Wechsel darf nicht zur Beliebigkeit werden

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Rainer Stephan

Ober-Roden (lö) ‐ Auch wenn die kirchenbürokratischen Hürden niedrig sind: Der Übertritt von einer Kirche zur anderen darf nicht zum beliebig wiederholbaren Wechselspiel werden. So lautet eine Kernaussage von Rainer Stephan, dem Leiter der Gemeindekatechese in der Diözese Mainz. Wir sprachen mit ihm über Konversion.

Die Uni Greifswald hat festgestellt, dass persönliche Begegnungen mit Christen bisher kirchenferne Erwachsene häufiger zum Glauben führen als Lebenskrisen oder andere einschneidende Erfahrungen. Trifft dies auch für den Wechsel zwischen Konfessionen, zu?

Ein Konfessionswechsel erfolgt in der Regel nach reiflicher Überlegung. Meistens sind familiäre Umstände und Freundschaften ausschlaggebend. Der neue Freund oder die Ehepartnerin sind engagierte katholische Christen, so dass ein intensiveres Kennen lernen der anderen Konfession möglich wird. Persönliche Begegnungen mit Menschen sind tatsächlich ein entscheidender Grund für den Wunsch nach einer Konversion.

Was sind die Motive?

Bei konfessionsverschiedenen Ehepaaren oftmals der Wunsch nach einer gemeinsam geteilten religiösen Überzeugung. Ein weiteres Motiv sind die Kinder. Wenn sie in einem Alter sind, in dem sie ihren Eltern verstärkt auch religiöse Fragen stellen, kann die unterschiedliche konfessionelle Zugehörigkeit der Eltern Fragen aufwerfen, die dann Anlass sein können, die bisherige Kirchenzugehörigkeit neu zu überdenken.

Wie viele Menschen entschließen sich jedes Jahr im Bistum Mainz dazu?

Über das Jahr verteilt sind es immer um die 200 evangelische Christen.

Welche Bedingungen müssen diese Menschen erfüllen?

Ausgangspunkt ist sicher die ganz bewusste Entscheidung, als katholischer Christ zu leben. Je nachdem, wie vertraut jemand mit dem Glauben und dem Leben der katholischen Kirche ist, braucht es eine längere oder kürzere Zeit der Vorbereitung. Sie ist geprägt von einer grundlegenden Einführung in den Glauben und die Praxis der katholischen Kirche.

Gas-, Strom- und Telefon anbieter wechselt man heute in beängstigendem Tempo. Sehen Sie diese Gefahr auch beim Wechsel der Konfession?

Nein, überhaupt nicht. Hier geht es in keinster Weise um eine Kosten -oder Nutzenrechnung. Ausschlaggebend sind persönliche Motive und der Wunsch, sich dauerhaft neu zu binden.

Konversion und Ökumene - verträgt sich das?

Die katholische wie auch die evangelische Kirche investieren viel in ein gutes ökumenisches Miteinander. Diesen Weg gilt es von beiden Seiten beständig weiter zu gehen. Ausschlaggebend für eine Konversion sind immer ganz persönliche Motive. So gesehen wird es den Wechsel von Konfessionen immer geben.

Quelle: op-online.de

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