alle Aufträge an Rödermärker Handwerker.“ Das einstige Möbelhaus bekommt Umkleiden, einen sportgerechten Sanitärtrakt und drei Kursräume. 15 Parkplätze gibt"s rund ums Haus. Jeweils 20 mietet Rink in der Tiefgarage der Kulturhalle und oberirdisch an.

Ende Januar wollen Julia Rink und Adi Akinwale mit dem vollen Sportprogramm an den Start gehen. Noch dieses Jahr, so ihr Zeitplan, soll der Umbau abgeschlossen sein. Dann bleibt ein Monat für Organisation und Probelauf.

Quelle: op-online.de

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