Wege ins Berufsleben finden

Rödermark (lö) ‐ Der 37-jährige Soziologe Tzehaie Semere ist Rödermarks erster Berufswegebegleiter, der leistungsschwache oder sozial benachteiligte Jugendliche auf ihrem Weg zum Förder- oder Hauptschulabschluss, in die Ausbildung oder ins Arbeitsleben unterstützt.

Seine Zielgruppe: sowohl die Abgänger dieses als auch die des nächsten Sommers an der Helene-Lange- und der Nell-Breuning-Schule.

Semeres Stelle wird zu 49 Prozent von der Arbeitsagentur und zu 30 Prozent vom Kreis Offenbach finanziert. Den Rest teilen sich die Stadt und die beiden Schulen. Deren Leiter Heike Huck und Jochen Zeller berichteten gestern zusammen mit Tzehaie Semere und Bürgermeister Roland Kern über erste Erfahrungen des im November begonnenen und zunächst bis Ende 2012 befristeten Projekts. Besonders junge Menschen mit Migrationshintergrund sollen davon profitieren.

Der Berufswegebegleiter betreute seither 48 Jugendliche und hat schnell bemerkt, dass viele von ihnen den Weg zur Arbeitsagentur scheuen und lieber in vertrauter Umgebung beraten werden wollen. Oft würden sie auch einfach vor der Masse des Informationsmaterials kapitulieren. Grundsätzlich stellt Semere einen Förderplan auf, damit diese Schüler den Anschluss finden. Mädchen macht er darauf aufmerksam, dass es weit mehr Ausbildungsberufe als die Klassiker Einzelhandels- oder Bürokauffrau, Friseurin, Verkäuferin oder Arzthelferin gibt.

Viele Jugendliche brechen Lehre ab

Semeres Klientel ist ein schwieriges: schlechte Noten, null bis wenig Bock auf Schule, Fehlstunden zu Hauf, geringe Sozialkompetenz. Offen und vertrauensvoll muss er ihre Möglichkeiten mit den Erfordernissen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes vergleichen.

„Berufswegebegleitung ist wichtig und sinnbringend, weil unsere Schüler viele Schwächen haben“, sagt Förderschul-Chefin Heike Huck. Semere habe ihre Stärken - zum Beispiel im handwerklichen Bereich - herausgearbeitet und alle Jugendlichen der Abgangsklassen in ein Praktikum vermittelt.

Zeller schätzt, dass pro Jahr etwa 40 Jugendliche aus dem Hauptschulzweig Semeres Unterstützung brauchen. Die meisten gehen weiter an die Schule oder absolvieren ein Berufsvorbereitungsjahr. Etwa ein Drittel beginnt eine Lehre. Aber die brechen viele Jugendliche ab, erfährt Zeller immer wieder in Gesprächen mit Handwerkersmeistern oder anderen Ausbildern. Die beklagen, dass die jungen Leute oft zu wenig Ausdauer besäßen und Rückschläge nicht verkraften könnten. Und, ganz bitter: Viele hätten keine Vorstellung, was angestellte Arbeit mit all ihren Pflichten bedeutet.

Semere weiß, dass er dicke Bretter bohren muss. Er tut‘s mit gemeinsam Lehrern, Schulsozialarbeitern, dem städtischen Fachbereich Jugend, der Berufsberatung der Arbeitsagentur, Firmen und Bildungsträgern. In der Helene-Lange-Schule hat er freitags von 8 bis 13 Uhr Sprechstunde, in der Nell-Breuning-Schule an den übrigen Wochentag ab 8 Uhr. Beratungsgespräche mit Jugendlichen und Eltern finden nach Vereinbarung statt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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