Weiden weichen Vögeln

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Dr. Joachim Wink, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU) in Rödermark, ist für die gröberen Arbeiten zuständig: Er besitzt eine Motorsäge samt passender Schutzausrüstung.

Waldacker (chz) - Schwitzen für den Naturschutz am Berngrundsee: Bei strahlendem Sonnenschein kämpften sich Helfer des NABU durch das Weidendickicht am Nordufer.

In der ehemaligen Sandgrube, die die Rödermärker Ortsgruppe vor einigen Jahren gepachtet hat, ist der Verein seit 1985 bestrebt, eine Steilwand für Uferschwalben anzulegen. Die seltenen Vögel hatten dort schon einmal kurzfristig gebrütet, waren dann aber wieder abgeschwirrt.

In den vergangenen Jahren hat der NABU gemeinsam mit der Nell-Breuning-Schule das Gelände nun so weit abgeschirmt, dass die Natur sich erholen konnte - eine unabdingbare Voraussetzung für systematische Naturschutzarbeit. Mehrere große Weiden waren schon 2011 gefällt worden, um Platz für eine stabile Uferschwalbenwand zu schaffen.

In zwei Wochen müssen die Bäume weg sein

Um langfristig Erfolg zu haben, muss vor allem der Anflug frei sein, weshalb das Weidendickicht auf eine Länge von rund zehn Metern abgeholzt werden muss – „das ist etwa die Länge einer typischen Kolonie“, erläuterte Dr. Rüdiger Werner. Die gefällten Bäume müssen weggeschafft und unzählige junge, nachgewachsene Gehölze ausgelichtet werden. Die Aktion ist auf längere Zeit ausgelegt, zumal der Zeitraum sehr eng ist: in ein bis zwei Wochen ist Schluss mit Sägen und Lichten, dann beginnt die Brut- und Nistzeit der Vögel. Gerade die hier häufigen Stockenten sind Mitte März schon beim Nestbau.

Dr. Rüdiger Werner und Karl-Heinrich Hechler machten Uferschwalben den Weg frei und lichteten die jungen Weiden aus.

Trotz schönem Wetter waren nur sechs Erwachsene und zwei Kinder zum Arbeitseinsatz angerückt – einige Mitglieder waren krank, „und manchmal hat die Familie eben Vorrang“, bescheinigte Dr. Rüdiger Werner. Am Berngrundsee mit dabei war auch Stephanie Sauer, NABU-Helferin im Bundesfreiwilligenjahr, die mit ihrem Kollegen Linus Metko schon kleinere Vorarbeiten geleistet hatte und sich nun um die kaputten Stellen im umgebenden Zaun kümmerte. Während die Helfer vor allem dürres Geäst aus dem Dickicht zerrten, rückte Vorsitzender Dr. Joachim Wink den großen Stämmen mit der Motorsäge zuleibe. Ein großes Problem ist der Abtransport des geschlagenen Gehölzes – das leichte Reisig wird am Rand aufgestapelt, doch die dickeren Stämme müssen abgefahren werden. In der Vorwoche hatte der NABU schon ein kleines Grundstück am Rödermarkring freigeschnitten, dessen Überreste in fünf Partien vom Bauhof abtransportiert werden mussten.

Nur an der Nordseite des Sees ist der benötigte lehmige, stabile Untergrund zu finden. Wenn die Weiden abgeräumt sind, muss eine Fachfirma den Hang abstützen. Die kostspielige Aktion läuft dann gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde – das hoffen jedenfalls die Rödermärker NABU-Helfer. „Unser großes Ziel ist es, das Gelände zum Naturschutzgebiet zu machen“, blickt Dr. Rüdiger Werner nach vorne.

Quelle: op-online.de

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