51. Weihnachtskonzert des Großen Blasorchesters

Steigerungen bis zum Schlussakkord

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Seit 36 Jahren leitet Dieter Weis die Weihnachtskonzerte des Großen Blasorchesters des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden – auch das 51. am Vorabend von Heiligabend.

Rödermark - Wie seine Vorgänger war auch das 51. Weihnachtskonzert des Großen Blasorchesters des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden am vierten Advent in der Kulturhalle Rödermark lange vor dem Termin ausverkauft. Von Manfred Meyer 

Dabei besonders gefordert: Dirigent Dieter Weis, der sich weder von raffinierten Taktwechseln noch von einem Röhrenverstärker-Defekt beirren ließ. Dieter Weis drückte von Anfang an aufs Tempo. Das wurde gleich beim Auftakt des Konzerts nicht von allen Teilen des Orchesters einheitlich aufgenommen. Gerade bei Philip Sparkes „A Tameside Overture”, mit ihren, so Moderator Norbert Rink, „raffinierten Taktwechseln im Zwischenteil”. Der, in der Tat eine echte Herausforderung für Interpreten, geriet somit verschwommen. Mit vollem Körpereinsatz und eindringlich akkuratem Durchtaktieren brachte Weis seine Truppe durch diesen schweren Parcours. „Da hat der Dieter schaffen müssen”, so ein kundiger Zuhörer im Pausen-Smalltalk seinem Gesprächspartner gegenüber. Hut ab, wie der Maestro da sein stattliches Tutti beieinander- und zusammenhielt.

Und auch kurz vor Schluss, als es wegen eines Defekts am Röhrenverstärker zu einer minutenlangen Zwangspause kam, ließ er sich nicht beirren. Er wartete eine Weile geduldig ab – und konnte dann weitermachen, obwohl die Reparaturarbeiten noch andauerten. Überhaupt entwickelte sich das 51. Weihnachtskonzert der Viktorianer etwas anders, als erwartet. Nicht Stücke als solche gelangen unterschiedlich hochwertig, wie das bei Konzerten anderer Interpreten normalerweise auch nicht anders ist, sondern Passagen. Hauptgrund: Das Programm beinhaltete etliche Werke, in denen zum Teil grundverschiedene Sequenzen miteinander zu verknüpfen waren, mitunter gar ansatzlos aufeinanderprallten. Das musste stimmig, überzeugend, möglichst begeisternd unter einen Hut gebracht werden.

Viktoria-Brass und -Percussions in Aktion beim 51. Weihnachtskonzert in der Kulturhalle Rödermark.

Alles andere als eine leichte Aufgabe – und das am Ende eines ereignisreichen, anstrengenden Jubiläumsjahrs. So glückte etwa der überfall-artige Schlusspart von Jan Van der Roosts ebenfalls diffiziler Rhapsodie „Slavia”, die stellenweise an Chatschaturjans „Säbeltanz” erinnert, so prall und perfekt, dass noch in ihr Verklingen hinein einer Frau im Saal ein fast tonloses und dennoch deutlich hörbares „Bravo!” entfuhr.

Und so lassen sich zahlreiche weitere Stellen aufzählen. Die vom Holz und gestopften Blech produzierten reizvoll „vergilbt” klingenden Schellack-Sounds in „Slavia” – und die im höheren Register berührend schön „singenden” Hörner und Posaunen in Joseph Kosmas „Autumn Leaves”. Oder auch das ganze tiefe Blech, das die Details seines Parts in James L. Hosays „Christmas King” so sauber ausarbeitete, dass keine einzige Nuance verloren ging.

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Oder die reichhaltigen Percussion-Inputs, von Kesselpauke bis Glockenspiel, des Schlagwerker-Quintetts an vielen Stellen des Programms. Darin erwiesen sich Schmankerln wie Schostakowitschs „Walzer Nr. 2” oder John Philip Sousas „Liberty Bell”-Marsch als so was wie im Vorbeigehen tadellos ausgeführte Überleitungen zu höheren Aufgaben. Wie „The Seventh Night of July” von Itaru Sakai vor der Pause. Oder danach „Cinderella”, das Werk mehrerer Komponisten bezüglich der entsprechenden Disney-Verfilmung –und Alan Menkens „Glöckner von Notre Dame”. Dabei erhielt Norbert Rink Szenenapplaus, als er in seiner Anmoderation nahtlos von Donald Trump zum Glöckner Quasimodo überleitete.

Nach der Pause legten die Viktorianer Stück für Stück ein Schippchen drauf - bis es zum Finale hin, mit James Swearingens „A Christmas Auld Lang Syne”, auch tatsächlich zur interpretatorischen Explosion kam. Endlich vollumfänglich die ganze Intensität des Könnens dieses hervorragenden Ensembles! Schluss-Akkord – und donnernder Applaus brach los. Bravo- und Zugaben-Rufe, Freudenpfiffe, Füßetrampeln, stehende Ovation. So ließ Dieter Weis noch das bekannte „viktorianische” Weihnachts-Special folgen.

Quelle: op-online.de

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