Weihnachtsbaum

Schmücken als Gemeinschaftswerk

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Viel Arbeit ist nötig, bis aus einer x-beliebigen Tanne oder Fichte ein kirchentauglicher Christbaum mit. In mancher Gemeinde brauchen Ehrenamtliche die Hilfe von Profis. Seit bald 20 Jahren kurz vor Weihnachten immer in luftiger Hohe unterwegs: die Damen vom „Frauenfrühstück“ der evangelischen Kirchengemeinde Ober-Roden, die ehrenamtlich den großen Baum zum Christbaum machen.

Rödermark - Es ist wie im „wahren“ Leben zuhause: Der künftige Christbaum ist noch eine ganz normale Fichte oder Nordmanntanne und wird im Netz dorthin geschleppt, wo er zum Schmuckstück werden soll.

Doch dann stellt man fest, dass der Stamm zu dick ist - also wieder raus damit, den Mann mit der Kettensäge gerufen, wieder reingeschleppt und mit Gewalt hochgestemmt. Hier spätestens kommt der Unterschied. Denn die Bäume, um die es geht, stehen in Rödermarks Kirchen und sind etwa drei- bis zehnmal so groß wie jene im heimischen Wohnzimmer. Da ist die Mithilfe nicht schwer, da arbeitet jeder ja für die eigene Familie. Aber wie sieht es in den Kirchengemeinden aus? Hier ist Ehrenamt wieder mal Ehrensache.

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„Es sind immer die Gleichen“, bekommt unsere Zeitung meist in den Gemeindebüros zu hören. „Aber mittlerweile werden diese Ehrenamtlichen auch immer älter und haben vielleicht bald keine Lust mehr“, befürchten so manche Gesprächspartner.

In St. Nazarius etwa bekommen langjährige Helfer Mitarbeiter zweier Landschaftsgärtner mit Kran und Hebel zur Seite gestellt – anders geht es bei der Größenordnung nicht mehr. Parallel zum Krippenaufbau wird der Baum erst am Tag vor Heiligabend aufgestellt. Die Petrusgemeinde hat den „nackigen“ Baum schon hingestellt. Aber erst heute wird er geschmückt. In der Freien evangelischen Gemeinde dagegen steht schon der geschmückte Baum - wenn auch noch ohne Kerzen: „Unsere Damen haben das gleich nach einer Veranstaltung am letzten Samstag getan“, berichtet Pastor Jens Bertram.

Ganz praktische Gründe

Ganz praktische Gründe hatte auch das Aufstellen des Christbaums am Mittwochabend in der evangelischen Kirche Ober-Roden. Da waren nach dem „Lebendigen Adventskalender“ ohnehin mehrere Ehrenamtliche - fast allesamt Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, teils sogar mit Ehepartner und Nachwuchs - da. Außerdem wird der Kirchenbaum seit fast 20 Jahren stets von den Damen des „Frauenfrühstück“ geschmückt. Und die treffen sich donnerstags. Sie angeln mit langen Stöcken von der Leiter und von der Empore aus im Baum herum, laufen auch mal kurz mehrere Straßen nach Hause, weil „genau da in der Mitte noch eine roter Kugel fehlt“. Freundlich-bestimmt dirigieren sie den Freiwilligendienstler, der wohl noch nicht viele Lichterketten montiert hat und auch nicht schwindelfrei ist. Doch nach Stunden sind auch sie mit dem Ergebnis einschließlich der Krippe unterm Baum recht zufrieden.

Wenn in der Christnacht die Kirchen dunkel und nur die Bäume erleuchtet sind, sieht niemand mehr, wo eine rote Kugel fehlt - dann bestaunen alle die schönen Symbole des Weihnachtsfestes. Und vielleicht gilt dann auch ein guter Gedanke den Menschen, die sie so prächtig geschmückt haben.

chz

Quelle: op-online.de

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